BGR-Situationsbericht: Deutschland ist weiter abhängig vom Energielieferant Russland

BGR-Situationsbericht: Deutschland ist weiter abhängig vom Energielieferant Russland

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Ein Mitarbeiter von Gazprom arbeitet an einem Gasregler in Sudscha (Russland) nahe der ukrainischen Grenze.

Dank der Energiewende sind Wind, Sonne, Wasser und Biomasse derzeit allgegenwärtig. Doch im Gesamtbild wird klar: Deutschland hängt noch immer vor allem an Öl und Gas. Und beides kommt überwiegend aus Russland.

Beim Energiehunger der Industrienation Deutschland herrscht weiter eine enorme Abhängigkeit vor allem vom Rohstofflieferanten Russland. Vergangenes Jahr stammten nur noch zwei Prozent des Erdöls und zwölf Prozent des Erdgases aus inländischer Förderung, da die heimischen Quellen zur Neige gehen. Das geht aus dem Situationsbericht der Bundesanstalt für Rohstoffe (BGR) in Hannover hervor, der der Nachrichtenagentur dpa am Montag vorlag. Demnach sind Öl und Gas hierzulande Hauptenergieträger mit zusammen 55 Prozent Anteil. Bei beiden dominiert Russland als Hauptlieferant und sorgt für jeweils gut ein Drittel der Importe.

Bei der gesamten sogenannten Primärenergie - gemeint sind damit alle natürlich vorkommenden begrenzten Quellen wie etwa Öl und auch alle regenerativen wie Wind - hängt Deutschland erheblich von Importen ab. Die Haupterklärung dafür ist die große Bedeutung von Öl und Gas mit zusammen mehr als der Hälfte Anteil. Denn nur bei Braunkohle, Atomenergie und den Erneuerbaren ist Deutschland Selbstversorger. Die drei Formen kommen aber zusammen noch nicht einmal auf ein Drittel Anteil.

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Flüssiggas: Fakten über die Fracking-Alternative

  • Was ist Flüssiggas?

    In Europa wächst die Sorge, die Ukraine-Krise könnte die Versorgung mit russischem Erdgas gefährden. Daher setzen viele Länder auf verflüssigtes Erdgas, kurz LNG (Liquefied Natural Gas). Auf –160 Grad Celsius gekühlt, lässt es sich problemlos transportieren. Doch noch mangelt es an effizienten Verflüssigungsanlagen auf dem Meer und an Land sowie an Tankschiffen – und auch der Preis muss stimmen.

  • Wie wird Flüssiggas gewonnen?

    Riesige Bohrschiffe – größer als Flugzeugträger – holen das Erdgas aus dem Meer, verflüssigen es und pumpen es in Tanker. Eines der ersten wird in Südkorea gebaut und soll 2016 vor Australien seinen Betrieb aufnehmen.

  • Wie sehen die LNG-Tanker aus?

    Moderne LNG-Tanker nutzen Erdgas als Brennstoff für den Motor. Ein Schiff kostet rund 220 Millionen Dollar. Es fasst 150.000 Kubikmeter, das deckt den Jahresbedarf von 73.000 Einfamilienhäusern

  • Wie viele Tankschiffe gibt es?

    Wollte Europa 2020 gänzlich auf russisches Erdgas verzichten, wären weitere 87 LNGTanker nötig. Das Problem: Nur eine Handvoll Werften weltweit baut diesen Schiffstyp.

    2014: 3920 Tankschiffe

    2020: 4790 Tankschiffe

  • Wer exportiert Flüssiggas?

    237,7 Millionen Tonnen Flüssiggas wurden 2012 international gehandelt. Nur 48,4 Millionen Tonnen gingen nach Europa, fast der gesamte Rest landete in Asien. Hauptexporteure sind Katar, Algerien, Nigeria, Malaysia, Indonesien, Trinidad und Russland. Spätestens ab 2020 wollen auch.

    Australien und die USA verstärkt Flüssiggas exportieren. Angaben in Millionen Tonnen pro Jahr

  • Wie gleangt das Gas zu den Verbrauchern?

    In rund 40 europäischen Häfen gibt es Terminals, die aus flüssigem Erdgas wieder gasförmiges machen. Deren Kapazität genügt auch für weiter steigende Importmengen. Durch Pipelines gelangt das Gas zu den Verbrauchern.

  • Wie teuer ist Flüssiggas in Deutschland?

    Bereits heute ist Flüssiggas in Deutschland ähnlich teuer wie russisches Erdgas.

    2014

    LNG: 10 US-Dollar pro Energieeinheit*

    Russisches Gas: 10,9 US-Dollar pro Energieeinheit*

    2020

    LNG: 10-12 US-Dollar pro Energieeinheit*

    Russisches Gas: 10,9 US-Dollar pro Energieeinheit*

    *Million British Thermal Units, entspricht rund 293 kWh

Mit 13 Prozent macht die zu fast 90 Prozent importierte Steinkohle den Primärenergiekuchen komplett. Die BGR betont, es sei „auch zukünftig von einem weiteren Anstieg der Importabhängigkeit Deutschlands bei den fossilen Energierohstoffen auszugehen“. Das Bild ändern könnte die hochumstrittene Frackingtechnologie, die mit Chemie Erdgas aus Schiefergesteinen gewinnt. „Ob überhaupt und falls ja wann die Produktion aus solchen Vorkommen erfolgen könnte, ist nicht absehbar“, heißt es in der aktuellen Rohstoffstudie.

Bei der gesamten Rohstoffbilanz hält die BGR fest, dass Deutschland im vergangenen Jahr erstmals seit mehr als zehn Jahren weniger für seine Rohstoffimporte zahlte als im Vorjahr. Die Finanzkrise 2009 bleibt in dieser Betrachtung als Ausnahme außen vor. 2013 wurden demnach mineralische Rohstoffe wie etwa Metall und Energierohstoffe im Wert von rund 142,8 Milliarden Euro eingekauft. Das war im Vergleich zu 2012 ein Minus von 5 Prozent. Der größte Teil der Kosten entfiel dabei auf die Energierohstoffe (70 Prozent).

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