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kolumne Bettina Röhl direkt: Peer Steinbrück - Kanzler 2013?

Kolumne von Bettina Röhl

Peer Steinbrück hat Lust auf Kanzler. Das ist positiv. Doch um Merkel zu schlagen, müsste der Funke der Wechselstimmung generiert werden.

Zurück aus dem Urlaub gab Steinbrück der „Süddeutschen Zeitung“ Mitte August 2012 ein ausführliches Interview. Thema Nummer 1 war selbstverständlich die Euro-Krise. Zu dem Vorstoß von SPD-Chef Sigmar Gabriel, dass die Euro-Länder auf längere Sicht gemeinsam für ihre Schulden haften sollten, sagte Steinbrück: „Wenn Europa die richtige Antwort auf die Katastrophen des 20. Jahrhunderts ist, und wenn Europa die richtige Antworten auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts ist, dann wird sich dieses Europa einig aufstellen müssen.“

Bild: rtr

Acht Jahre Merkel sind genug mögen sich die SPD-Oberen gedacht haben, als sie jetzt die K-Frage der SPD in ihrem obiter dictum entschieden und Peer Steinbrück zum Kanzlerkandidaten der Genossen kürten. Von wegen die Kandidatenfrage werde in der SPD Anfang 2013 entschieden. Von wegen die Parteibasis könnte befragt werden oder gar ein eigenes Votum abgeben, von wegen die SPD hat ihren Anspruch in der K-Frage mitzumischen längst aufgegeben.

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"We can win and (...) we will win!" - diese bei Barack Obama entlehnten Worte schmetterte gestern SPD- Europaparlamentspräsident Martin Schulz auf dem Kongress der europäischen Genossenparteien in Brüssel seinen begeisterten Zuhörern entgegen. Das war die erste Reaktion auf der großen europäischen Bühne auf die Nominierung Peer Steinbrücks zum SPD-Kanzlerkandidaten und Merkel-Herausforderer.
Ende des Jahres wird ein kleiner Parteitag der SPD Steinbrücks Kandidatur abnicken. Der bundespolitische Dämmerschlaf der SPD ist jetzt erst einmal beendet. Die Partei hat das Heft des Handelns nicht sonderlich elegant, aber immerhin in die Hand genommen und den Bundestagswahlkampf 2013, der diese Republik jetzt ein Jahr lang begleiten wird, eröffnet.
In Nordrheinwestfalen wollte sich die dortige Kraft-Meier-Partei nach deren fulminantem Wahlsieg im Mai 2012 jetzt in Münster auf ihrem NRW-Landespartei selber feiern, aber das Hauptereignis wurde die Ansprache des Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, der den Genossen erklärte, dass er eigene Handlungsspielräume reklamiert, die nicht immer mit der Parteilinie übereinstimmen müssen. Das war der erste substanzielle Auftritt Steinbrücks auf der nationalen Bühne.

Reaktionen auf die Nominierung Steinbrücks

  • SPD-Linke

    Die SPD-Linke will Steinbrück zunächst vor allem in die Pflicht nehmen. „An die Parteibeschlüsse etwa zur Vermögenssteuer oder zur Abgeltungsteuer ist auch ein Kanzlerkandidat gebunden“, sagte die Sprecherin der SPD-Linken, Hilde Mattheis, der „Frankfurter Rundschau“ (Samstag). Auch in der Debatte über das SPD-Rentenkonzept seien „Kompromisse kaum vorstellbar“. Die SPD müsse sich dafür aussprechen, die geplante Absenkung des Rentenniveaus zu verhindern.

  • Künast

    Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte am Samstag im Deutschlandfunk, Steinbrück habe für das Amt des Bundeskanzlers die "notwendige Lebens- und Berufserfahrung". Zudem habe er gute Ideen zur Regulierung der Finanzmärkte und Banken. "Ich glaube, wir haben eine gute Chance", sagte Künast zu den Aussichten von Rot-Grün im Bund. An Spekulationen über eine Ampelkoalition wollte sie sich nicht beteiligen: Die Liberalen würden im nächsten Bundestag "nicht drin sein. Deshalb stellt sich die Frage gar nicht", sagte Künast.

  • Höhn

    Die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn, sieht den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück sehr skeptisch. Peer Steinbrück sei "sicher nicht unser Wunschpartner", sagte Höhn am Samstag im Deutschlandradio Kultur. Er sei "eigentlich eher an der FDP als an den Grünen". Das erleichtere den Grünen die Zusammenarbeit mit Steinbrück nicht. Steinbrück sei "ein klarer Machtpolitiker", sie glaube, "deswegen würde er eine solche Situation wie jetzt mit der Ampel (...) auf jeden Fall billigend in Kauf nehmen". Höhn sagte dem Sender, sie glaube, dass Steinbrück sich ein Ampel-Kabinett mit dem FDP-Vorsitzenden Philipp Rösler und Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin vorstellen könne. Für sie selbst sei dies "schon eine ziemliche Horrorvision".

  • FDP

    Der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki lobte die Festlegung auf Steinbrück als „sehr kluge Entscheidung der SPD“. „Peer Steinbrück ist einer, der auch der Bundeskanzlerin Angela Merkel Schach bieten kann“, sagte der FDP-Fraktionschef im Kieler Landtag der „Leipziger Volkszeitung“ (Samstag). „Mit ihm bietet sich für meine Partei eine weitere Koalitionsoption.“

  • Linkspartei

    Kritik kam von der Vorsitzenden der Linkspartei, Katja Kipping. „Steinbrück steht sicher nicht für einen Aufbruch“, sagte sie der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Online-Ausgabe). „Aber der Politikwechsel entscheidet sich an Inhalten, nicht an Personen.“ Der Co-Vorsitzende der Linken, Bernd Riexinger, kommentierte im Kurznachrichtendienst Twitter: „Kanzler wird er nicht. Vize will er nicht. Steinbrück ist ein Zählkandidat und definitiv keine Einladung an Arbeitnehmer und Gewerkschaften.“

  • Parteienforscher

    Der Bonner Parteienforscher Gerd Langguth hält Steinbrück für den gefährlichsten Herausforderer von Kanzlerin Merkel. „Ihm traut man am ehesten zu, dass er etwas von Wirtschaft und Finanzen versteht. Gerade in der Euro-Krise ist er der beste Kandidat“, sagte Langguth den „Ruhr Nachrichten“ (Samstag). Steinbrück dürfe aber nicht „zu schnoddrig an Themen herangehen. Er wird die SPD noch vor große Geduldsproben stellen.“

Gemessen was dieser Schritt der SPD bedeutet, sind die Reaktionen in den Medien, die sich naturgemäß alle mit der Person Steinbrück und seiner Kandidatur befassen, verhältnismäßig lau. Der Funke ist noch nicht recht übergesprungen, obwohl die Initialzündung der aus SPD-Sicht dringend notwendigen Wechselstimmung jetzt unmittelbar generiert werden müsste.
Angela Merkel und die schwarz-gelbe Koalition haben kein Interesse daran, dass der Wahlkampf jetzt oder überhaupt irgendwann beginnt. Merkel wird alles tun, um Steinbrück und seine Aktivitäten herunter zu downen. Der kleine gar nicht so überraschende Kandidatencoup der SPD wird schnell in Vergessenheit geraten und der Kandidat Steinbrück wird ebenso schnell an Zugkraft verlieren, wenn es den Genossen nicht jetzt unmittelbar gelingt die dahin dämmernde Oppositionsrolle und deren Führung zu übernehmen und dem Merkel-Lager einen Wahlkampf aufzuzwingen, der sie sichtbar heraus fordert. Immerhin, die Bundestagswahl im September 2013 hat jetzt zwei Gesichter.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.10.2012, 09:10 Uhrschlimmer-wie-Merkel-geht-nicht

    Wenn man die verblendeten Blogbeiträge so liest, kommt man zu der Überzeugung, dass es den Deutschen recht geschieht, wenn sie dank Merkel und Schäuble die Schulden der anderen Eurostaaten abzahlen müssen - bei telweise höheren pro Kopf Privatvermögen der dortigen Bürger.

  • 02.10.2012, 23:30 UhrMagowitz

    Die heruntergezogenen Mundwinkel und das grimmige Gesicht sollen wohl nicht vorhandenen Entschlossenheit und Tatkraft simulieren. In realiter ist Steinbrück jedoch nichts anderes als ein spätpubertäres Großmaul und ein Radfahrer übelster Sorte, der sich erlaubt hat die kleine demokratische Schweiz anzupöbeln und dabei, wie schon im Artikel erwähnt, z.B. Jersey, die Cayman Inseln und auch Delaware tunlichst zu "vergessen", da dort zu befürchten war, dass ihm seine anglo-amerikanischen Freunde was auf sein großes Maul hauen würden. Was seine ökonomischen und banktechnischen Kenntnisse und Leistungen anbetrifft, unterbietet er noch seinen Mentor, den ebenfalls unterirdischen Finanzfachmann und total überschätzten "Weltökonomen" Helmut Schmidt, dessen wirtschaftspolitischer Nachlass auch nur aus einem Shutthaufen bestand. Was will dieses Land mit so einem Mann wie Steinbrück?

  • 02.10.2012, 19:31 Uhrstein

    Ich stimme zu,dass Steinbrück der beste SPD-Kandisat ist,was bei dem SPD-Personalangebot keine grosse Leistung ist.Ich fürchte nur,dass die Mundwinkel nach unten ziehen und ein grimmiges Gesicht zu machen am Ende nicht reichen wird.Was vollkommen schleierhaft ist,wie man Steinbrück als den Superfinanzfachnman bezeichnen kann.Er ist mir nur als ein Mann mit granatenmässigen Fehleinschätzungen in Erinnerung:
    Die Lehmann-Pleite hielt er für eine beherrschbare Sache
    Die US-Immobilienkrise hielt er für ein lokales Problem
    Die deutschen Banken hielt er für sicher (bald darauf musste er für die Hypo Real Estate viel Geld bezahlen)
    Die Misere bei der WestLB hat er nicht mitbekommen

    Ich denke so jemanden kann man schnell als Quatscher bloss stellen

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