Bettina Röhl direkt: Sarrazin und die Propagandisten des politisch korrekten Mainstream

kolumneBettina Röhl direkt: Sarrazin und die Propagandisten des politisch korrekten Mainstream

Kolumne von Bettina Röhl

Thilo Sarrazin schreibt ein Buch und die Protagonisten des politischen Feuilletons stürzen sich darauf. Sie selber belegen allerdings die Existenz der politischen Korrektheit, von der sie behaupten, dass es sie nicht gibt.

Ach Gottchen, da sind sie nun wieder. Reflexartig gehen die Pferde mit ihnen durch. Es geht um das sogenannte politische Feuilleton im weitesten Sinn, mindestens um einzelne Protagonisten aus diesem Genre. Dieser furchtbar gebildete Stammtisch auf logischerweise höchstem Niveau verbindet nicht selten größte Ahnungslosigkeit und Ignoranz mit größtmöglicher Selbstherrlichkeit und dem schier unbändigen Druck, die wahre, die höhere Erklärung für die Politik im Allgemeinen und im Besonderen beisteuern zu sollen. Damit kann man leben, damit muss man leben. Und man sollte auch gelassen auf die gelegentlichen Nervereien schauen.

Zudem hat das Feuilleton in den vergangenen Jahren die Wirtschaft entdeckt. Feuilleton goes Ökonomie und erklärt den Euro oder den Kapitalismus oder das Finanzsystem oder gleich das Große und Ganze, das die Welt, die Ökonomien zusammen hält. Das ist jedenfalls noch schwerer zu ertragen, als wenn der schöne Geist sich aufs Politische beschränkt.

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Thilo Sarrazin "Es regiert die Gleichheitsideologie"

Thilo Sarrazin kritisiert, dass es in Deutschland zunehmend Denkverbote gäbe. In der Euro-Rettung und in der Genderdebatte müssten auch kritische Stimmen gehört werden.

Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Reflexartig reagieren die feuilletonistischen Propagandisten des politisch korrekten Mainstreams auf einen gewissen Herrn, der auf den Namen Thilo Sarrazin hört. Und dieser Herr hat ein neues Buch geschrieben, mit dem Titel "Der neue Tugendterror". Darin geht es um die politische Korrektheit, um Denkge- und verbote und um die implodierende Meinungsfreiheit, die in den millionenfach gedruckten Exemplaren des Grundgesetzes mindestens noch auf dem Papier steht.

"Sir, Geben Sie Gedankenfreiheit!" lässt Friedrich Schiller den spanischen Infanten Don Carlos  verlangen. Das waren noch lebenswerte Zeiten. Ein Hirn und ein Herz voller freier Gedanken und Zensoren aus Fleisch und Blut, denen man mit Schneid oder einem Tritt in den Hintern Gedankenfreiheit abringen konnte.

Woran erkennt man die Propagandisten des politisch korrekten Mainstreams?

Die Feuilletonisten werden zu Heulbojen und schießen Gift und Galle, wenn Gefahr für den Mainstream auch nur drohen könnte. Und sie schießen Gift und Galle ganz selbsttätig, ohne, dass sie dazu angehalten oder speziell dafür bezahlt würden. Seit langem kontern sie alles, was sie als negativ für den Status quo fürchten und dabei gehen sie eisenhart und extrem humorlos vor.

Man erkennt die Mainstream-Propagandisten daran, dass sie stereotyp, wortreich, ein bisschen von oben herab näselnd, auf eine extrem dümmliche Art historisierend und in einer Lässigkeitsattitüde, die etwas Armseliges hat, behaupten, den offensichtlichen politisch korrekten Mainstream gäbe es gar nicht. Weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart noch sei ein solches Phänomen für die Zukunft zu befürchten (siehe beispielsweise  Joachim Käppner in der Süddeutschen Zeitung vom letzten Wochenende "Schreck lass nach", nicht online verfügbar). Und dieser Propagandistentypus ist zugleich kraft seiner Existenz der schlagende Beweis dafür, dass es den furchtbaren, politisch korrekten Mainstream gibt und dass dieser Mainstream die Gehirne der Menschen und die ganze Gesellschaft vergiftet.

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