Biografie über den Bundespräsidenten: Wie Gauck beinahe Merkel stürzte

Biografie über den Bundespräsidenten: Wie Gauck beinahe Merkel stürzte

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Johann Legner: „Joachim Gauck. Träume vom Paradies – Biografie“, 2014, C. Bertelsmann Verlag, 384 Seiten, 19.99 Euro.

von Marc Etzold

Der Journalist Johann Legner hat Joachim Gauck jahrelang aus nächster Nähe beobachtet. Das macht seine Biografie über den Bundespräsidenten zwar authentisch - ist aber auch ein Nachteil.

Dieser Satz von Joachim Gauck klingt nach Verbitterung. „Ich dachte, es gibt in Deutschland mehr Patrioten.“ Das sagte der gescheiterte Präsidentschaftskandidat im Juli 2010 – kurz nach der Vereidigung von Christian Wulff zum neuen Staatsoberhaupt.

Aus Sicht Gaucks war Wulff der falsche Präsident. Hätte es in der Bundesversammlung eben „mehr Patrioten“ gegeben, wäre er, Gauck, 2010 ins höchste Staatsamt gewählt worden und nicht Wulff.

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So schildert es Journalist Johann Legner in seiner heute erschienenen Biografie „Joachim Gauck – Träume vom Paradies“. Aus Gaucks Worten, analysiert Legner, habe die Gewissheit gesprochen, dass „mit der Wahl Wulffs eine Chance versäumt wurde“.

In der Öffentlichkeit hatte Gauck damals vermieden, Wulff persönlich zu attackieren. Für wie wenig geeignet der heutige Bundespräsident seinen Amtsvorgänger offenbar hielt, ist eine der brisantesten Informationen aus Legners Biografie. Sie erzeugt nicht nur Nachrichtenwert, sondern ist auch ein gutes Beispiel für die Denkweise Gaucks.

Was wäre, wenn Gauck bereits 2010 Bundespräsident geworden wäre?

Ein kurzes Gedankenspiel: Was wäre geschehen, falls Gauck bereits 2010 Bundespräsident geworden wäre? Die Kanzlerin wäre folglich unfähig gewesen, bei ihren eigenen Leuten ihren Kandidaten Wulff durchzusetzen. Wie Legner treffend analysiert, hätte dies wohl zu einer schweren Regierungskrise geführt, womöglich sogar zum Rücktritt von Angela Merkel.

Dieses Szenario hätte Gauck eigentlich nicht gefallen dürfen. Legner beschreibt ihn als Unterstützer des politischen Establishments, als einen, der kein Interesse hat, der Kanzlerin zu schaden. Demnach wäre es also nicht sonderlich patriotisch gewesen, Gauck zu wählen.

Gauck wollte dieses Amt

Warum ist er also mit seiner Kandidatur das Risiko eingegangen, die Regierung zu stürzen? Gauck wollte dieses Amt – unbedingt, wie Legner beschreibt. Im Jahr 2000 schied der gebürtige Rostocker aus dem Amt des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen aus. Danach suchte er eine neue Aufgabe in der Politik, allerdings ohne (Partei-)Politiker zu werden. Das einzige Amt, das Gauck diese Möglichkeit bieten würde, war Schloss Bellevue.

Nochmal zur Verdeutlichung: Mindestens zehn Jahre vor seiner ersten Kandidatur wollte Gauck bereits Präsident werden. Es lässt sich nur erahnen, was in ihm vorgegangen sein muss, als diese Möglichkeit konkreter wurde. Gleichwohl, betont Legner, sei es Gauck nicht um Eitelkeit gegangen, als er sich „mehr Patrioten“ gewünscht hatte. Dieses Beispiel zeigt: Die Beobachtungen Legners sind nicht ohne Widersprüche.

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