Bieterverfahren: Nürburgring-Verkauf wird zur Farce

exklusivBieterverfahren: Nürburgring-Verkauf wird zur Farce

Bild vergrößern

Die Nürburgring-Insolvenzverwalter Jens Lieser (links) und Thomas Schmidt (rechts).

von Florian Zerfaß

Ein dubioser Kaufinteressent narrt die Nürburgring-Insolvenzverwalter und deren Berater von KPMG mit einem Verwirrspiel. Das laufende Bieterverfahren wird zur Farce.

Der Skorpion lauert im Verborgenen auf Beute, die Attacken mit seinem Giftstachel startet er meist aus einem Unterschlupf heraus. Der größte Fehler, den seine Opfer machen können: den Skorpion nicht früh genug zu entdecken.

Beim aktuell laufenden Verkauf des Nürburgrings haben die beiden Insolvenzverwalter Jens Lieser (Koblenz) und Thomas Schmidt (Trier) sowie ihre Berater von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG noch keinen Skorpion-Alarm ausgerufen. Dass sie einen schmerzhaften Stich verspüren werden, scheint jedoch nur noch eine Frage der Zeit.

Anzeige

Unter die Bieter für die beiden Rennstrecken samt angeschlossenem Freizeit- und Businesskomplex hat sich nach Recherchen der WirtschaftsWoche nämlich ein reichlich dubioser Interessent gemischt. Einer, der sich schon viele Namen gegeben hat, darunter auch Skorpion. Einer, von dem es zwar kaum Fotos gibt, dafür aber ein ziemlich zwielichtiges Bild: Seine Spuren führen nach Florida, nach Hongkong, in die nordhessische Provinz, und wer ihnen folgt, kann beobachten, wie sich eine der vermeintlichen Top-Offerten für den Nürburgring als Verwirrspiel eines flunkernden Filous erweist.

Millionenofferte aus Hongkong

Satte 275 Millionen Euro will ein weithin unbekanntes Unternehmen namens La Tene Capital Limited aus Hongkong für den Kurs in der Eifel geboten haben. Mit diesem noch unverbindlichen Angebot hat es La Tene offenbar in das Allerheiligste der Nürburgring GmbH geschafft, den so genannten Datenraum. Dort dürfen ausgewählte Bieter die intimsten Geschäftsunterlagen und -geheimnisse inspizieren. Darunter ist nach Informationen der WirtschaftsWoche auch La Tene. Die Insolvenzverwalter wie auch KPMG lehnen auf Nachfrage dazu einen Kommentar ab.

Nürburgring ADAC muss sich hinten anstellen

Der Automobilclub schafft es vorerst nicht in die engere Auswahl der möglichen Käufer für den Nürburgring. Doch das ist nur eine Momentaufnahme – denn das Verkaufsverfahren hat noch einige Tücken.

Das Logo des Nürburgrings an der Rennstrecke Quelle: dpa

Die Offerte von La Tene dürfte eine der höchsten sein. 275 Millionen Euro wären ein Geschenk des Himmels für die Insolvenzverwalter, die Gesamtverbindlichkeiten von mehr als einer halben Milliarde Euro befriedigen müssen. Dem ADAC etwa, der rund 30 bis 40 Millionen Euro geboten hat, versperrten die Verkäufer in der vergangenen Woche noch den Zutritt zum Datenraum. Das Angebot des Automobilclubs sei nicht konkurrenzfähig. Fraglich ist allerdings, warum Lieser/Schmidt sowie KPMG – wo mindestens drei Partner und zwei Seniorpartner an der Transaktion arbeiten – bei La Tene nicht längst die Reißleine gezogen haben. Denn die Möchtegern-Käufer weisen frappierende  Ungereimtheiten auf.

Abgekupfertes Selbstbild

Wer sich die simpel gebaute Firmenwebseite von La Tene Capital anschaut, stößt auf viel geschwurbeltes Eigenlob. Als „führende globale Investmentfirma“ sieht sich das Unternehmen selbst und rollt auf www.latenecapital.com in epischer Breite seine Erfolgsphilosophie aus. Doch vielfach entpuppt sich die Prosa als Plagiat. Die meisten Texte sind wortgleich auf der Webseite des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock aus den USA zu finden. Den Corporate Governance Kodex, also die selbst gegebenen Regeln guter Unternehmensführung, hat La Tene wiederum von Berkshire Hathaway kopiert, der Firma von US-Investor Warren Buffet.

Danach gefragt, teilt La Tene mit, die Texte seien eben gut gewesen – und „warum soll man etwas besser machen, wenn es schon gut ist“? Vielleicht, weil sich eine große Erfolgsgeschichte besser darstellen lässt, wenn man große Erfolge vorweisen kann. Wenn man, wie Blackrock, eine  Institution an der New Yorker Wall Street ist. Oder, wie Buffett, in den Medien vorzugsweise mit dem Etikett „Star-Investor“ oder  „Investorenlegende“ bedacht wird.  La Tene Capital Limited jedoch wurde laut Hongkonger Handelsregister erst im Juni dieses Jahres gegründet. Was zum abgekupferten Selbstbild in etwa so gut passt wie zu den Referenzen aus den Jahren 1993 und 2006, die das Unternehmen auf seiner Webseite nennt.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%