Biotech-Finanzierung: „Ein Prozent für die Zukunft“

InterviewBiotech-Finanzierung: „Ein Prozent für die Zukunft“

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Brain-Chef Holger Zinke

von Susanne Kutter

Der deutsche Biotech-Unternehmer Holger Zinke fordert die Politik auf, mit einem steuerlichen Anreizprogramm Kapitalanlegern die Bio-Branche schmackhaft zu machen. Warum das nötig ist und wie es funktionieren soll, erläutert er der WirtschaftsWoche im Interview.

WirtschaftsWoche: Herr Zinke, ihre Branche klagt seit Jahren über schlechte Finanzierungsmöglichkeiten. Wo liegt das Problem?

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Holger Zinke: Der Global Competetiveness Report 2013/14 des World Economic Forum listet Deutschland an Platz vier. Das schafft wohlige Zufriedenheit, aber die Statistik beschreibt zwar einen positiven derzeitigen Status, zeigt aber auch eklatante Schwächen auf: Der Entwicklungsgrad des deutschen Kapitalmarkts wird abgeschlagen auf Platz 29 bei 148 untersuchten Nationen eingeordnet und der "Access to financing" neben Arbeitsmarkt und Steuersystem als das Effizienzproblem der deutschen Volkswirtschaft herausgearbeitet. Tatsächlich lebt die deutsche Volkswirtschaft von den Unternehmen und Erfindungen der Gründerzeit, nirgendwo gibt es mehr so viele jahrhundertalte und so erfolgreiche Unternehmen wie in der „Deutschland AG“. Wir leben gut vom Export hochwertiger Gebrauchsgütern wie Premiumautomobilen und gerade wegen der verbreiteten Zufriedenheit derzeit muss angesichts der Endlichkeit dieser Phase gefragt werden: was kommt danach?

Zurück zum Kapitalmarkt, wo hakt es konkret?

In diesem Kapitalmarkt- und Gründungsumfeld kann es nicht gut um die Entwicklung der Biotech-Industrie in Deutschland und Europa stehen. Während US-Biotechunternehmen immer neue Rekorde bei Zulassungen, Börsengängen, Finanzierungsvolumina und Marktkapitalisierungen an der NASDAQ erzielen, tritt die deutsche Biotechindustrie finanziell seit über einem Jahrzehnt auf der Stelle. Von weltweit 68 Biotech-IPOs mit 7,5 Milliarden US-Dollar Erlös in 2013 fanden 52 in den USA statt, sie erzielten alleine 7 von den 7,5 Milliarden Gesamterlösen. Die deutschen Biotechfirmen konnten insgesamt aber lediglich 325 Millionen Euro an Gesamtfinanzierungen erzielen.

Biotechnik Was die neuen Gen-Technologien bringen

Geklonte menschliche Zellen, Designerbabys und Gentests mit weitreichenden Folgen: welche neuen Therapien die Forscher für Patienten heute schon parat haben – und worum sich die aufgeregten Debatten drehen.

Beim Klonen wird mit Hilfe einer Pipette der Kern einer Eizelle entfernt und durch den einer fremden Hautzelle ersetzt. Aus der Eizelle kann sich ein Embryo entwickeln, dessen Erbgut identisch mit dem des Spenders der Hautzelle ist. Forscher um Shoukhrat Mitalipov, von der Oregon Health & Science University behaupten, dass ihnen dies erstmals mit einer menschlichen Eizelle gelungen ist. Quelle: dpa

Und woran liegt das?

Sicher nicht an Förderprogrammen, die gutgemeint die akademische Forschung etwa auf dem Gebiet der Gesundheitsforschung unterstützen oder diverse Programme um einzelne Projekte oder Ausgründungen im Biotech-Sektor mit Zuschüssen zu unterstützen. Diese Maßnahmen sind durchaus mit signifikanten Mitteln für Forschung ausgestattet, doch sie laufen nach der Forschungsförderperiode häufig ins Leere, weil ein Kapitalmarkt für private Anschlussfinanzierung fehlt. Innovationen müssen und werden aber von Unternehmen, nicht von akademischen Zentren an den Markt gebracht. Es gibt indes nur noch wenige Biotech-Neugründungen und, was noch viel schlimmer ist, diese Gründer, die den Start in die Selbstständigkeit gewagt haben, finden keine Anschlussfinanzierungen, so dass sie entweder auf eine frühes Verpartnern ihrer Technologien und Patente unter Wert angewiesen sind, auf ein Service-Geschäftsmodell zurückfallen, das wenig Wachstumspotenzial bietet, oder gar trotz hervorragender Entwicklungen schlicht in die Insolvenz laufen.

Warum gibt es in Deutschland keinen technologieorientierten Kapitalmarkt?

Aus meiner Sicht gibt es eine wesentliche Antwort darauf: Es fehlt hierzulande an einem intakten Ökosystem der Finanzierung. Die biopharmazeutische Produktentwicklung oder auch der Aufbau von Technologieplattformen etwa für die weiße Biotechnologie erfordern hohe Investitionen über lange Jahre. Hohe zwei- bis niedrigen dreistelligen Millionenbeträgen sind realistische Beträge, die investiert werden müssen und das über Investitionszeiträume von zehn Jahren oder mehr, bis ein nachhaltiger Return erwartet werden kann. So entstehen neue Industrien. Man scheut aber in Deutschland dieses Risiko aus langer Kapitalbindung in Kombination mit dem unleugbaren und auch schwer einschätzbarem Markt- und Technologierisiko.

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