kolumneBettina Röhl direkt: Sexismus: Ist Brüderle Opfer oder Täter?

29. Januar 2013
Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Bundestag, Rainer Bruederle Quelle: dapdBild vergrößern
Aus einem kleinen Flirtversuch Brüderles macht der stern eine Debatte über Sexismus. Quelle: dapd
Kolumne von Bettina Röhl

Die Kampagne des "Stern" hat eine wirre und abwegige Diskussion ausgelöst. Die Spielzeugdebatte um ein Dirndl, einen Busenblick und eine Tanzkarte diskriminiert die wirklichen Opfer sexueller Gewalt.

Des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Das gilt noch viel mehr für seine Imagination. Zu den schönsten Vorstellungen der meisten Menschen, auch in Deutschland, gehört es eine sexuell ausgefüllte Partnerschaft zu leben. Für viele gehören Familie, Kinder und Karriere dazu. Er guckt ihr auf den Busen. Und sie guckt sich ihn auch an. Und man scherzt und schwelgt, vielleicht auch sogar mal über die Größe des Busens oder über die anderen Größen. Und vor allem in welcher Stellung und mit welcher Praktik auch immer. Man schläft zusammen. Und das ist das Mindeste oder das Schönste, was sich zwei Leute in einer intimen Beziehung wünschen und in der Phantasie zur Erhöhung der Realität vielleicht noch viel mehr.

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Vielleicht scherzt er: Mädel, zieh doch mal das Dirndl an! Und sie schätzt ihren kleinen Busen vielleicht realistischer ein oder freut sich darüber, dass er ihre herrliche Oberweite toll findet. Klar, dass das alles nicht unter dem Begriff Sexismus segelt, außer vielleicht in nachehelichen, nämlich in Scheidungsstreitigkeiten, wo dann im Nachhinein schmutzige Wäsche produziert wird. Klar, dass in einer Beziehung Dinge erlaubt sind, die unter Fremden verboten sind.

Anbaggern

In statu nascendi einer Beziehung leistet nach herrschender Meinung in den einschlägiger Wissenschaften bekanntlich die Frau die eigentliche Initialzündung. Sie sucht den Partner aus, angeblich nach ihr optimal erscheinenden Fortpflanzungsqualitäten und hoffentlich bestem Genmaterial. Sie sei es, die sich den Mann ausspäht und sich in Position setzt und der Mann, der Tölpel, beginnt sein Bestes zu geben und die Frau anzubaggern in dem Irrglauben, er sei der Herr des Geschehens und derjenige, der sich das Weib ausgesucht hätte. So ist ja auch die allgemeine Volksmeinung, der gemäß der Mann der Macher ist, der die Entscheidung trifft, welche Frau er ansprechen will, und die Frauen eher das Objekt.

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Die Frauen scannen also die Männer in ihrer Nähe ab und schauen sich das Objekt ihrer Begierde unauffällig, aber genau an. Von Kopf bis Fuß, was da so alles dran ist, was ihm gefällt oder was sie vermuten. Das alles läuft zwischen Unterbewusstsein und Bewusstsein in Sekundenschnelle ab und wenn eine Frau dann mehr will, brezelt sie sich unauffällig auf, lacht vielleicht etwas lauter, wendet sich in diese oder jene Richtung, zeigt die kalte Schulter, spielt herausfordernde Ignoranz, geht demonstrativ wohin. Das Arsenal der Möglichkeiten kennt keine Grenzen. Die Hauptsache, er beißt an. Und guckt und lächelt und macht den Pfau. Und kommt. Und spricht sie an. Und dann kommt er hoffentlich auch möglichst charmant, gekonnt, liebevoll, rasant, direkt oder wie auch immer zur Sache.

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Kommentare | 43Alle Kommentare
  • 29.01.2013, 08:02 UhrMatthes

    Ich sehe ihn als Opfer.
    Hätte die Dame sich belästigt gefühlt hätte sie es sofort ansprechen müssen oder ihn anzeigen müssen. Nach einem Jahr erst in die Presse zu gehen ist eindeutig nur der Versuch, ihn zu schädigen. Und eine Reihe von Damen versucht, aus der Publicity für ihre Interessen Vorteile zu ziehen! Kein Grund für Brüderle sich zu entschuldigen. Da sollte sich eher die Presse, die das Thema hochspielt, bei Brüderle entschuldigen.

  • 29.01.2013, 08:15 UhrMalin

    Vielen Dank für diesen klaren und kritischen Artikel.
    Es war sicher ungeschickt von Brüderle, sich so zu verhalten, zumal gegenüber einer Journalistin. Aber ihr Verhalten und das Breittreten dieser Bagatelle führt dazu, dass viele Menschen denken: "Die Frauen sollen sich mal nicht so anstellen. Wegen eines kleinen Scherzes macht die so ein Trara." Und das führt dazu, dass die wahren Opfer, die wirkliche sexuelle Gewalt erlebt haben, nicht mehr ernst genommen werden. Und das dürfen wir nicht zulassen!

  • 29.01.2013, 08:17 UhrDerFrankenberger

    Im politisch korrekten Deutschland darf einen solchen Artikel wahrscheinlich nur noch eine Frau veröffentlichen, so wie kritische Bemerkungen über Israel ausnahmslos Juden vorbehalten sind und Kritik am Islamismus möglichst nur von Moslemverbänden selbst kommen darf. Ach und fast vergessen, Kritik an den Schuldenexzessen der Südländer sind natürlich deren Politikern vorbehalten. Wer aus der Reihe tanzt, ist ein chauvinistisches, ewiggestriges Nationalistenschwein, den gefälligst die ganze Verachtung der deutschen Gutmenschenöffentlichkeit gebührt.

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