Bildung: Allensbach: Nur neun Prozent glauben an gezielte Förderung in Schulen

Bildung: Allensbach: Nur neun Prozent glauben an gezielte Förderung in Schulen

Mit dem schleichenden Ende der Hauptschule verlagern sich viele Probleme in andere Schulformen. Nur neun Prozent der Bundesbürger glauben, dass die Kinder in Deutschland begabungsgerecht gefördert werden.

Mit ihren Überlegungen, die Hauptschule zur Disposition zu stellen, läutet die CDU endgültig das Ende des traditionellen dreigliedrigen Schulsystems ein. Dies geschieht nicht auf Drängen der Bürger und speziell der Eltern, sondern ist die Konsequenz der faktischen Fehlentwicklung dieses vom Konzept her durchaus vernünftigen Systems.

Die Bedeutung der verschiedenen Schulformen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gravierend verschoben. Vor 30 Jahren kamen 24 Prozent der Schulabgänger von einer höheren Schule, heute 41 Prozent. Der Anteil der Realschüler wuchs im selben Zeitraum von 25 Prozent auf 32 Prozent, während der Anteil der Hauptschüler von 46 Prozent auf 21 Prozent sank. Von den Eltern der heutigen Grundschüler strebt die Mehrheit für ihre Kinder das Gymnasium an, 26 Prozent den Besuch der Realschule und nur zwei Prozent die Hauptschule.

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Es ist in Deutschland nie gelungen, die verschiedenen Schulgattungen als Angebote für spezifische Begabungen zu profilieren. Das deutsche System wurde immer als ein Klassensystem empfunden, bei dem Eltern versuchten, ihren Kindern einen Platz in der „besseren“ Schule zu sichern.

Die Hauptschulen wurden nicht als Schulen für handwerklich begabte Kinder anerkannt, sondern leiden seit Jahrzehnten unter dem Image, die Schulform für Kinder zu sein, die den Übergang in die Realschulen und Gymnasien nicht schaffen. Dies förderte einen Selektionsprozess, der dieses gesellschaftliche Bild zunehmend bestätigte. Der Besuch der Hauptschulen ist ausgeprägt schichtgebunden. Ihre Schüler kommen weit überdurchschnittlich aus unteren sozialen Schichten und aus Bevölkerungskreisen mit Migrationshintergrund. Zwei Drittel der Lehrer an Hauptschulen ziehen die Bilanz, dass es an ihrer Schule zunehmend anstrengender wird, zu unterrichten. Gleichzeitig machen Lehrer an Hauptschulen mit den Eltern ihrer Schüler weit überwiegend negative Erfahrungen. Dass die Eltern ihre Kinder unterstützen und fördern, findet nach den Beobachtungen der Hauptschullehrer meist nicht statt. 74 Prozent der Lehrer machen vielmehr die Erfahrung, dass sich die Eltern ihrer Schüler für die schulischen Leistungen ihrer Kinder nur wenig interessieren. Auch Befragungen von Eltern zeigen gravierende Unterschiede zwischen den sozialen Schichten bei der Erziehung und Förderung der Kinder.

Der Selektionsprozess lässt sich auch daran ablesen, wie die Lehrer die Zukunft der Schüler sehen: Die Lehrer an Hauptschulen schätzen die beruflichen Chancen ihrer Schüler heute weit überwiegend kritisch ein, während die Chancen von Realschülern und besonders Gymnasiasten immer besser bewertet werden. Die Mehrheit sieht die Hauptschulen auch nicht als eine Ausgangsbasis für den Übergang in Realschulen oder Gymnasien: Nur 39 Prozent der Eltern von Schulkindern halten dies für möglich, 53 Prozent für schwierig.

Grundsätzlich bejaht die Mehrheit der Bürger ein gegliedertes Schulsystem. 53 Prozent sehen es als ein Merkmal eines guten Bildungssystems an, dass es verschiedene Schulzweige für unterschiedliche Arten von Begabungen anbietet. Als noch wichtiger gelten die Durchlässigkeit des Bildungssystems und Chancengleichheit für alle Kinder. 85 Prozent halten gleiche Bildungschancen für ein wesentliches Merkmal eines guten Bildungssystems, 71 Prozent die Förderung von Kindern entsprechend ihrer Begabungen.

Wird das dreigliedrige Schulsystem aufgegeben, wächst die Heterogenität innerhalb der verbleibenden Schulformen weiter. Die Frage ist, wie sich dann die gezielte Förderung der Schüler sicherstellen lässt. Bürger wie Lehrer stellen dem Schulsystem in dieser Hinsicht schon jetzt ein unbefriedigendes Zeugnis aus. Während 71 Prozent der Bürger die Förderung entsprechend der spezifischen Begabungen für essenziell halten, attestieren dies nur neun Prozent den Schulen. Nach dem Eindruck der Mehrheit gelingt es den Schulen weder, Kinder aus den unteren Schichten gezielt zu fördern, noch hochbegabte Schüler oder spezifische Begabungen. Die Mehrzahl der Lehrer stimmt dieser Diagnose zu. Drei Viertel halten es angesichts der Klassengrößen und Lehrpläne nur eingeschränkt für möglich, Kinder gezielt zu fördern.

Die Aufgabe der Hauptschule verlagert zunächst nur deren Anforderungen und Probleme in andere Schulgattungen. Die entscheidende Frage ist, ob damit Konzepte verbunden werden, die eine bessere, begabungsgerechte Förderung aller Schüler ermöglichen.

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