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Bildung: Noten haben Nebenwirkungen

von Max Haerder

Weder gerecht noch angemessen: Zensuren hängen nicht nur von der Leistung eines Schülers ab. Die Herkunft wird kräftig mitbenotet. Der Chancengerechtigkeit im Klassenzimmer stehen sie deshalb im Weg.

Matheaufgaben Quelle: dpa
In der Schule schneidet der Professoren-Sohn statistisch stets besser ab als die Tochter eines Arbeitslosen. Quelle: dpa

Noten haben etwas eindeutiges, sie halten fest und schaffen Ordnung, in ihnen gerinnt Leistung zu einer Zahl und Können zu einer Ziffer. Soweit die Theorie. Eine neue Studie im Auftrag der Vodafone-Stiftung rüttelt gehörig an dieser Institution, die aus deutschen Schulen bislang nicht wegzudenken ist. Denn Noten bewerten Können und Fähigkeiten, aber beileibe nicht nur. In der Skala von 1 bis 6 drückt sich mehr aus. Es gäbe, heißt es in der Studie wissenschaftlich sperrig, „Einflüsse leistungsfremder Merkmale“.

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Ungleiche Voraussetzungen

Im Klartext: Es ist eine Illusion, dass sich in der konkreten Zahl ausschließlich – und vor allem: vorurteilsfrei – ausdrückt, wie gut ein Schüler in Deutsch, Englisch oder Mathe ist. Die Familie, die Herkunft, die Leistung im Verhältnis zum Niveau der Klasse, sogar das Geschlecht, all das steht immer mit auf dem Prüfstand.
Ein Beispiel: Zwei Schüler schaffen in einem standardisierten Test zunächst das gleiche schriftliche Ergebnis. In der Schulpraxis schneidet der Professoren-Sohn dennoch statistisch stets besser ab als die Tochter eines Arbeitslosen. Der Habitus spielt dabei eine Rolle, die mündliche Beteiligung, außerdem Urteile und Einstellungen der Lehrer.

Offenbar trägt die Notenvergabe in deutschen Klassenzimmern so kaum dazu bei, die ohnehin bestehenden Probleme sozialer Herkunft zu mildern. Vielmehr noch: Zensuren spielen eine entscheidende Rolle, wenn es um die Wahl des zukünftigen Bildungsweges geht. Sie beeinflussen Eltern bei der Schulwahl, in einigen Bundesländern verhindert ein schlechter Schnitt sogar den Übergang aufs Gymnasium. Wer aufgrund sozialer Nachteile (und nicht wegen seiner Leistungen) erst ein schlechteres Zeugnis und danach vielleicht keine Gymnasialempfehlung erhält, wird also doppelt bestraft. Würden diese Effekte überwunden, dann könnte sich das Gesicht der Gymnasien spürbar wandeln. Bisher kommt dort erst etwa jedes fünfte Kind aus einem Arbeiterhaushalt.

Standardisierte Tests

Die Studienautoren Kai Maaz (Universität Potsdam), Franz Baeriswyl (Freiburg/CH) und Ulrich Trautwein (Tübingen) kommen zu dem Ergebnis, dass sich dieser Anteil auf bis zu einem Drittel erhöhen könnte. Dann etwa, wenn weder die Herkunft auf die tatsächliche Leistung durchschlüge, die Lehrer familienblind wären und wenn die Eltern ebenfalls unabhängig von ihrem sozialen Status über die weiterführende Schule entscheiden würden.
Aus seiner Heimat, dem Kanton Freiburg, bringt der Schweizer Bildungsforscher Baeriswyl deshalb eine konkrete Empfehlung für die deutsche Politik mit. Dort haben die Bildungspolitiker sehr gute Erfahrungen mit standardisierten Tests gemacht, wenn der Übergang von der Grundschule ansteht. Die ungewollten Nachteile der individuellen Lehrerbenotung werden so umgangen. Und Eltern werden über die Folgen der Entscheidung aufgeklärt, insbesondere auch die, die mit dem Gymnasium vielleicht selbst Berührungsängste hätten – alles zum Wohl der Kinder.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.12.2011, 12:15 UhrAnonymer Benutzer: Walter

    Das Auftreten und der soziale Habitus soll in der Schule also eine zu große Rolle spielen? Ich habe selten so einen Unfug gelesen!

    In der Schule werden überwiegend schriftliche Arbeiten ausgewertet, die es reinen Schwätzern und Blendern schwer machen.

    Daher sollen Leistungskontollen in erster Linie im Interesse von unbegabten Schwätzern, deren schriftliche Arbeiten unter Niveau sind, abgeschafft werden. Die Abschaffung von Schulnoten, die der Verfasser des Artikels offenbar begrüßen würde, würde daher in erster Linie unbegbte Personen (sog. Blender), die durch ihr Geschätz noch halbwegs überzeugen könnnen, begünstigen. Solche Schwätzer, die konkrete Aufgaben nicht ausreichend gut lösen können, haben wir in der Politik eigentlich schon genug. Es besteht kein Bedarf, dies auf das ganze Wirtschaftsleben auszudehnen.

  • 14.12.2011, 20:43 UhrRon777

    "In der Schulpraxis schneidet der Professoren-Sohn dennoch statistisch stets besser ab als die Tochter eines Arbeitslosen. Der Habitus spielt dabei eine Rolle, die mündliche Beteiligung, außerdem Urteile und Einstellungen der Lehrer."
    So, so - Quantität und Qualität der mündlichen Beteiligung stört also bei der objektiven Beurteilung. Toll dafür angeblich standardisierte Tests - natürlich von Bertelsmann oder Vodaphon-Stiftungen geschrieben - super! Wie können wir deutschlands Bildung noch effizienter gegen die Wand fahren. Bologna hat es im Studium ja schon fast geschafft...

  • 14.12.2011, 20:37 UhrAnonymer Benutzer: gender

    Zitat: "Noten haben etwas eindeutiges, sie halten fest und schaffen Ordnung..".

    Bevor der Schreiber über die Schule faselt, sollte er erst noch einmal zur Schule gehen, um dort Orthographie zu erlernen! Er kann definitiv nicht richtig schreiben - völlig unabhängig von der alten oder neuen Rechtschreibung.

    Sehr viele, die nicht richtig schreiben oder rechnen können, verlangen zur Vertuschung ihrer Schwäche, daß die Noten abgeschafft werden. Warum? Weil sie dann als Erwachsene zumindest virtuell nachträglich eine bessere Note bekämen, nämlich die früher versagte Note, die das angeblich ungerechte System nicht gegeben hatte. Daß jemand faul oder dumm ist, gibt es in dieser wirren Welt nicht. Dort ist ein Schüler per se unschuldig.

    Nur ist diese 68er-Welt inzwischen bankrott, und der Staat weiß nicht mehr weiter, während diejenigen Staaten, die unsere angeblich ungerechte, aber sehr bewährte Schulwelt von früher heute praktizieren, glänzend dastehen. Sie haben keine Schulden, sondern besitzen Devisen in Billionenhöhe.

    Nein, manche Leute sollten kein Abitur bekommen. Wir brauchen Lehrer, die ihr Fach beherrschen. Lehrer haben wir, aber sehr viele, die nichts können. Sie wurden Lehrer, weil sie sonst nirgendwo untergekommen wären.

    Wir brauchen übrigens auch keine Masseusen, Kindergärtnerinnen oder Krankenschwestern mit durchideologisiertem Pseudo-Hochschulstudium. Das sind alles Fehlentwicklungen, die die hart arbeitenden Menschen finanzieren müssen. Eine Kindergärtnerin muß Herz haben und mit Kindern spielen können, darf aber nicht 3-Jährigen die kranke 68er-Ideologie der EU eintrichtern. Diese ganze Ideologie mit Genderismus, Feminismus und was es noch alles an Schrecklichem gibt, gehört nirgendwo hin, vor allem nicht in Schulen oder gar in Kindergärten. Orwell ist nichts gegen das, was heute abläuft!

    Aber die Uhr läuft für diese Ideologen definitiv ab, weil der Staat kein Geld mehr hat.

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