Bildungsranking: Der neue deutsche Pisa-Sieger heißt Sachsen

KommentarBildungsranking: Der neue deutsche Pisa-Sieger heißt Sachsen

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Schüler sitzen im Computerraum am Remigianum Gymnasiums in Borken

Der neue Pisa-Sieger heißt diesmal nicht Bayern oder Baden-Württemberg. Der neue Primus heißt Sachsen. Ein Land in Ostdeutschland, mit zweigliedrigem Schulsystem, ohne Hauptschule. Womit wir uns der alten ideologischen Debatte, welches Schulsystem das Beste ist, endlich abwenden können. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteurin Katharina Koufen.

Denn offenbar sind sowohl Länder mit dreigliedrigen Systemen wie Bayern und Baden-Württemberg in der Lage, gute Ergebnisse hervorzubringen, als auch Länder, in denen Haupt- und Realschule zusammengefasst wurden, wie Sachsen.

Ob Schüler gut oder schlecht abschneiden, liegt offenbar weniger daran, wo sie lernen: Ob in der Hauptschule, Stadtteilschule, Gesamtschule oder wie auch immer die Schulen heißen. Viel wichtiger ist, dass schwache Schüler von Anfang an gezielt gefördert werden  - und nicht aufgegeben, in die nächst untere Klasse abgeschoben oder von der Schule verwiesen werden, wie es in Deutschland viel zu häufig geschieht.

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Denn diese Gruppe ist keine kleine Minderheit, die man irgendwie jahrelang mitschleppen kann. Es sind zwanzig bis dreißig Prozent aller Schüler, die am unteren Leistungs-Rand liegen. Sie erreichen mit 15 gerade einmal das Niveau eines Viertklässlers, lesen einen Text bestenfalls ab, aber verstehen ihn nicht, können einfache Rechenaufgaben nicht lösen. Ein großer Teil von ihnen stammt aus Einwanderer-Familien und spricht deutsch nicht als Muttersprache.

Genau hier ist die Politik gefragt. Wenn Kinder, die zuhause nur türkisch oder arabisch gesprochen haben, mit sechs Jahren in die Schule kommen und plötzlich dem Unterricht auf deutsch folgen sollen, ist  es längst zu spät. Sie verstehen vom Lehrstoff kaum etwas, hinken hinterher, bremsen die deutschsprachigen Kinder aus, deren Eltern sich im Zweifelsfall nach einer anderen Schule umschauen – und die Migrantenkinder mit ihren Problemen alleine lassen. In Berlin-Neukölln gibt es bereits eine Grundschule, auf die kein einziges deutsches Kind mehr geht.

Deshalb müssen Anreize geschaffen werden, Kinder so früh wie möglich sprachlich zu fördern. In Berlin müssen die Eltern für das letzte Kita-Jahr vor der Einschulung nichts bezahlen – das ist immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Noch besser wäre es, schon ab spätestens dem dritten Lebensjahr für die Eltern einen Anreiz zu schaffen, ihre Kinder in einen Kindergarten zu schicken. Vor allem Kinder aus bildungsfernen Schichten profitieren von einer frühen professionellen Betreuung. Bisher sind die Anreize leider genau verkehrt: Gerade in den Einwandererfamilien aus der Türkei und arabischen Ländern bleiben die Frauen oft tagsüber zuhause – und bieten allemal eine billigere Betreuung für ihre Kinder, als eine Kita, die Gebühren verlangt. Noch unattraktiver wird es für solche Familien, ihre Kinder in eine Tagesstätte zu schicken, wenn das von der Regierung beschlossene Betreuungsgeld 2013 eingeführt wird: Dann erhalten diejenigen, die ihre Kinder zuhause betreuen, vom Staat sogar noch eine Prämie.

Gut möglich, dass hier die Gründe für den Erfolg Sachsens liegen: Sachsen verfügt über eine bundesweit vorbildliche Betreuung für Kleinkinder sowie ein gut ausgebautes Netz von Ganztagsschulen, in denen schwache Schüler Hilfe bei den Hausaufgaben erhalten. In Sachsen sind wegen der schrumpfenden Bevölkerung die Klassen tendenziell kleiner als in vielen Teilen Westdeutschlands. Sachsen hat einen geringen Anteil von Kindern aus Einwanderer-Familien. Sachsen hat eine einfache zweigliedrige Schulstruktur und blieb vom Streit über das optimale System und einem Hin und Her von Reformen verschont, anders als beispielsweise Hessen mit seinem bildungspolitischen Chaos. Vielleicht sind dies die wichtigsten Lehren aus Pisa 2008: Erstens, nicht so viel Zeit und Energie in ideologische Debatten verschwenden. Zweitens, immer daran denken: Je früher Förderung einsetzt, umso höher ist der Ertrag in Form schulischer Leistung – und desto niedriger sind die Kosten, die später dem Sozialstaat anfallen.

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