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Bildungsgipfel : Wirrwarr bei den Bildungsmilliarden

von Katharina Koufen

Bund und Länder haben sich darauf geeinigt, die Bildungsausgaben zu erhöhen. Wie genau die zusätzlichen Milliarden aus der Hauptstadt in die Länderkassen fließen sollen, ist allerdings noch unklar. Die Landesfürsten wachen eifersüchtig über ihre Kompetenzen - und der Bund hat seit der Föderalismusreform bei der Bildungspolitik noch weniger zu melden als ohnehin schon.

Bundeskanzlerin Angela Merkel Quelle: dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel (r.) und Bundesbildungsministerin Annette Schavan (beide CDU) beim Bildungsgipfel Quelle: dpa

Bund und Länder haben sich geeinigt: Ab 2015 sollen jährlich 16 Milliarden Euro mehr in Bildung und Forschung fließen. Damit wäre das Zehnprozent-Ziel erreicht, das Bildungsministerin Annette Schavan anstrebt: Drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts sollen in Forschung, sieben Prozent in Bildung fließen. Das klingt zunächst mal nach einer guten  Nachricht.

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Doch leider nur auf den ersten Blick. Denn die Summe gilt bei Experten als viel zu niedrig, um Deutschlands Bildungsmisere zu beenden. Die OECD spricht von 32 Milliarden Euro jährlich, Bundeskanzlerin Angela Merkel selbst nannte beim Bildungsgipfel vor einem Jahr die Zahl 60 Milliarden Euro. Dass das selbst gesetzte Ziel plötzlich in greifbare Nähe rückt, ist im Übrigen der schrumpfenden Wirtschaft zu verdanken: Die Bundesregierung war so schlau, das Jahr 2009 als Rechengrundlage zu nehmen. Je kleiner das BIP, desto weniger sind zehn Prozent in absoluten Zahlen. Leider sinken Sanierungskosten und Lehrergehälter nicht im Gleichschritt.

Hinzu kommt: Bisher ist unklar, wie die geplanten 5,2 Milliarden Euro vom Bund an die Länder fließen soll. Das klingt banal, dürfte aber noch kompliziert werden. Denn das Bildungssystem krankt an einem Wirrwarr von Zuständigkeiten. Jeder Länderfürst wacht eifersüchtig darüber, dass ihm Berlin nicht in seine Angelegenheiten hineinregiert. Die  Föderalismusreform hat 2006 mit ihrem Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern die Gemengelage noch komplizierter gemacht. Darin steht, dass sich der Bund nicht in Schulpolitik einmischen darf, weder inhaltlich noch finanziell.

Drohszenario für Bundesrat

Theoretisch mag der Föderalismus im Bildungssystem seine Berechtigung haben, der „Wettbewerb um das beste Bildungssystem“ klingt vernünftig. Doch in der Praxis führt er zu ständigem Streit: Der Bund soll mehr Geld für Bildung locker machen, darf dann aber nicht mitbestimmen, wie seine Zuschüsse verwendet werden – was der Bundesregierung nicht passt. So kam es auch beim Programm zum Ausbau der Ganztagsschulen 2004 zu Krach zwischen der rot-grünen Regierung und den Ländern.

Der Bund wollte sichergehen, dass seine Milliarden tatsächlich in Ausbau von Nebengebäuden zu Mensen oder Aufenthaltsräumen für die neuen Ganztagsschüler verwendet werden – und nicht zum Anstreichen der alten Fassade. Genau dies ist aber in vielen Fällen geschehen. Seit Inkrafttreten der Föderalismusreform wäre ein solches Programm, bei dem die Bundesregierung den Ausbau von Schulen finanziert, gar nicht mehr möglich.

So kam es gestern im Kanzleramt zu der absurden Situation, dass die Bundesregierung mehr Geld für Bildung zu verteilen hatte, die Länder – sonst für jeden Cent aus Berlin dankbar-  über dieses Geschenk aber erst einmal die Nase rümpften. Ob sich Merkel und Schavan breitschlagen lassen und 5,2 Milliarden Euro jährlich ohne Zweckbindung in die Landeshauptstädte überweisen, ist fraglich. Möglicherweise ging es den Kultusministern von München bis Kiel ohnehin vor allem darum, ein Drohszenario aufzubauen: Welche Zugeständnisse können wir euch in Berlin abringen, damit wir morgen im Bundesrat eurem Wachstumsbeschleunigungsgesetz zustimmen – und damit massiven Steuerausfällen in den Landeshaushalten?

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 20.12.2009, 17:27 UhrAnonymer Benutzer: Esther

    bildung hat leider bei Deutschlands Politiker nur während des Wahlkampfes einen gewissen Stellenwert .
    Sehr ärgerlich ist : daß ausgerechnet die CDU Länder es sind , die bildung an Herkunft knüpfen , Gebühren eingerichtet haben , also längst unglaubwürdig bei diesem Thema geworden sind .
    Und leider ! macht diese unschöne Sache die FDP mit , sie hat sich bisher nicht für freie bildung stark gemacht . Nein - ein gewisser Kreis - die sogenannte Elite ?? - möchte man unterstützen .
    Solch eine Vorgehens - Sichtweise kann sich ein kleines Land wie Deutschland nicht leisten - Deutschland muß auf bildung setzen - nur - wo bleiben Taten - Entwicklungen - dahin ??

  • 17.12.2009, 23:20 UhrAnonymer Benutzer: Mariposa

    Als Aussenstehender fragt man sich entsetzt, ob den Gewaltigen überhaupt bewusst ist, dass sie hier über die Zukunft unserer Kinder entscheiden? Das Gezerre um die Verwendung von budgetmitteln hat doch schon Tradition. Da werden Studiengebühren trotz gegenteiliger beteuuerungen dann doch für die Heizkosten verwendet, Mittel für Ganztagsschulen bleiben liegen, weil sich das Kollegium vor Ort nicht so recht entscheiden kann ob man diese denn nun will oder nicht oder wie man sie haben will, da streiten sich Schulamt mit Oberschulamt und Kultusministerum etc, etc. Da gäbe es noch viele beispiele, nützt alles leider nur den derzeitigen Schülern nichts. Und so geht Jahr für Jahr ins Land ohne dass sich Entscheidendes tut. Die Politiker machen ein Konferenz nach der anderen. Hier nützt nur noch die Verantwortung auf wenige Stellen klar zu adressieren. Schulen und Universitäten müssen weitestgehend selbständig entscheiden können und dafür dann aber auch die Verantwortung tragen

  • 17.12.2009, 17:22 UhrAnonymer Benutzer: Eckhard Behrens

    Wirrwarr herrscht nur in den Köpfen, die zurück wollen zum kooperativen Föderalismus, der noch nie funktioniert hat und immer nur angestrebt wurde, weil bundeszentralismus schon gar nicht zu erreichen war. Dafür gab es nie Mehrheiten. Denn Einheitlichkeit ist immer nur um den Preis von Qualitätsverschlechterungen in weiten Teilen des bildungswesens zu haben. Wir brauchen Fortschritte in Richtung Freiheit und Wettbewerb der bildungseinrichtungen. Dafür bietet der Politikwettbewerb der bundesländer mehr Chancen als die nivellierende Zentralverwaltung durch den bund.
    bisher ist die Föderalismusreform unvollendet geblieben. Die erste Stufe war richtig. Die zweite Stufe lief in die falsche Richtung, weil sie die Haushaltsautonomie der Länder mit der Schuldenbremse zu sehr einschränkte.
    Die ursprüngliche Aufgabe der zweiten Stufe war, den Ländern die Gesetzgebung über die Steuern, deren Einnahmen ihnen nach dem Grundgesetz zufallen, endlich zuzugestehen. Wir brauchen dafür jetzt eine dritte Reformstufe, die den Ländern endlich Einnahmen-Autonomie gewährt.
    Was wir nicht brauchen, ist eine Töpfchenwirtschaft des bundes mit bürokratischen bewilligungsbedingungen, die die Kreativität der Landesbildungspolitik und der bildungseinrichtungen einengen. Wenn der bund Mittel zuweist, dann bitte mit der Gießkanne, denn die bevorzugung einzelner Ländern dulden die anderen ohnehin nicht. Die Länder zu überwachen, dass das zusätzliche Geld für bildung ausgegeben wird, ist Aufgabe der Landtage und der bürger bei Landtagswahlen. Der bund kann sich darauf beschränken, eine Statistik zu veröffentlichen, aus der sich ergibt, welche Länder das zusätzliche Geld wirklich für bildung zusätzlich investiert haben. Die Kontrolle durch die bürger funktioniert, denn die bildungspolitik entscheidet bekanntlich die Landtagswahlen.
    Eckhard behrens, Heidelberg, www.Ebehrens.de

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