Bildung: Von wegen Bildungsrepublik!

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Bildung: Von wegen Bildungsrepublik!

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Obwohl es immer mehr Kita-Plätze und Ganztagsschulen gibt stagnieren die Bildungsausgaben. Langfristig hat dieses System keine Chance

von Konrad Fischer und Max Haerder

Egal, ob Kita-Ausbau, Boom bei Ganztagsschulen oder Exzellenzuniversitäten: Blendende Rhetorik und hübsche Statistiken übertünchen die Wirklichkeit – die Qualität wird geschleift.

Vom 3. September an wird Lehrer Hermann Städtler pädagogische Fehler am laufenden Band begehen. Jeden Tag drei Stunden lang soll er seine Schüler einer Prozedur unterziehen, von der er selbst sagt: "Ich würde meinen eigenen Kinder das nicht antun." Anfang September startet in Niedersachsen das neue Schuljahr, und an der hannoverschen Grundschule "Fridtjof Nansen" heißt das: Aus der Halb- wird eine Ganztagsschule.

Direktor Städtler übernimmt dabei die Rolle eines Feuerwehrmanns, der absichtlich zündelt, um nachher auf mangelnden Brandschutz hinweisen zu können. Grundsätzlich ist Städtler ein Anhänger der Ganztagsschule. Doch das, was in Niedersachsen und anderen Bundesländern gerade als "offener Ganztag" flächendeckend eingeführt wird, "hat diesen Namen nicht verdient", findet er. Städtler hat sich trotzdem darum bemüht, das Modell an seiner Schule zu starten. Die Fehler, so sein Kalkül, würden dann schnell offensichtlich.

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Geld sorgt nicht für klügeren Nachwuchs

Städtlers kalkulierte Zündelei ist eine unübliche Form der Schulentwicklung, doch sie steht für einen bedrohlichen Wandel, der gerade von den Kindergärten bis zu den Hochschulen fast alle Bildungsstätten erfasst: Deren gewaltige Expansion frisst die eigenen Kinder.

Auf den ersten Blick hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland Großes getan. Die Zahl der Kita-Plätze wuchs von rund 300 000 auf mehr als 700 000, die der Ganztagsschulen explodierte von nahe null auf fast 15 000. Und 2,4 Millionen Studenten verzeichnete Deutschland 2012 – Rekord. Nie, so könnte man meinen, war es um Wissen und Chancen in diesem Land so gut bestellt. Zugleich aber stagnieren die öffentlichen Bildungsausgaben bei rund vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Kann das sein?

Sein schon, aber dauerhaft funktionieren kann es nicht. Denn die Diskrepanz der Daten macht eines sehr deutlich: Das Geld, das gegenwärtig in den Ausbau des Bildungssystems fließt, sorgt nicht automatisch für klügeren Nachwuchs. So beeindruckend der Aufschwung ist, er sieht nur deshalb so gut aus, weil er sich auf Zählbares beschränkt. Aber alles, was sich nicht in Datenkolonnen erfassen lässt, bleibt im Dunkeln. Dabei leidet die Qualität massiv unter der Quantität, wie der Blick auf drei Vorzeigeprojekte der vermeintlichen Bildungsrepublik Deutschland zeigt.

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