Biogas-Boom: Ökoenergie wird zur Plage

Biogas-Boom: Ökoenergie wird zur Plage

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A boar roots in an enclosure with some of her 10 three week old piglets at Whipsnade Zoo near Dunstable, southern England June 7, 2011. REUTERS/Chris Helgren (BRITAIN - Tags: ANIMALS ENVIRONMENT)

von Christian Ramthun

Der Boom von Biogasanlagen lässt den Maisanbau sprießen – ein gefundenes Fressen für Wildsauen und Ratten. Wie die Ökoenergie zur Plage wird.

Adebar hungert. Früher folgten bis zu 15 Störche den Mähdreschern und Häckslern. Seit vier, fünf Jahren sind nur noch ein bis zwei auf den Erntefeldern. "Der Boden ist tot", sagt -Biologe Hans-Dieter Pfannenstiel, der im Nuthe-Urstromtal südwestlich von Berlin ein Jagdrevier gepachtet hat. "Keine Käfer, keine Bodenbrüter leben hier mehr."

Und warum? Pfannenstiel weist zum Horizont. Mais, so weit das Auge reicht. Und dazwischen Biogasanlagen, die mit der einjährigen, aus Südamerika stammenden Pflanze beschickt werden. Eine grüne Wüstenei, politisch gewollt.

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Denn das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fördert auch Biogasanlagen und belohnt den Einsatz von Mais fürstlich – was sich viele Landwirte nicht entgehen lassen. Oder Scharfrechner wie die Möbelfabrikantenfamilie Steinhoff aus Niedersachsen, die in Brandenburg 20 000 Hektar Land aufkaufte und Mais für ihre zahlreichen Biogasanlagen anbauen lässt.

Die größten Profiteure aber sind: Wildschweine. "Die moderne Kulturlandschaft", räumt das Bundeslandwirtschaftsministerium auf Anfrage ein, biete den Schwarzkitteln "ideale Nahrungs- und Rückzugsbedingungen". Gleichzeitig sei eine intensive und nachhaltige Bejagung auf diesen großen Flächen nur schwer zu realisieren.

Zur modernen Kulturlandschaft zählen neben riesigen Maisschlägen immer mehr Rapsfelder für die – ebenfalls subventionierte – Biodieselproduktion. Raps und Mais, dazwischen noch Weizen, bilden eine "goldene Fruchtfolge" für Sauen, sagt Andreas Leppmann vom Deutschen Jagdschutzverband. Zu allem Überfluss und -druss gibt es seit einigen Jahren Eicheln satt in fast jedem Winter – für Leppmann eine eindeutige Folge des Klimawandels.

Die opulente Speisetafel lässt die Sauenpopulationen explodieren. Trotz vervierfachter Abschusszahlen in den vergangenen 20 Jahren steigen die Wildschäden exorbitant an. Wo Wildschweine einen Acker umpflügen, kommen rasch Schäden von 1000 bis 2000 Euro pro Hektar zusammen. Zahlen muss der Jagdpächter. Manche Reviere (Mindestgröße 75 Hektar) lassen sich deshalb gar nicht mehr verpachten.

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