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Bettina Röhl direkt: Unaufhaltsame Gruppendynamik

Bettina Röhl direkt: Politik vom Zauberberg

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Unaufhaltsame Gruppendynamik

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble versicherte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Juli 2010, dass die Rettungsschirme nicht von Dauer sein werden. Inzwischen ist klar: Der Euro-Rettungsschirm EFSF wird zwar abgelöst, aber ersetzt durch den permanenten Rettungsschirm ESM.

Bild: dpa

Für die Lieben daheim spuckt die Politelite dann regelmäßig ihre Statements in die Kameras und die Mikrofone, wobei sie die oft recht dürftigen Ergebnisse als neuesten politischen globalen Erfolg für die Menschen verkaufen. Tags darauf rast die politische Klasse und die Medien zu den Monitoren, um zu schauen wie die Statements bei den Börsen angekommen sind. Und alle tun so als wäre dieses aufgeregte Geschehen nichts als die perfekte Normalität, als wäre das alles Politikmachen in modernster und rationalster Form.

Auf dem Zauberberg

Tatsächlich entstehen bei diesen aufgedrehten Politik-Jetset Gruppendynamiken unbeherrschbaren Ausmaßes. Eitelkeiten, Machtneid, Missgunst, Flirtspiele, Gefallen wollen, was der Psycholaden hergibt findet statt und gewinnt in ganz unübersichtlicher Weise die Oberhand. Und eine ganze Klasse von Hofberichterstattern und Begleitpersonen aus Politik und Wirtschaft ist integraler Bestandteil  dieses munteren Treibens. Die Euro-Politik scheint inzwischen auf einem Thomas Mann'schen Zauberberg stattzufinden. Im Roman beschäftigen sich die Figuren am Ende allerdings mit Tischerücken und allerlei sonstigen obskuren Gesellschaftsspielen, bevor der erste Weltkrieg sie aus ihrer Realitätsferne jäh herausholt.

Natürlich sind unsere Politiker heute cool und drehen ihr großes europäisches Rad auch nur als Spiel und gelegentlich kommen sie auch wieder zu sich. Aber das gewaltige Psychodynamiken entstehen und so das allgemeine Denken und Empfinden auf bestimmte wenige Handlungsalternativen beschränken, steht fest. Nur so ist es zu erklären, dass zum Beispiel die absurde Idee einer politische Union zur Rettung des Euro in der europäischen politischen Klasse ernsthaft in Betracht gezogen wird und dort regelrecht en vogue ist. Motto: Den Euro kriegt man nicht hin. Jetzt versuchen wir es hurtig mit dem europäischen Hammer.

Fakt ist allerdings: wer den Euro nicht hinkriegt, kriegt die politische Union erst recht nicht hin und eine solche Union wird es deshalb auch nicht richten. Derlei Fixiertheiten sind das typische Ergebnis von Psychodynamiken innerhalb geschlossener Gruppen, in diesem Fall in der politischen Klasse.

Die eigentliche Euro-Krise

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Politik ist Psychologie, Wirtschaftspolitik erst recht und die grassierende Event- und Kongress-Sucht der Politiker begünstigt die Entrationalisierung der Entscheidungsprozesse.

Die Euro-Krise besteht nicht einmal vorrangig in dem, was derzeit unter diesem Namen sichtbar ist, nämlich in den Haushaltskrisen einiger Teilnehmerstaaten samt der Krisen ihrer Banken. Die Euro-Krise besteht vor allem in den unterschiedlichen Entwicklungsständen der Volkswirtschaften und in den nicht unerheblichen Divergenzerscheinungen, die es neben allem Zusammenwachsen auch gibt. Diese Faktoren bleiben ein permanenter Widerspruch zu einer Gemeinschaftswährung.

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Da braucht es ein Höchstmaß an Besonnenheit und rationaler Öffnung des Blickes auf das Ganze und nicht auf willkürlich heraus gehobene Teilaspekte. Auch Griechenland ist in Wahrheit nur ein kleiner Teilaspekt des Euro.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 19.08.2012, 14:34 Uhrtalcahuano

    Ein erfrischend respektloser Beitrag,der mich zu einem weiteren Fan von Bettina Röhl macht !

    Frau Röhl zeigt auf,was Politik und ihre Protagonisten bewegt und wie persönliche Kränkungen und den vielen Politikern anhaftenden egomanischen Charakterzüge letztendlich das Schicksal eines Staates und seiner Bürger beeinflussen .

    Artikel wie dieser sollten Pflichtlektüre für heranwachsende Menschen sein,um diese vor Bauernfängern und sonstigen Verführern in ihren Wahlkreisen zu bewahren !!!

  • 15.08.2012, 11:58 UhrFunxxsta

    Geehrte Fr. Roehl, ihre Faehigkeit zur Analyse ist derzeit mehr willkommen als je zuvor. Respekt. M.S.

  • 14.08.2012, 21:08 UhrMaNic22

    Es ist immer wieder ein Genuss Ihre Artikel lesen zu dürfen, Frau Röhl. Ich habe diesem, wie so manch anderen von Ihnen geschriebenen, nichts hinzuzufügen. Große Klasse.

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