Bildungspolitik: Digitaler Notstand an Schulen

Bildungspolitik: Digitaler Notstand an Schulen

, aktualisiert 22. Juni 2017, 12:52 Uhr
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Ein Schüler der achten Klasse tippt in einem Klassenzimmer der Wilhelm-Ferdinand-Schüßler-Tagesschule in Düsseldorf auf einem iPad. Bei der Digitalisierung an den Schulen ist Deutschland nur gehobenes Mittelmaß.

von Barbara GillmannQuelle:Handelsblatt Online

Digitale Kompetenz ist in den Schulen noch immer Nebensache. Viele Lehrer haben keine Ahnung oder finden keine passenden Weiterbildungsangebote. Besonders prekär ist die Lage ausgerechnet in den Berufsschulen.

BErlinSchüler in Deutschland liegen bei den digitalen Kompetenzen im internationalen Vergleich nur im oberen Mittelfeld – von 18 Ländern erreichen sie Platz sechs. Schuld ist die mangelhafte Ausbildung der Lehrer und die fehlende Ausrüstung in den Schulen. Das zeigt das jüngste Mint-Nachwuchsbarometer, eine Meta-Studie der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften Acatech und der Körber-Stiftung.

Die Schüler lernen Computer vor allem in der Freizeit kennen: „Drei von vier Neuntklässlern nutzen zu Hause fast täglich den Computer, aber nur ein Prozent auch in der Schule“, sagt der wissenschaftliche Leiter des Mint-Barometers, Ortwin Renn. In den Grundschulen sieht es ähnlich aus: Nur jeder fünfte Schüler zwischen sechs und acht Jahren hat regelmäßig Unterricht am PC oder nutzt ihn in den Nachmittagsangeboten.

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Acatech sieht darin einen Grund, dass sich Schüler in Deutschland trotz aller Bemühungen in den vergangenen Jahren nur wenig für einen Mint-Beruf begeistern: Lediglich 15 Prozent der Schüler können sich einen Beruf im Bereich Mathematik-Informatik-Naturwissenschaften-Technik vorstellen. Das muss nicht so sein. In Großbritannien etwa sind es 29 Prozent, in den USA sogar 38 Prozent.

ie Lehrer sind im Prinzip willig, „keine Technikmuffel aber zu wenig qualifiziert“, heißt es im Bericht. Rund 90 Prozent finden selbst, dass Schule mehr Medienkompetenz vermitteln sollte. Aber nur die Hälfte aller Schulen hat ein Medienkonzept. vier von 10 Lehrern haben zwischen 2012 und 2015 keine Fortbildung dazu besucht. Und nur jeder fünfte Lehrer gibt an, dass das Studium auf den Einsatz digitaler Medien vorbereitet habe.  

Besonders trübe ist die Situation ausgerechnet in der Berufsschule, die für viele die letzte Möglichkeit bietet, gezielt digitales wissen zu erlernen, das dann im Beruf ohnehin unverzichtbar ist. Nahezu alle Berufsschullehrer, konkret 94 Prozent,  bringen sich   ihre digitalen Kompetenzen selbst bei, heißt es im Bericht.  Von den Azubis selbst wünscht sich die übergroße Mehrheit von 85 Prozent einen häufigeren Einsatz digitaler Lernmedien. Besonders aufgeschlossen seien dabei gering qualifizierte Auszubildende. Doch „das Potenzial, gerade diese jugendlichen über den Computer für die Inhalte der beruflichen Bildung zu begeistern, wird nicht ausgeschöpft“, warnen die Autoren. Kein Wunder, denn fast zwei Drittel der Berufsschulleiter und auch gut die Hälfte der betrieblichen Ausbilder finde, dass die Nutzung von Computern, Tablets & Co. im Unterricht oder am Ausbildungsplatz ein „Mehraufwand ist, der üblicherweise nicht ins Tagesgeschäft passt“.

Gerade vor dem Hintergrund der immer schwierigeren Suche nach Lehrlingen rät Acatech daher den Unternehmen dringend, sei sollten „ganz gezielt die digitalen Aspekte von Ausbildungsberufen bewerben, um so auch bildungsferne Gruppen zu erreichen“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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