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kolumne Bettina Röhl Direkt: Ist Merkel alternativlos?

Kolumne von Bettina Röhl

Ein Jahr vor der Wahl erregt eine streckenweise psycholiterarisch angelegte Streitschrift zur Person Merkel die journalistische Klasse. Die Publizistin Gertrud Höhler trifft einen Nerv. Oder ist Merkel nur die Profiteurin eines unguten Zeitgeistes?

Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Tag der offenen Tür im Kanzleramt am vergangenen Wochenende. Das amerikanische US-Magazin „Forbes“ lobt unter anderem ihren YouTube-Kanal, in dem sie Bürgerfragen direkt beantwortet. Zur Verteidigung ihres Titels als „mächtigste Frau der Welt“ verhilft ihr aber natürlich vor allem die Bedeutung, die sie derzeit in der Euro-Krise spielt. Merkel sei die „eiserne Lady“ Europas – ein Spitzname, mit dem sich einst die britische Premierministerin Margaret Thatcher schmückte.

Bild: rtr

Ist Merkel alternativlos? Diese Frage beantwortet die SPD seit langem notorisch mit Jein. Und von der guten alten Tante SPD ist auch wohl in diesem Jahr keine vernünftige Antwort mehr auf die K-Frage zu bekommen. Vielleicht stellen die Sozis zur Bundestagswahl im Herbst 2013 überhaupt keinen eigenen Kanzlerkandidaten auf, möchte man witzeln. Naja, vielleicht benennt die älteste deutsche Partei Anfang 2013 ja doch noch irgendjemanden, den sie sich als geeigneten Genossen im Kanzleramt vorstellen könnte.

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Die Grünen kommen als Kanzlerpartei in Betracht, wenn das Grundgesetz zuvor geändert wird und eine gemischt-geschlechtliche Doppelspitze als "Kanzler" zu lässt oder gar ein Kanzler-Team für verfassungskonform erklärt. Die Grünen sind schon immer, bisher allerdings unerkannt, ein Supermarkt gewesen, in dem alles angeboten wird, was zuvor noch keinen Realitätstest absolvieren musste, von den Sonnenblumenkernen bis hin zu scharfem Kriegsgerät. Das Ganze wurde vom aggressiven Machtstreben einer Führungsclique um die Ex-Militanten Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit mit eiserner Faust zusammen gehalten, aber den Erben Fischers in der grünen Spitze bröselt dieser Zusammenhalt aus den Händen. 

Die FDP hat ihren ehemaligen Kanzlerkandidaten in spe Guido Westerwelle ins Außenamt verbannt, das sie allerdings gute Chancen hat 2013 zu verlieren. Und ob die Linkspartei einen Kanzlerkandidaten benennt oder nicht ist von einer solchen offenkundigen Irrelevanz für das politische Geschehen in der Bundesrepublik, dass Vieles dafür spricht, dass die Partei insgesamt beim nächsten Wahlgang zum Bundestag einiges an Stimmen verlieren kann. Bei den Piraten heißt die K-Frage, falls es die Piraten im Herbst 2013 noch geben sollte, bestenfalls, welcher Koalition sie ihre Stimmen leihen könnte.

Ist Merkel zur ewigen Kanzlerschaft verdonnert?

Ist Kanzlerin Merkel also gleichsam historisch zwangsläufig auch in der Wahlperiode des 18. Bundestages von 2013 bis 2017 die Herrscherin im Kanzleramt? Ist Merkel mangels einer Alternative der Opposition zur ewigen Kanzlerschaft verdonnert? Fürchtet sich die Opposition womöglich davor die nächste Wahl zu gewinnen, weil sie außer substanziellen Löchern in ihrem politischen Programm, die sie kaum mit Inhalten wird auffüllen können, auch keinem aus ihren Reihen die Kanzlerschaft zutraut?

Die Unionsparteien werden, wie man nach heutigem Erkenntnisstand das Wahlergebnis 2013 vielleicht hochrechnen darf, ein Wahlergebnis plusminus 35 Prozent, eher etwas weniger, erreichen, Merkels sagenumwobene persönliche Werte, die derzeit deutlich höher liegen, hin oder her. Die FDP wird voraussichtlich die fehlenden Punkte zur absoluten Mehrheit des bürgerlichen Lagers nicht beisteuern können, und womöglich nicht einmal wollen, weil es dort - siehe Wolfgang Kubicki - deutliche Wechseltendenzen gibt.  Deutschland hat de facto eine bürgerliche Mehrheit,  die sich keinesfalls zwingend in bürgerlichen Mehrheiten widerspiegelt. 

Wenn es also keine klaren Lagermehrheiten geben wird, dann ist die Frage, wer Kanzler wird in gut einem Jahr, keine Frage mehr, die der Wähler wirklich entscheidet. Es wird die Morgendämmerung der Koalitionskungelanten sein, die in den Hinterzimmern letztendlich die Entscheidung treffen, ob eine bürgerliche Regierung unter Führung der Unionsparteien zustande kommen oder ob es eine linke Regierung geben wird. Konservativ oder links - das sind allerdings nur noch Etiketten, die ungeeignet sind den wahren Inhalte zu beschreiben.

16 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 30.08.2012, 23:50 UhrKaeckaan

    In der Sendung von Günther Jauch zu den Thesen von Gertrud Höhler wurde Angela Merkel als „intelligent“ und „ehrlich“ bezeichnet, was nicht für einen tieferen Durchblick spricht. Denn diese beiden Eigenschaften schließen bei Frau Merkel einander aus. Das seinerzeitige Interview mit der WDR-Intendantin Monika Piel offenbarte zweifelsfrei, daß unsere Kanzlerin höchstens eines von beiden sein kann, also intelligent oder ehrlich, aber nicht beides zugleich, da sie als Physikerin auf die Frage, ob sie die Relativitätstheorie verstehe, behauptete, sie mal ganz gut verstanden zu haben, was objektiv nicht möglich ist. Wenn sie das also subjektiv wirklich glaubt, ist sie nicht intelligent, und im anderen Falle ist sie logischerweise nicht ehrlich. In Wahrheit ist diese längst falsifizierte Theorie nämlich überhaupt nicht zu verstehen, weil sie beispielsweise wegen der fehlenden Transitivität der zugrundeliegenden Lorentz-Transformation nicht konsistent ist. Man kann dieses Machwerk, wenn man nicht gerade auf den Kopf gefallen ist, also nur durchschauen!

  • 29.08.2012, 21:29 UhrMaNic22

    Mal wieder wunderschöner Artikel, Frau Röhl. Danke.

    Ich frage mich bei der merkelschen Taktik, also durch Opportunismus zwar nicht seine Ideale durchzusetzen, aber immerhin an der Macht zu bleiben, was letzteres denn bringt, wenn man es nicht nach eigenen Vorstellungen gebrauchen kann.
    Man kann sich sogar fragen, ob man es noch mächtig nennen kann, wenn eine Kanzlerin der Spielball des Mainstream wird, der weniger durchdacht als affektiv sich entwickelt. Sie wird dadurch bloß zur Puppe eines sozio-politischen (wie sie treffend sagen) Zeitgeistes. Eine wortwörtlich nur noch ausführende Gewalt, keine konstruktive.

  • 28.08.2012, 16:47 UhrMargrit

    Und wieder ein hervorragender Beitrag von Frau Röhl. Danke
    Ja, die Hetze gegen Frau Höhler jetzt, ist entsetzlich.
    Aber in Deutschland ist die Parole augegeben worden, dass alles stramm links zu sein hat und wer dagegen verstößt und eine andere Meinung hat, der wird platt gemacht.
    Das hat zwar mit Demokratie nichts mehr zu tun, stört aber eine gut geschulte FDJ-Kanzlerin und ihre Freunde nicht
    War gut zu beobachten am Sonntag in der Sendung bei Jauch. Da hat man dann sogar den abgehalfterten de Maiziere ausgegraben, der soch gehen mußte, weil man ihm Staiskontakte nachgewiesen hatte und der v. d. L. fiel mal wieder der Sozialismus fast aus dem Gesicht
    Die Deutschen werden bis zum völligen Untergang alles schlucken, da sie leider immer noch, oder schon wieder extrem obrigkeitshörig sind.
    Und die SPD? Die hat ihre sozialdemokratischen Wurzeln völlig verloren und ist leider keine Alternative.
    Die Grünen? Eine stramme deutschfeindlich Partei.
    Aber alle drei, CDUSPDGRÜNE sind eigentlich inzwischen so was wie eine neue deutsche Einheitspartei geworden, denn gerade auch die SPD sagt ja zu allem was Frau Merkl sagt und tut fröhlich ja.
    Ich habe nur das ungute Gefühl, dass das alles nicht gut enden wird

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