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Bettina Röhl direkt: Schäubles Traum

Bettina Röhl direkt: Politik vom Zauberberg

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Schäubles Traum

Der Wiener Opernball Quelle: dpa
Der Wiener Kongress war zum größten Teil ein Ball. Neben Wein, Weib und Gesang war die Neuordnung Europas Nebensache Quelle: dpa

Kohls eigentlicher Erbe war Wolfgang Schäuble, dessen vorübergehender Miterbe Volker Rühe sich damals schnell verabschiedet hatte. Dann kam dem ehrgeizigen Schäuble eine gewisse Angela Merkel in die Quere und natürlich soll das Attentat auf Schäuble hier in seiner politischen Wirkung nicht verkannt werden. Merkel wurde Bundeskanzler, wie es im Grundgesetz heißt und Schäuble, der sich auch schon im Bundespräsidialamt sah, bleibt jetzt eigentlich nur das persönliche Ziel, Kaiser eines neuen Mitteleuropa zu werden oder mindestens als ewiger Übervater des Euro in die Geschichtsbücher einzugehen. Auf dem Weg dorthin könnte er vom nächsten Eurogruppenchef zum nächsten Euro-Finanzminister und dann an die Spitze der neuen politischen Union empor schweben. Schäubles Politik ist  jedenfalls von seinen persönlichen politischen Träumen womöglich intensiver beeinflusst als man seinem Auftreten bei flüchtigem Hinsehen entnehmen möchte.

Jetset-Politik

Während in früheren Zeiten Kriege vielleicht auch deswegen ausgebrochen sind, weil sich die Könige und Feldherrn der streitenden Parteien und Staaten kaum kannten und nur sehr eingeschränkt miteinander kommunizieren konnten, liegt die Gefahr von kapitalen Fehlentscheidungen heute womöglich eher in einem Zuviel von Kennenlernen und Kommunizieren.

Warum hatte der Wiener Kongress, das historische Steckenpferd eines Henry Kissinger, keine nachhaltig ordnende Wirkung auf den alten Kontinent? Weil in der Mischung aus Walzer, Wein, Weib und Gesang und höfischem Ränkespiel keine solide Arbeit geleistet worden war. Alle vergleichsweise beliebig zustande gekommenen Verabredungen der dort versammelten europäischen politischen Eliten, begannen sich, kaum dass der Kongress vorbei war, in Schall und Rauch aufzulösen. Der Wiener Kongress (18.September 1814 bis  9. Juni 1815) war vielleicht der erste paneuropäische politische Psycho-Gau. Der Wiener Kongress, auf dem fast ein Jahr lang "konferiert" wurde, konnte die Probleme Europas gerade nicht lösen.

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Und heute? Man könnte die Mitglieder der europäischen Regierungen als Menschen begreifen, die ohne Bodenhaftung einen permanenten Kongress an wechselnden Orten abhalten. Statt am Schreibtisch wohl informiert zu arbeiten und die eigentliche politische Aufgabe zu erfüllen, nämlich die Ergebnisse der fleißigen Experten mit ihrem gesunden pragmatischen Politikerverstand zu komplementieren und so zu sachdienlichen Entscheidungen zu kommen, rasen Merkel, Obama, Hollande, Monti und ihre Minister wie wild geworden von einem Konvent zum Nächsten. Man schläft fast nie in einem Bett mehr als einmal, sieht sich häufiger persönlich als den eigenen Ehepartner und tagt vornehm und gehetzt zugleich in den Luxusherbergen dieser Welt, umringt von Politpaparazzi.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 19.08.2012, 14:34 Uhrtalcahuano

    Ein erfrischend respektloser Beitrag,der mich zu einem weiteren Fan von Bettina Röhl macht !

    Frau Röhl zeigt auf,was Politik und ihre Protagonisten bewegt und wie persönliche Kränkungen und den vielen Politikern anhaftenden egomanischen Charakterzüge letztendlich das Schicksal eines Staates und seiner Bürger beeinflussen .

    Artikel wie dieser sollten Pflichtlektüre für heranwachsende Menschen sein,um diese vor Bauernfängern und sonstigen Verführern in ihren Wahlkreisen zu bewahren !!!

  • 15.08.2012, 11:58 UhrFunxxsta

    Geehrte Fr. Roehl, ihre Faehigkeit zur Analyse ist derzeit mehr willkommen als je zuvor. Respekt. M.S.

  • 14.08.2012, 21:08 UhrMaNic22

    Es ist immer wieder ein Genuss Ihre Artikel lesen zu dürfen, Frau Röhl. Ich habe diesem, wie so manch anderen von Ihnen geschriebenen, nichts hinzuzufügen. Große Klasse.

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