Binnennachfrage: Frustkäufer können die Konjunktur nicht ankurbeln

KommentarBinnennachfrage: Frustkäufer können die Konjunktur nicht ankurbeln

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Die Deutschen kaufen trotz Krise kräftig ein.

Trotz Schuldenkrise steigt die Konsumlaune. Doch als Konjunkturmotor taugt sie nicht.

Dass die Elektronikkette Media Markt in ihrer jüngsten Kampagne „das Ende des Preisirrsinns“ ausruft, könnte einen einfachen Grund haben: Es achtet ohnehin keiner mehr aufs Preisschild. Die deutschen Konsumenten scheinen plötzlich um des Kaufen, nicht des Sparen willens shoppen zu gehen. Es klingt paradox, doch während sich die Konjunkturaussichten eintrüben und das Vertrauen in Politiker und Finanzinstitutionen sinkt, ist der vom Marktforschungsunternehmen GfK ermittelte Konsumklimaindex zuletzt gestiegen, das Niveau vor der Finanzkrise hat er längst wieder erreicht.

Doch nicht umsonst wird der Index alternativ als „Konsumlaune“ bezeichnet, denn als verlässlicher Konjunkturindikator taugt er nicht. 2000 zufällig ausgewählte Verbraucher befragt die GfK, die sich zu drei Themen äußern sollen: der Konjunkturentwicklung, ihrer persönlichen Einkommenserwartung und ihren persönlichen Plänen, in nächster Zeit größere Anschaffungen zu tätigen.

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Geld ausgeben

Was aus den Antworten spricht, ist eine zutiefst menschliche und vor allem höchstpersönliche ‧Regung: Angst oder Hoffnung. Und der erste Anblick darf nicht täuschen, im Moment überwiegt die Angst. Es ist die Angst ums eigene Ersparte. Denn die Konjunkturerwartung der Konsumenten befindet sich seit dem Frühjahr im freien Fall. Hinzu kommt ein abnehmendes Vertrauen in die europäische Währung und in die Sicherheit der Banken. Die Ereignisse von 2008 waren von den meisten deutschen Sparern zwar weit entfernt, doch sie haben zum ersten Mal seit Jahrzehnten klargemacht, wie real ein plötzlicher und vollständiger Vermögensverlust auch hierzulande ist, wenn es anderswo kracht. Und so ‧stehen viele vor einem Dilemma: Nach dem kräftigen Aufschwung der vergangenen zwei Jahre schwillt das Lohnkonto kräftig an, doch attraktive Anlage‧optionen sieht kaum noch einer. So tun auf einmal viele, was ‧jahrelang als die undeutscheste aller Regungen galt: Geld aus‧geben.

Keine europäische Nation kauft mehr ein

 Wurde es im jüngsten Aufschwung dem Konsument genannten Sparer noch zum Vorwurf gemacht, zu wenig seines Geldes dem Wirtschaftskreislauf zuzuführen, stehen die Deutschen heute Anschaffungen so offen gegenüber wie keine andere Nation auf dem Kontinent.

Schon frohlocken die GfK-Forscher, der Konsum könne zum stabilisierenden Faktor in der Krise werden. Doch der Schein trügt: Im Wort Laune steckt luna, der Mond, dem mancher unterstellt, das Befinden des Menschen sehr plötzlich in die eine oder andere Richtung beeinflussen zu können. Verlassen kann man sich darauf nicht. Denn ausschlaggebend für die Entwicklung des realen Konsums ist letztlich der dritte Indikatorteil, die Erwartung in Bezug auf das eigene Einkommen. Wenn die abnimmt, vergeht die Lust am Konsum so plötzlich, wie sie vorher spross. Das wird der Fall sein, sobald die Arbeitslosenzahl nicht mehr fällt, sondern steigt. Sollte es für die Wirtschaft also richtig eng werden, wird sich der Konsum auch nicht retten.

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