Biosprit: Biokraftstoff ist klimapolitischer Unfug

Biosprit: Biokraftstoff ist klimapolitischer Unfug

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Höhe des Biospritanteils bis 2020

von Silke Wettach und Christian Ramthun

Mehr Bio-Benzin hilft dem Weltklima wenig, treibt aber die Nahrungsmittelpreise hoch – der Bundestagsbericht zum Öko-Kraftstoff ist vernichtend.

Viel Aufwand, wenig Wirkung: So lassen sich die Folgen des Biosprits beschreiben. Als Klimaretter eingeführt, zeigt sich immer deutlicher, dass der Kraftstoff nicht hält, was sich viele davon versprechen. Schon ärgern sich Millionen Autofahrer, dass sie jetzt E10-Benzin tanken sollen, das mit zehn Prozent Bioethanol angereichert ist. Das ruiniert nicht nur den Motor mancher Fahrzeuge. Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) kommt zudem zu einem vernichtenden Urteil: Die Verarbeitung von Energiepflanzen zu Biokraftstoff sei eine besonders ineffiziente Form der Verwertung. So wächst der Druck auf Bundesumweltminister Norbert Röttgen, die Biospritstrategie der Regierung zu überdenken.

Wegen der geringen Energieproduktivität pro Fläche bringe Biosprit „nur begrenzte Einsparungen bei den Klimaemissionen“, heißt es in dem gerade abgeschlossenen Bericht des TAB – das Büro ist Teil des Karlsruher Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse. Die Stickoxyd-Emission, die durch Stickstoffdünger entsteht, verringert den Klimaschutzbeitrag zusätzlich.

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Deutlich effizienter seien dagegen Strom und Wärme aus Biomasse, etwa auf Basis von Festbrennstoffen oder Biogas. Hier sieht das TAB „die besseren Einsparpotenziale bei den Treibhausgasemissionen“. Wenn der Bund auf eine möglichst hohe Energieproduktivität pro Fläche aus sei und Treibhausgase vermeiden wolle, müsse die Konsequenz laut TAB eine „stufenweise Zurücknahme der Biokraftstoffquote bis zu ihrer völligen Abschaffung sein“.

Dem Bericht zufolge beansprucht die Biospritproduktion außerdem zunehmend Ackerland, das für die Produktion von Nahrungsmitteln gebraucht wird. Der Kampf um die Scholle treibt die Bodenpreise hoch und verteuert die Lebensmittel. Zumindest hier will Röttgen offenbar einlenken. Das Bundesumweltministerium möchte „die Nachhaltigkeitskriterien so ausweiten, dass es künftig zu keiner Verdrängung von Nahrungspflanzen kommt“, sagt seine Staatssekretärin Ursula Heinen.

Das E10-Benzin sorgt auch bei Deutschlands Nachbarn für Irritation. Der belgische Automobilclub VAB empfiehlt, in der Bundesrepublik lieber auf Super-Benzin auszuweichen. Der niederländische ANBW rät nur zu E10, wenn Autofahrer explizit wissen, dass ihr Wagen den darin enthaltenen Alkohol verträgt. Das Ethanol in E10 kann Dichtungen, Benzinleitungen und Motor beschädigen. Deutsche Wagen seien größtenteils E10-tauglich. Autos ausländischer Hersteller oft nicht.

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