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Bildung: Ganz kleines Geld für die Kita

Bildung: Von wegen Bildungsrepublik!

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Ganz kleines Geld für die Kita

Baden-Württemberg

Stärken: Der Chancenspiegel präsentiert ein sehr ähnliches Ergebnis wie vorangegangene Pisa-Tests: Was Leistung angeht, sind die Schüler in Baden-Württemberg spitze: Die Lesekompetenz von Neuntklässlern ist überdurchschnittlich, 50,3 Prozent machen das Abitur, nur 5,7 Prozent der Schüler machen keinen Abschluss (Bundesdurchschnitt: 7 Prozent)

Schwächen: Zu den Topschülern gehören leider nur die mit wohlhabendem Elternhaus, Schüler aus sozial schwachen Strukturen haben wenig Chancen, das Gymnasium zu besuchen: Die Chance eines Kindes aus oberen Sozialschichten, das Gymnasium zu besuchen, ist 6,6 mal höher als die eines Kindes aus unteren Sozialschichten (Bundesdurchschnitt: 4,5). Einem Aufwärts- stehen 3,1 Abwärtswechsel gegenüber (Bundesdurchschnitt: 1:4,3). Heißt: Pro Schüler, der von der Realschule aufs Gymnasium wechselt, gehen mehr als drei Schüler den umgekehrten Weg.

Bild: dpa

Ute Günzels Leben wurde politisch, als sie von Berlin nach Potsdam zog. Schon vorher war sie Erzieherin, doch bis dahin bedeutete das, jeden Tag möglichst viele der Hoffnungen zu erfüllen, die sie jeden Morgen aus Dutzenden Kinderaugen anschauten. In Potsdam wurde sie Leiterin einer Kita mit rund 100 Plätzen. Zeit für die Kinderaugen hatte sie plötzlich kaum noch. "Schon vorher war die Arbeit oft anstrengend, aber jetzt stoße ich an meine Grenzen", sagt Günzel.

Es ist diese Fülle von Veränderungen, mit denen die Bundesländer die Quadratur des Kreises versuchen: Die Zahl der Kita-Plätze muss steigen, ohne dass sich Kosten oder Betreuungsschlüssel, also die Anzahl der Kinder pro Betreuer, wesentlich ändern.

So standen Ute Günzel in der alten Kita zehn Stunden pro Woche für Vor- und Nachbereitung der Betreuung zur Verfügung, schon das war wenig. Nun sollten es auf einmal nur noch acht Stunden sein. Noch heftiger schlug eine neue Berechnung der Arbeitszeit ins Kontor. Pro Kind und Tag wurden hier sechs Stunden Arbeitszeit berechnet, geöffnet ist die Kita aber 14 Stunden. Das war der Moment, in dem Günzel sich entschloss, eine Interessenvertretung von Kita-Mitarbeitern zu gründen.

Bildung beginnt schon in der Kita

Aus Sicht des Jugendforschers Thomas Rauschenbach, Präsident des deutschen Jugendinstituts, liegt der eigentliche Skandal nicht allein in den Arbeitsbedingungen, sondern darin, dass Ansprüche und Wertschätzung gehörig auseinanderklaffen. "Es ist inzwischen jedem klar, dass Bildung nicht erst in der Schule anfangen kann", sagt Rauschenbach, "trotzdem wird der Beruf des Erziehers gegenüber anderen pädagogischen Professionen konsequent schlechter gestellt."

Für Kita-Leiterin Günzel offenbart sich dieser Widerspruch darin, dass immer mehr pädagogische Aspekte in die Kinderbetreuung gepresst werden. So sollen gerade Kinder aus ausländischen Familien möglichst in den Kita-Jahren richtig Deutsch lernen. Doch zusätzliche Erzieherstellen bekam Günzel dafür nicht, stattdessen musste sie noch Mitarbeiter für Fortbildungen entbehren. Nach nur zehn Tagen Schulung sollten die dann in der Lage sein, auch als Sprachtrainer zu agieren.

Akademiker in der Kita gebraucht

Die mangelnde Anerkennung von Kitas als Orte der Bildung zeigt sich zudem bei der Ausstattung mit nicht pädagogischem Personal. Selbstverständlich, dass auch die kleinste Grundschule mindestens eine Sekretärin in Vollzeit beschäftigt; in Kitas hingegen müssen die Erzieher die gesamte Verwaltungsarbeit nebenbei stemmen. Dennoch sind sie die am schlechtesten bezahlten Pädagogen des Landes.

Wie ein ferner Traum muss da die Forderung von Jugendforscher Rauschenbach klingen. "Wir brauchen mehr Akademiker an den Kitas", sagt er. Sein Argument dafür lautet: "Wenn die Kitas ihren Bildungsauftrag erfüllen sollen, dann müssen dort Pädagogen mit der bestmöglichen Qualifikation arbeiten."

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Kita-Leiterin Günzel weiß, dass die Nachfrage nach solchen Jobs durchaus da wäre. Denn inzwischen existiert eine ganze Reihe von Studiengängen, die zu Frühpädagogen ausbilden. Doch ihre Akademiker, klagt Günzel, sind meist schnell wieder weg: "Es gibt an Kitas schlicht kein Berufsbild, mit dem wir sie ihrer Ausbildung entsprechend bezahlen könnten."

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.08.2012, 10:31 UhrMalocher

    Nachweislich zeitigt eine Bildungspolitik, die sich hauptsächlich auf den ohnehin dafür unbrauchbaren Nürnberger Trichter stützt, selbst noch unter Einsatz von Unsummen an öffentlichen Geldern keine Erfolge. Dessen ungeachtet drängen jedoch nach wie vor Studenten, aber auch nicht wenige Schüler geradezu fiebrig darauf, einzig auf diese Weise "ausgebildet" zu werden. Ließen insofern allen voran die Universitäten konsequent auch künftig die Finger von solchem Unfug, bliebe insbesondere die Einheit von Forschung und Lehre davon notwendig unberührt und eröffnete ausnahmslos jedem allein schon deswegen vielfältige Zukunftsperspektiven.

  • 15.08.2012, 06:27 UhrBananaRepublic

    natürlich ist DE keine Bildungsrepublik. Aber ich liebe ja Propaganda und Volksverblödung über alles. Schavan versteht es meisterlich einen einen Einzulullen.
    http://www.bildungsbericht.de/daten2012/wichtige_ergebnisse_presse2012.pdf
    interessant ist mal wieder die entgegen jeder Propaganda immernoch fehlenden Ausbildungsplätze. Durchschnittsalter ist momentan im Abituralter bei 19,5 Jahren. Nicht, weil die alle Abitur haben, sondern weil die oft so lange warten müssen, bis sie überhaupt jmd. zum Ausbilden finden.
    wie passt das zu der sonst veröffentlichten Propaganda von den Händeringend suchenden Firmen?

    und dann kommt die"Ausbildungsreife"als vorgeschobener Grund -- wennn man keine unter 18jährigen mehr ausbilden will, dann soll man das bitte offen sagen. Denn dann müsste man die möglichst länger zur Schule senden wie im Ausland auch. Dann würden sie eben auch erst einen weiteren Schulabschluss erhalten bis zur Reife. Und danach käme dann Höhere Bildung/erst danach Berufsbildung tertiär/postsekundär.

    die am frühesten abgeschulten Schüler brauchen am Längsten um einen Platz zu finden.

    und 17,5% der Männer bis 29 haben gar keine Ausbildung bekommen - die könnte man ja wie im Ausland schulisch im Wunschberuf ausbilden statt auf die Gnade der Wirtschaft zu warten, die sie offensichtlich nicht will.

    und von den Studienanfängern ü50% sind vieles Effekte durch Doppel-Abi-Jahrgänge, auch steigt die Zahl der Bildungsausländer. Eigentlich dürfte man nur die inländischen Schulabschlussabsolventen beachten. Da muss man sicher noch was abziehen.

    bestimmte Bereiche sollte man bundesweit standardisieren, z.B. sollte man mit jeder Ausbildung grundsätzlich zumindest die Erlangung der Fachhochschulreife gleich mitvermitteln, um Umwege zu vermeiden

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