Bevölkerungsstruktur: Demografischer Wandel legt ungenutztes Potenzial frei

Bevölkerungsstruktur: Demografischer Wandel legt ungenutztes Potenzial frei

Bild vergrößern

Der Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI), Thomas Straubhaar

Deutschland schrumpft und altert. Doch das ist kein Grund für Endzeitstimmung. Der demografische Wandel ist gar nicht so schlimm - wenn künftig die Erwerbsquoten von Frauen, Älteren und Migranten steigen, sagt Thomas Straubhaar.

Die Diagnose ist eindeutig: Deutschlands Bevölkerung schrumpft, sie wird immer älter und immer bunter. Viele verfolgen diese demografischen Trends mit Sorgen und Ängsten. Bekommen wir eine Republik der Alten – und der Zukunftslosigkeit? Bedroht die steigende Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund nicht unsere kulturelle Identität? Läuft die Demografie also völlig aus dem Ruder?

Die Antwort lautet: Nein! Dass die Bevölkerungszahlen zurückgehen, ist kein Grund für Endzeitstimmung. Weniger Menschen bedeuten zuerst einmal weniger Ballungsstress. Wenn weniger Menschen Strom benötigen, Häuser bauen, Autos fahren und Müll produzieren, kommt das der Ökologie zugute. Der richtige Umgang mit demografischen Veränderungen ist aber gleichwohl eine Schicksalsfrage.

Anzeige

Es ist dabei weniger die Schrumpfung, sondern eher die Überalterung, die uns herausfordert. Ein immer größerer Anteil der Bürger wird künftig sehr alt sein. Die Zahl der 60-Jährigen und Älteren steigt bis 2030 um fast 40 Prozent von heute gut 20 Millionen auf über 28 Millionen, die Zahl der über 80-Jährigen vermutlich sogar um über 70 Prozent von 3,6 Millionen auf 6,3 Millionen. Wozu das führen kann, zeigen Modellrechnungen des Statistischen Bundesamtes. Demnach kann der demografische Wandel zu über 50 Prozent mehr Pflegebedürftigen und zwölf Prozent mehr Krankenhausbehandlungen im Jahr 2030 im Vergleich zu heute führen. Die Zahl der Pflegebedürftigen dürfte von rund zwei Millionen auf fast dreieinhalb Millionen steigen.

Humankapital besser nutzen

Damit der demografische Wandel seinen Schrecken verliert, gibt es nur einen Ausweg: Wir müssen künftig die vorhandenen Potenziale an Humankapital besser nutzen. Ungenutztes Potenzial findet sich bei Menschen, die gerne arbeiten würden, aber aus verschiedenen Gründen nicht arbeiten können – insbesondere Frauen, Ältere und Menschen mit Migrationshintergrund. Die Erwerbsbeteiligung der Frauen in Deutschland ist stetig gewachsen. Sie ist jedoch weiterhin deutlich geringer als bei den Männern.

Es sind vor allem die Frauen, die ihren Beschäftigungsgrad bei der Geburt eines Kindes reduzieren. Dabei würde es sich lohnen, die Voraussetzungen zu verbessern, damit Frauen verstärkt dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Dazu gehören betriebliche Rahmenbedingungen, die Leistung und nicht Anwesenheit belohnen und es ermöglichen, ort- und zeitunabhängig Aufträge zu erledigen. Und dazu gehören verlässliche Ganztagsschulen mit Mahlzeiten, qualifizierten Aufgabenhilfen und nachmittäglichen Förder- und Freizeitangeboten für die Kinder.

Verzicht auf hochqualifizierte Frauen wird immer kostspieliger

Ein Anstieg der Erwerbsbeteiligung der Frauen ist auch deshalb wichtig, weil von der Bildungsexpansion der letzten Dekaden vor allem die Frauen profitiert haben. Keine frühere Frauengeneration war auch nur annähernd so gut ausgebildet wie die heutige. Der Anteil der Frauen mit Berufsabschluss ist von rund 40 auf fast 60 Prozent gestiegen, der mit Hoch- oder Fachhochschulabschluss von nahezu null auf über zehn Prozent. Bei den Schulabschlüssen haben die Frauen die Männer überholt und stellen in Realschulen und Gymnasien die Mehrheit. Frauen dürften daher in Zukunft im Schnitt besser ausgebildet sein als Männer. Ein Verzicht auf die Nutzung der erworbenen Fähigkeiten wird für die betroffenen Frauen und für die Gesellschaft somit immer kostspieliger.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%