_

Bildung: Stipendien für die besten Studenten

von katharina.koufen@wiwo.de und Berlin

Die neue Regierung will begabte Studenten mit 300 Euro pro Monat fördern. Die Hälfte soll die Wirtschaft beisteuern. In Nordrhein-Westfalen läuft das Programm bereits.

Unterhändler Schavan und Quelle: dpa
Unterhändler Schavan und Pinkwart: Die noch amtierende Bundesbildungsministerin hat Bedenken gegen das Stipendienprogramm Quelle: dpa

Klugheit lohnt sich demnächst richtig. Die schwarz-gelbe Bundesregierung will die besten zehn Prozent jedes Studienjahrgangs mit Stipendien unterstützen. 300 Euro soll es für besonders Begabte an Universitäten und Fachhochschulen geben. Das Einkommen der Eltern spielt keine Rolle, auch aufs Bafög wird die Summe nicht angerechnet. „Und der Clou an der Sache“, freut sich Andreas Pinkwart, FDP-Bildungsminister in Nordrhein-Westfalen und liberaler Chefverhandler in Berlin: „Die Hälfte wird von der Wirtschaft getragen. Je mehr Geld Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen aufbringen, umso mehr geben wir dazu.“

Anzeige

Pinkwart hat allen Grund zur Freude: Das Stipendienprogramm, eines der wenigen Glanzstücke des neuen Koalitionsvertrags, stammt eins zu eins aus seiner Feder. Die FDP wollte es schon früher bundesweit einführen, scheiterte aber am Widerstand der großen Koalition und der SPD-regierten Länder.

Schavan hatte Bedenken

Auch jetzt wieder, in den Koalitionsverhandlungen, war Annette Schavan als Verhandlungsführerin der CDU wenig begeistert. Sie wollte zuerst keine zusätzlichen Bundesmittel in die Hand nehmen – schließlich ist Bildung Ländersache.

Außerdem schlug das Herz der ehemaligen Kultusministerin von Baden-Württemberg stärker für die Einführung eines Bildungskontos. Ein solches könnte für jeden Neugeborenen eingerichtet und als Vorsorge für die Ausbildung bespart werden. Der Staat würde regelmäßig Prämien zuschießen. Dieses Modell käme den Bausparkassen zugute, die unter dem Rückgang von Neubauten leiden – und viele von ihnen sitzen in Baden-Württemberg.

Programm in NRW bereits aktiv

Schließlich aber schlug sich die CSU auf die Seite der FDP und die schwarz-gelbe Arbeitsgruppe fand einen Kompromiss: Die Hälfte, die der Staat aufbringen muss, wird zwischen Bund und Ländern noch einmal geteilt. Sprich: 75 Euro pro Stipendiat bleiben am Berliner Ministerium hängen. 2015, wenn der Anteil der Stipendiaten von heute 1,8 Prozent der Studenten auf 10 Prozent gestiegen sein soll, wird das Projekt bei Bund und Ländern mit je 225 Millionen Euro zu Buche schlagen.

In Nordrhein-Westfalen, wo sich die Landesregierung inzwischen zum Alleingang entschlossen hatte, muss das Land für die gesamten 300 Euro aufkommen. Immerhin: Das Programm läuft. Seit diesem Wintersemester können sich Studenten zwischen Bonn und Bielefeld direkt an der Hochschule um eine Begabtenförderung bewerben. Wichtig sind vor allem die Abiturnote und für höhere Semester gute Leistungen in den ersten Uni-Jahren.

8 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.11.2009, 16:47 UhrAnonymer Benutzer: Esther

    Wesentlich sinnvoller wäre = in breitangelegt kostenlose bildung und damit verbundenem leichteren Zugang zu bildung überhaupt zu investieren. Für sämtlich alle Studien braucht es keine 1er Abiturienten , es reicht ein mittelguter bis guter Abschluß.
    Es fehlt an bildungsangeboten , bildungsmöglichkeiten für normal begabte Kinder, Schüler und Studenten - wer sagt denn, daß nur 1 er Abiturienten - Schüler - wirklich sehr gut immer weiterkommen - die Praxis lehrt verschiedene Erfahrungen.
    ich denke dieser Ansatz einer Förderung kann niemals ausreichend sein und sollte überdacht werden . Zudem kommt er nur einer gewissen kleinen Gruppe zugute.

  • 29.10.2009, 10:32 UhrAnonymer Benutzer: Jema

    Die Förderung des Stipendien-Systems ist grundsätzlich richtig. Allerdings ist es in vielen bundesländern in Zusammenhang mit den Studiengebühren zu sehen. Und dann ergibt sich eine andere Sicht: Wenn die Stipendien auf die begabten konzentriert werden (die selbstverständlich auch vermehrt in den Genuss einer besonderen Förderung kommen müssen), dann gehen diejenigen, die durch ihre soziale Herkunft sowieso häufiger Startschwierigkeiten in Schule und Studium haben, häufiger leer aus als Kinder aus "gutem Hause". - Sinnvoll wäre es deshalb, den Ausbau des Stipendien-Systems auf ganzer gesellschaftlicher breite zu fördern und die Studiengebühren wieder abzuschaffen: Es reicht nicht, die Crème-de-la-Crème zu fördern. - Wer mehr Studienabsolventen möchte, muss mehr Menschen den Zugang zum Studium erleichtern und durch Förderung derer, die aus sozialen Gründen finanzielle Schwierigkeiten haben und derer, die besonders begabt sind, für das Studium als bildungsmäßigen "Normalfall" sorgen. Die Politik des "Entweder-oder" ist jedenfalls verfehlt.

  • 27.10.2009, 15:49 UhrAnonymer Benutzer: Klaus

    intelligenz und gute Leistungen sollen gefördert werden,trotzdem müssen sich alle an den Kosten des Systems beteiligen. Apropos sehr klug....häufig mangelt es den 1,0-Absolventen an emotionaler intelligenz,das sind mitunter "Zombies" mit denen in Unternehmen keiner zusammenarbeiten will...

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.