Bildungsministerin im Interview: Schavan - "Meine Dissertation ist kein Plagiat"

Bildungsministerin im Interview: Schavan - "Meine Dissertation ist kein Plagiat"

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Schavan, 57, ist seit 2005 Bundesbildungsministerin. Im Mai 2012 wurden die ersten Vorwürfe gegen ihre Promotion öffentlich.

von Max Haerder

Derzeit läuft ein Plagiatsverfahren gegen Bildungsministerin Annette Schavan. Trotz allem ist sie optimistisch und will sich mehr für Durchführbarkeit von Forschung einsetzen.

WirtschaftsWoche: Frau Ministerin, hatten Sie wegen des Verfahrens der Uni Düsseldorf vergangene Woche Angst um Ihr Amt?

Schavan: Nein. Ich hatte in den acht Monaten ja Gelegenheit, mit vielen Fachwissenschaftlern über die Plagiatsvorwürfe zu sprechen. Ich habe mich auch selbst, im Zusammenhang mit meiner schriftlichen Stellungnahme, noch einmal eingehend mit meiner Arbeit beschäftigt. Auch damit, wie sie vom Zettelkasten über das handschriftliche Manuskript bis zum Abtippen entstanden ist. Das hat mich in meiner Überzeugung bestärkt, dass meine Dissertation kein Plagiat ist. Und deshalb bin ich davon überzeugt, dass die unbegründeten Plagiatsvorwürfe ausgeräumt werden.

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Aber Sie können doch ausgerechnet als Wissenschaftsministerin nicht im Amt bleiben, wenn Ihnen Ihre Universität den Doktorgrad entzieht.

Als Journalist wissen Sie, dass die gefährlichsten Fragen jene mit einem „Wenn“ sind. Und dass man sie nicht beantwortet. Aber ich werde kämpfen.

Dann schauen wir, wie verhandlungsfähig Sie sind. Sie sprechen am Donnerstag mit den Ländern über eine Grundgesetzänderung: Es geht um die Frage, ob der Bund zukünftig dauerhaft Hochschulen finanzieren darf. Können Sie diese Gespräche mit der nötigen Autorität führen?

Das kann ich.

Was soll dabei herauskommen?

Wir wollen die Verfassung ändern, um die Hochschulen in Zukunft finanziell stärken zu können. Die Wissenschaftsminister der Länder wissen um den Wert dieses Vorschlags. Einige Kultusminister aber versuchen, die Situation zu nutzen, um auch Geld für die Schulen herauszuholen. Darüber gibt es aber keinen Konsens unter den Ländern. Deshalb sage ich: Lasst uns jetzt tun, was möglich ist. Wenn wir damit warten, schaden wir den Hochschulen und den Studierenden.

Sie wollen bei den Schulen hart bleiben?

Darum geht es nicht. Der Bund finanziert ja schon eine Reihe von Projekten, die den Schulen zugutekommen. Ich habe den Ländern eine Lehrerbildungsoffensive angeboten. Damit dieses Programm starten kann, müssen die Länder nur ihre 16 Lehrer-Abschlüsse gegenseitig anerkennen. Das kostet kein Geld und könnte sofort passieren. Wir sind also schon präsent, übrigens auch in der beruflichen Bildung. Aber wer bei Schulen weiter gehen will, muss einen realistischen, unter 16 Ländern konsensfähigen Vorschlag machen. Den sehe ich bisher nicht.

Wenn der Bund in die Dauerfinanzierung einstiege: Wie wollen Sie verhindern, dass die Länder ihre Mittel abschmelzen?

Bei bisherigen Projekten hat sich die gemeinsame Finanzierung bewährt. Höheres Engagement des Bundes darf nicht zum Rückzug der Länder führen, sonst haben die Hochschulen nichts gewonnen. Die Investitionen müssen insgesamt erhöht werden. Die Grundfinanzierung ist heute schon zu niedrig.

Stehen die wettbewerblich errungenen Gelder und die Grundmittel überhaupt noch im richtigen Verhältnis?

Eindeutig nicht. Die Grundfinanzierung ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gesunken. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft wird immer stärker dafür in Anspruch genommen, überhaupt noch Forschung zu ermöglichen. Das ist nicht Sinn der Sache. Gerade weil unser Wissenschaftssystem international so attraktiv ist, müssen wir jetzt die Weichen stellen, dass das so bleibt.

Warum kann Wissenschaftspolitik nicht weiterhin über befristete Projekte wie die Exzellenzinitiative organisiert werden?

Weil alle diese Initiativen nicht endlos verlängert werden können. Die Unis brauchen langfristige, verlässliche Perspektiven. Sonst können wir unsere akademischen Stärken auch in der Breite nicht erhalten. Und sonst wird die Zahl derjenigen steigen, die an Hochschulen mit befristeten Arbeitsverhältnissen arbeiten.

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