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Bildungsökonom Wößmann: "Wir verspielen unsere Zukunft"

von Max Haerder (Berlin)

Deutschland muss sich dringend von seinem dreigliedrigen Schulsystem verabschieden und weitere Maßnahmen ergreifen, um massive Defizite bei Chancengleichheit und Bildungsniveaus zu beheben.

Ansonsten drohen in hohem Maße Wohlstandsverluste. Zu diesem Ergebnis kommt der Münchner Bildungsökonom Ludger Wößmann in der WirtschaftsWoche. Mangelnde Chancengleichheit „bleibt das große Versäumnis deutscher Politik“ kritisiert Wößmann. Chancengleichheit sei aber notwendig „für die Akzeptanz der sozialen Marktwirtschaft“. Erfolgreiche Länder „trennen ihre Schüler gar nicht oder später, und sie haben klare Ansprüche, was gelernt werden soll. Wir dagegen fördern gerade nicht die individuellen Begabungen vieler, sondern in erster Linier Kinder aus bessergestellten Haushalten“, bemängelt Wößmann.

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Ergänzend zur Abschaffung der Dreigliedrigkeit fordert er: „Wir brauchen zusätzlich Leistungskontrollen und klar definierte Lernziele, um das Niveau zu erhöhen.“ Der Politik sei noch nicht bewusst, dass „wir hier unsere Zukunft verspielen“. Es gehe nicht um Peanuts, sondern um gewaltige Summen für die deutsche Volkswirtschaft, die zu verloren gehen drohen. Wößmann: „Nach meiner Berechnung um fast drei Billionen Euro in der Lebensperspektive eines heute geborenen Kindes“. Statt besserer finanzieller Ausstattung für die Schulen fordert Wößmann jedoch vor allem mehr Selbstständigkeit: „So entsteht Wettbewerb um bessere Ideen, auch zwischen öffentlichen und freien Trägern. Mehr Geld benötigt vermutlich die frühkindliche Bildung, wo zu viel von betuchten Eltern bezahlt wird und zu wenig öffentlich.“

19 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 05.04.2010, 17:33 UhrAnonymer Benutzer: Ausbilder

    Statt dauernd im Schulsystem "Reformen" zu fordern, sollten endlich wieder Förderung der begabten, Leistung und Erlernen der im berufsleben erforderlichen Fähigkeiten das Ziel in unseren Schulen sein.

  • 05.04.2010, 16:16 UhrAnonymer Benutzer: Observer

    @Miss Finnland

    ich würde noch weiter gehen.

    ich hab mich zwar in der vierten Klasse von der Realschulempfehlung zur Aufnahmeprüfung im Gymnasium durchgeschlagen.

    Danach Abitur mit 1.7 und Diplom mit 1.6 - und das auch nur weil ich etwas brauchbares lernen wollte und wider die erwartete Notengebung Prüfungs- und Diplomthemen belegt habe. Sonst wäre eine niedrige 1.x locker drin gewesen.

    Trotzdem hatte das nichts mit intelligenz und Denkem zu tun.

    ich war nichts weiter als einer dieser gehirngewaschenen Vollpfosten vor denen mir heute Angst und bange wird, dass Noten, Herkunft und Zertifikate als Qualitätsurteil für die Person-, ihre Einstellung oder ihre Qualifikation angesehen wird.

    Von einem Arzt erwarte ich in erster Linie kein 1.0 Abitur, sondern die Fähigkeit und den Mut das Skalpell nach 12 Stunden aus der Hand zu legen und genug, ist genug zu sagen.

    Was man mit solchen standardisierten Auswahl- und Aussiebverfahren einer Gesellschaft antut, passt auf keine Kuhhaut.

    Zur Hochintelligenz bin ich nicht durch die Schule und Noten gekommen, sondern weil mir das Leben mittig eine auf die Zwölf gegeben hat. Und das erst mit 28.

    Jetzt fehlt mir das Zertifikat zur Hochbegabung.

    Was für einen Schwachsinn kann man eigentlich noch straflos verbrechen?

    Elite ist nicht der der sich in die heile Welt der Eliteschule absondert und sich als "Elite" den Ar.. pudern läßt und am Ende ein Stück Papier in der Hand hält, dass er jetzt und für alle Zeit "Elite" ist.

    Wer so statisch denkt, gehört mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht dazu.

    Man sollte sich vielleicht lieber mal neuer Konzepte wie LdL (Lernen durch Lehren) zu Gemüte führen, um die Passivität und Ausgrenzungsmentalität nicht auch noch als "bildung" zu verkaufen.

    Das ist höchstens eine Form von Mißbildung.

  • 04.04.2010, 21:23 UhrAnonymer Benutzer: hepplewhite

    "Miss Finnland" und "Zentral" sprechen mir aus der Seele. Es ist eine einzige Katastrophe, welche Unterforderung man aufgrund früher Ausgliederung beruflich später lebenslang erdulden muß. Man kommt über einen gewissen beruflichen Level einfach nicht hinaus, der Weg ist vorprogrammiert, die Gehaltsstrukturen auch. Wenn man aber nicht aus dem bildungsbürgertum kommt und von seinem Umfeld nicht ermutigt wird, sich weiterzubilden, dauert es lange, bis man später den Mut faßt, in dieser Richtung etwas in die Tat umzusetzen und - nicht zu vergessen - es dann auch finanziell durchzuziehen. Meine zwei Weiterbildungen waren durch das fehlende Abitur (Flüchtlingskind, welches damals trotz guter Noten von den Lehrern nicht für das Abitur in betracht gezogen wurde) allerdings durch den bereits eingeschlagenen berufsweg sehr branchenbezogen. Die erste brachte nur in den Folgejahren etwas und die zweite - mit 51 - gar nichts mehr, da man in diesem Alter als "Quereinsteiger" in Deutschland nicht mehr unterkommt. Was blieb waren "Sekretariats-jobs" wie vorher auch. Hingegen wurden die drei Jahre bei der Rentenberechnung aberkannt. Nun, da zum studieren kein Abitur mehr nötig ist, werde ich wohl nach Renteneintritt "meine Fächer" an der "Universität für das 3. Lebensalter" belegen! Schade nur um die dann jahrzehntelange Wartezeit!

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