Biosprit: Grün geht anders

Bild vergrößern

Blick auf einen Zapfhahn mit dem neuen Bio-Kraftstoff E10

Wir haben die Tücken des Klimaschutzes unterschätzt. Bürger, Konzerne, Berlin – alle brauchen mehr Mumm.

Es war ein fast unschuldiger Akt des Klimaschutzes. Wir tanken weniger Öl und dafür mehr nachwachsende Pflanzen – was könnte am neuen E10-Sprit schon schlecht sein? Eine Menge, wie sich jetzt erweist, da der Saft an der Zapfsäule auf uns wartet. Nach einer Woche erhitzter Debatte steht so viel fest: Vielleicht macht E10 die Automotoren nicht kaputt, aber das Klima heilt es eben auch nicht. Nicht einmal ansatzweise. Eine von Hunger und hohen Agrarpreisen heimgesuchte Welt braucht aber sehr gute Gründe, um Essbares in den Tank umzuleiten. Und die gibt es nicht.

Das Ergebnis: Die Wirkung ist, wenn überhaupt, klein, die Aufregung groß, und der Umweltschutz muss um seine Glaubwürdigkeit ringen. Grün streitet gegen Grün, Klimaschutz gegen Hungerhilfe. Und am Ende sinkt die Lust bei allen Bürgern, den Planeten zu retten.

Anzeige

Das Muster müsste den Deutschen bekannt vorkommen. Bei den Solarzellen auf hiesigen Dächern hat es etwas länger gedauert, bis sich die Fragwürdigkeit des Booms herausstellte. Nicht bloß, weil sich Brände von Solardachhäusern schwer löschen lassen, da die Anlagen unter Spannung stehen und deshalb die Feuerwehr gefährden. Nicht nur, weil ein Teil der Anlagen einen Schadstoff enthält. Vor allem hat es das eher wolkenverhangene Deutschland mit der Förderung der Solardächer derart übertrieben, dass Strom aus der Sonne die erneuerbare Energie insgesamt verteuert und in Verruf bringt.

Wie geht Klimaschutz richtig?

Bei den Energiesparlampen kam der Rückschlag schneller. Statt diese Leuchten zu kaufen, horteten viele Verbraucher erst einmal die geliebten wattstarken Glühbirnen, bevor sie aus den Regalen verschwanden. Dann fühlten sie sich darin auch noch bestätigt, als sie hörten, dass die Wärme der alten Birnen im Winter wie eine kleine Heizung funktioniert. Darauf die nächste Erregung, als über die Gefahr des enthaltenen Quecksilbers diskutiert wurde. Dann die große Sinnfrage: Wenn es stimmt, wie Fachleute sagen, dass moderne und energiesparende Leuchtdioden ohnehin vor dem Siegeszug stehen, warum sollen wir also für ein kurze Frist zu diesen hässlichen und kalten Röhrenlampen wechseln?

Jeder Fall ist anders, doch alle haben zweierlei gemein. Fürs Klima sind die Maßnahmen nicht so hilfreich wie gedacht – und aus Sicht der Menschen werden sie auch noch schlecht umgesetzt.

Der Klimaschutz schlägt zurück, bestraft uns dafür, dass wir ihn für so einfach gehalten haben. Erst wartet die Gesellschaft zu lange, und dann erwartet sie Sicherheit, die von Klimatechnokraten und Umweltpolitikern auch prompt versprochen wird. Nach dem Motto: Mit jeder neuen Vorschrift retten wir die Welt. Man kann es die Dialektik des Klimaschutzes nennen oder nur seine Komplexität. Jedenfalls ist er deutlich schwieriger und in seinen Wirkungen diffuser, als die westlichen Gesellschaften es sich vorgemacht haben.

Es gilt im Großen: Biosprit galt einmal als die Lösung in Amerika – bis die Mexikaner zu wenig Mais zum Essen hatten. Und es gilt im Kleinen: Dosenpfand war das Mittel gegen die Wegwerfgesellschaft in der Bundesrepublik. Bloß kaufen die Bundesbürger zu einem geringeren Anteil die "guten" Mehrweg-Verpackungen als noch vor einigen Jahren. Wer weiter zurückdenkt, erinnert sich an die Heilsversprechen der Nuklearenergie. Und es wäre ein Wunder, wenn nicht auch das derzeit hochgelobte Elektroauto irgendwann eine Gegenwirkung hervorrufen würde.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%