Bild: APArm und Reich
Laut Statistiken der United Nations Children’s Fund (UNICEF) besitzen 20 Prozent der weltweiten Bevölkerung mehr als 80 Prozent des weltweiten Einkommens. Und: Weniger als 100.000 Menschen besitzen zusammen 9,8 Billionen Dollar – das sind rund zwei Drittel des BIP der Europäischen Union. Laut den Autoren der Studie "Inequality: You Don't Know the Half of It", schaffen diese Top 20 so viel Vermögen auf die Seite, dass die tatsächliche Kluft zwischen Arm und Reich wahrscheinlich noch deutlich höher ist.
Beispielsweise in Saudi Arabien mogelten die Reichen des Landes in den Jahren 1970 bis 2010 kumuliert rund 308 Milliarden Dollar am Fiskus vorbei.
Bild: REUTERSVerluste im dreistelligen Milliardenbereich
Insgesamt haben die Reichen der Welt laut einer weiteren Studie von James Henry, dem früheren Chefvolkswirt der Unternehmensberatung McKinsey, ein Finanzvermögen von 21 bis 32 Billionen Dollar in Steueroasen gerettet. Dadurch seien den Staaten Einkommensteuern in Höhe von bis zu 280 Milliarden Dollar entgangen. Laut einer Untersuchung für die Organisation Tax Justice Network (Netzwerk für Steuergerechtigkeit) verliert jedes Land pro Jahr durchschnittlich 189 Milliarden Dollar.
So haben die Topverdiener Indonesiens binnen 40 Jahren 331 Milliarden Dollar am eigenen Staat vorbeigeschmuggelt. Das ergibt einen traurigen Platz neun in der Liste der internationalen Steuerhinterzieher.
Bild: APSteuerhinterzieher aus Schwellenländern
Besonders auffällig ist, dass vorrangig die Vermögenden in den Schwellenländern Geld am Fiskus vorbei mogeln. Die reichsten Bürger in 139 Entwicklungsländern haben in der Zeit zwischen 1970 und 2010 schätzungsweise 7,3 bis 9,3 Billionen Dollar an nichtversteuertem Einkommen außer Landes geschafft.
So sind beispielsweise in China in der Zeit von 1980 bis 2010 rund 1,2 Billionen Dollar Steuern hinterzogen worden. Am russischen Finanzamt gingen binnen 20 Jahren rund 798 Milliarden Dollar vorbei.
Bild: dpaHochverschuldete Steuersünder
Besonders bemerkenswert: Die besagten 139 Länder mit geringem bis mittlerem Einkommen sind mit rund 4,1 Billionen Dollar verschuldet. Verrechnet man allerdings die in Steuer- und Verdunkelungsoasen geparkten Vermögen Ihrer reichsten Bürger, verfügen diese Länder über einen Überschuss von zehn bis 13 Billionen Dollar.
Hätte beispielsweise die Oberschicht Venezuelas nicht 406 Milliarden Dollar außer Landes geschafft, wäre die externe Verschuldung des Landes zwischen Ende 2008 und Anfang 2011 sicher nicht um 66 Prozent auf knapp 77,5 Milliarden Dollar gestiegen.
Bild: REUTERSGravierende Folgen für die Wirtschaft
Selbst in verhältnismäßig armen Ländern schaffen die Reichen fleißig ihr Geld beiseite. In Nigeria flossen binnen 40 Jahren 306 Milliarden Dollar in ferne Steueroasen. Der Entzug solch enormer Summen hat bedeutende politische und wirtschaftliche Folgen. Studienautor James Henry spricht von einem „großen Schwarzen Loch in der Weltwirtschaft“.
Bild: dapd779 Billionen Dollar
Die Südkoreaner schmuggelten innerhalb von 40 Jahren (1970 bis 2010) 779 Milliarden Dollar am Staat vorbei - also fast so viel wie die russischen Steuersünder - allerdings in der doppelten Zeit. Danach folgen die Brasilianer mit 520 Milliarden Dollar hinterzogener Steuern und Kuwait mit 496 Milliarden Dollar.
Bild: dpaKein Gold, kein Haus, kein Boot
Aus Mexico und Venezuela flossen 417 und 406 Milliarden in Steuerparadiese, die Argentinier brachten es binnen 40 Jahren auf beachtliche 399 Milliarden Dollar, die ins Ausland geschafft wurden - wohlgemerkt nur Finanzvermögen. Sachwerte wie Goldbarren, Autos, Gemälde, Yachten und Ähnliches sind bei den Berechnungen überhaupt nicht berücksichtigt worden.
Bild: dpaMittäter Banken
Einen Mitschuldigen beziehungsweise einen Helfer haben die Studienautoren in den privaten Banken gefunden. Im Jahr 2010 hätten allein die Top 50 Banken der Welt insgesamt 12,1 Billionen für private Kunden verwaltet und angelegt. Meistens jenseits der jeweiligen Landesgrenzen. Bezöge man die kleinen Banken, Investmentgesellschaften, Versicherer und Hegde Fonds in die Rechnung mit ein, seien Summen zwischen 21 und 32 Billionen Dollar im Ausland angelegt worden.
Bild: dpaInseln voller Schwarzgeld
Zu den Offshore-Steuerparadiesen zählen laut einer schwarzen Liste der OECD neben der Schweiz und Liechtenstein auch Singapur, die Bermudas, die Cayman Inseln, die Kanal- oder Normannischen Inseln, Nauru, St. Kitts, Antigua, Tortola (Britischen Jungferninseln), Monaco, Zypern und Gibraltar. Insgesamt listet die OECD 80 solcher Steueroasen auf. Alle gemeinsam beherbergen rund 60 Millionen Einwohner, 3,5 Millionen Briefkastenfirmen sowie tausende Briefkastenbanken und Versicherer.
Bild: APKunden von Wirtschaftsboss bis Drogenbaron
Die Kunden dieser ausländischen, meist auf Inseln ansässigen Steueroasen, seien sowohl die Reichen und Großkonzerne dieser Welt als auch die schlimmsten Schurken der Welt. In der Studie heißt es, die Stammkunden seien sowohl der 30-jährige chinesische Immobilienspekulant und der Software-Tycoon aus dem Silicon Valley als auch die Ölmagnaten aus den arabischen Emiraten oder Drogenbosse aus Mexiko.
Arm und Reich
Laut Statistiken der United Nations Children’s Fund (UNICEF) besitzen 20 Prozent der weltweiten Bevölkerung mehr als 80 Prozent des weltweiten Einkommens. Und: Weniger als 100.000 Menschen besitzen zusammen 9,8 Billionen Dollar – das sind rund zwei Drittel des BIP der Europäischen Union. Laut den Autoren der Studie "Inequality: You Don't Know the Half of It", schaffen diese Top 20 so viel Vermögen auf die Seite, dass die tatsächliche Kluft zwischen Arm und Reich wahrscheinlich noch deutlich höher ist.
Beispielsweise in Saudi Arabien mogelten die Reichen des Landes in den Jahren 1970 bis 2010 kumuliert rund 308 Milliarden Dollar am Fiskus vorbei.
Einer entsprechenden Forderung der Länder hat sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) angeschlossen, berichtet die WirtschaftsWoche. Diese Neuregelung soll im Jahressteuergesetz 2013 eingeführt werden. Wie die WirtschaftsWoche erfuhr, wehrt sich allerdings der liberale Koalitionspartner vehement gegen die Neuregelung, weil „die FDP strikt gegen einen Schnüffelparagrafen für den Fiskus ist“, begründet der liberale Finanzpolitiker Daniel Volk.
Bisher dürfen nur Steuerfahnder und Zoll bei Verdacht unangemeldete Kontrollen vornehmen. Volk fürchtet „die Gefahr eines exzessiven Anstiegs von Betriebskontrollen“. Nun sieht es so aus, dass die Koalition den Passus aus dem Gesetz streicht, die Länder ihn aber später im Vermittlungsausschuss eventuell wieder hineinverhandeln.















