Bilfinger Berger Chef: Roland Koch auf Politik-Entzug

Bilfinger Berger Chef: Roland Koch auf Politik-Entzug

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Als Politiker hat Roland Koch gelernt, mit einer Maske ein Bild nach außen abzugeben.

Quelle:Zeit Online

Roland Koch war Ministerpräsident, CDU-Kronprinz, ein Machtpolitiker. Jetzt ist er Chef der zweitgrößten deutschen Baufirma. Aber kann einer wie er der Politik einfach so den Rücken kehren?

Ein Politikerleben, zusammengeschnurrt auf eine Fotogalerie von einem Meter: er mit Kohl, er mit Köhler, er mit dem Dalai Lama, er mit Königin Beatrix. Auf das Bild mit Angela Merkel hat die Kanzlerin mit einem schwarzen Edding geschrieben: "Herzlichen Dank für die gute Zusammenarbeit". Die Fotos sind aus einem Jahrzehnt, der Mann darauf sieht auf fast allen gleich aus. Auf der Fensterbank lauert das grüne Plüschkrokodil, das ihm Joschka Fischer einst schenkte, im Regal liegen die Füller, mit denen er die Koalitionsverträge 1999 und 2009 unterzeichnet hat.

Irgendwann in diesem langen Gespräch im 9.Stock eines unscheinbaren Bürogebäudes in Mannheim wird der Mann, der all diese Souvenirs seines alten Lebens in sein neues verpflanzt hat, sagen, das Schlimmste sei der Zwang zur Selbstbeschreibung. Der Zwang, immer ein Bild nach außen abzugeben: "Man muss aufpassen, dass die Maske nicht zu eigenen Gesichtszügen wird."

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Kronprinz, Hoffnungsträger, konservatives Idol, Schurke: Roland Koch war immer mehr als ein Ministerpräsident. Er hat die Republik gestaltet und gespalten. Er galt als der hellste Kopf einer Generation konservativer Politiker, von denen nach Christian Wulffs Rücktritt keiner mehr übrig ist. Er galt zugleich als bösester von allen, als Beleg dafür, dass Politik den Charakter verdirbt.

Ins Amt gekommen mit einer ausländerfeindlichen Kampagne, gehärtet im Stahlbad der CDU-Spendenaffäre, 2008 gegen den Machtverlust gekämpft mit Attacken gegen kriminelle jugendliche Ausländer: Viele sahen in Koch einen, der sich im Amt zur Kenntlichkeit entstellt hat. Die Inkarnation des Politikers.

Entgiften bei Bilfinger und Berger

Seit gut einem Jahr ist er nun Vorstandsvorsitzender beim Baukonzern Bilfinger Berger. Für das Unternehmen machte Kochs Bekanntheit den größten Reiz der Personalie aus. Für Koch ist das Unternehmen so etwas wie seine persönliche Entziehungskur: die Möglichkeit zu entgiften. Sich als Mensch Koch zu erholen von dem Image, das der Politiker Koch immer wieder erzeugt hat.

Kann so einer die Politik einfach verlassen, ein anderes Leben beginnen, sich verändern?

Ganz sicher war Roland Koch sich selbst nicht, als er sich vor zwei Jahren darauf einließ, in unregelmäßigen Abständen Auskunft über sich zu geben.

Eine Reihe von Treffen

Juli 2010, ein verregneter Sommertag. Roland Koch empfängt in der edlen Wiesbadener Staatskanzlei. Sein Abschied auf Raten hat begonnen, den CDU-Landesvorsitz hat er schon abgegeben. Im September soll ihm Volker Bouffier als Ministerpräsident nachfolgen.

Bouffier, sein Innenminister und Freund aus Jugendtagen. Im Andenpakt, dem CDU-Männerbund, den die Hoffnungsträger der Generation Koch geschlossen hatten, war Bouffier derjenige gewesen, der den Ton angab. Koch hat ihn überflügelt. So wie er fast alle aus seiner Generation überflügelte. Er war Reservekanzler, Schatten-Vorsitzender, die Alternative zu Angela Merkel. Er war auch der Erste, der merkte, dass die Zeit über den Andenpakt hinweggegangen war. Dass eine historische Anomalie namens Merkel die natürliche Thronfolge bei den Konservativen ein für alle Mal verändert hatte.

Roland Koch trägt seine Uniform: rote Krawatte, blauer Anzug, wie immer. Noch stützt ihn sein Amt. Koch scherzt über sein anstehendes "Langzeit-EKG". Er ist obenauf, weil sein Plan so gut funktioniert hat. Was war der Plan? "Einen reibungslosen Übergang hinbekommen, bei dem ich die Chance habe, mich von den Menschen, die mir wichtig sind, aus dieser Funktion zu verabschieden und die CDU ohne Verletzung ihrer Identitätsmerkmale an meinen Nachfolger zu übergeben." Er spricht wirklich so. Wenn Sprache etwas mit Denken zu tun hat, dann lässt sich feststellen: Bei Koch hat alles einen Anfang und ein logisches Ende. Er ist keiner von denen, bei denen jeder Satz im Nirwana endet. Maximale Kontrolle, das bedeutet auch: maximale Distanz.

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