Bettina Röhl direkt: Die widersprüchliche Debatte über den Islam

kolumneBettina Röhl direkt: Die widersprüchliche Debatte über den Islam

Kolumne von Bettina Röhl

BamS-Vizechefredakteur Nicolaus Fest und BILD-Chef Kai Diekmann haben mit zwei kurz aufeinanderfolgenden Kommentaren in Bild, Bild am Sonntag und Bild online eine Debatte über den Islam, den Islamismus und die Meinungsfreiheit in Deutschland ausgelöst. Fest steht: Jede grundgesetzkonforme Religion gehört zu Deutschland. Und es gilt auch: Jede Religionskritik gehört zum Grundgesetz.

Nein, der Islam gehört nicht zu Deutschland. Mit diesem Credo tat sich der seit zwei Jahren amtierende Bundespräsident Joachim Gauck, bald nach seiner Amtsübernahme hervor und er tat dies in erklärtem Widerspruch zu seinem Amtsvorgänger Christian Wulff, der anlässlich der 20.Jubiläumsfeier der deutschen Einheit den Satz "Der Islam gehört zu Deutschland" gesprochen hatte. Laut Gauck handelte es sich historisch um eine viel zu kurze Zeit, als dass der Satz seines Vorgängers zutreffen könnte. Gauck hob darauf ab, dass die Menschen islamischen Glaubens, die hierzulande lebten, zu Deutschland gehörten, aber nicht der Islam selbst zu Deutschland gehöre. Er, Gauck, sähe nicht, wo der Islam Einfluss auf die europäische Geschichte, insbesondere auf die Aufklärung oder auf die Reformation gehabt hätte.

Wenn sich zwei aufeinander folgende Bundespräsidenten, die beide der politischen Korrektheit eng verbunden erscheinen, so essentiell widersprechen, dann scheint das Thema in diesem, unseren Land gesellschaftlich-politisch gesehen, ein noch recht unausgegorener Gegenstand zu sein. Beide Präsidenten standen irgendwie unter Strom, als sie die zitierten Sätze und Gedanken öffentlich machten und beide äußerten sich ziemlich zu Beginn ihrer Amtszeit, die im Falle Wulffs dann ziemlich schnell anderweitig beendet wurde.

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Ausländer in Deutschland

  • Aus der EU

    Besonders viele Ausländer kommen aus den Ländern, die 2004 der EU beigetreten sind. Die Zahl stieg gegenüber 2011 um 15,5 Prozent. Spitzenreiter ist Ungarn mit einem Plus von 29,8 Prozent, gefolgt von Polen mit +13,6 Prozent.

  • Euro-Krisen-Länder

    Die Zahl der Ausländer aus den von der Euro-Krise betroffenen Mittelmeerstaaten hat sich erhöht. Aus Griechenland sind 5,1 Prozent mehr Ausländer als im Vorjahr nach Deutschland gekommen, aus Spanien waren es 9,1 Prozent mehr Ausländer.

  • Überraschung Türkei

    Die registrierte Bevölkerung mit türkischer Staatsangehörigkeit ist, ähnlich wie in den Jahren zuvor, um zwei Prozent zurückgegangen. Grund dafür ist die relativ hohe Zahl der Einbürgerungen.

  • Beliebstes Bayern

    Die meisten Ausländer zogen nach Bayern, das sind rund 65.900 mehr als im Jahre 2011. Den geringsten prozentualen Anstieg verzeichnet das Saarland mit einem Plus von 1,6 Prozent. 

Jetzt zeigten die BILD-Zeitung und Springer, was sie drauf haben. Der stellvertretende Bams-Chefredakteur Nicolaus Fest eröffnete die Runde am vergangenen Sonntag, in dem er in der BamS den Islam als Integrationshemmnis mit diesem Worten beschrieb:

 "Nur der Islam stört mich immer mehr. Mich stört die weit überproportionale Kriminalität von Jugendlichen mit muslimischem Hintergrund. Mich stört die totschlagbereite Verachtung des Islam für Frauen und Homosexuelle. Mich stören Zwangsheiraten, „Friedensrichter“, „Ehrenmorde“. Und antisemitische Pogrome stören mich mehr, als halbwegs zivilisierte Worte hergeben. Nun frage ich mich: Ist Religion ein Integrationshindernis? Mein Eindruck: nicht immer. Aber beim Islam wohl ja. Das sollte man bei Asyl und Zuwanderung ausdrücklich berücksichtigen! Ich brauche keinen importierten Rassismus, und wofür der Islam sonst noch steht, brauche ich auch nicht."

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