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Blog Berlin Intern: Kabul und der Preis der Globalisierung

von Michael Inacker

Mit dem Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan will die Koalition nicht belästigt werden. Deutsche Soldaten sollen nur ein bisschen kämpfen, für den Krieg sind andere zuständig.

Die militärische Kehrseite der Globalisierung trägt einen Namen: Afghanistan. Dieses Land versinnbildlicht, dass Deutschland nicht nur als Volk der Händler und Krämer von der internationalen Verflechtung profitiert, sondern dass wir für unseren Wohlstand auch einen Preis zu zahlen haben, einen blutigen Preis. Wir können nicht freie Handelswege, Zugang zu Ressourcen oder eine gewisse Stabilität in Anspruch nehmen, ohne selbst etwas dafür zu tun. Denn fällt Afghanistan wieder komplett in die Hände der Taliban und räumt die einst so mächtige Nato das Feld, dann zeigt der Westen seine ganze Hilflosigkeit. Die Folgen werden im ganzen Mittleren Osten sowie im Kampf gegen Terroristen und Diktatoren dieser Welt zu spüren sein.

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Es war der sozialdemokratische Verteidigungsminister Peter Struck, der 2002 den Deutschen die unbequeme Wahrheit ihrer globalen Verantwortung verkündete: „Deutschlands Sicherheit wird auch am Hindukusch verteidigt.“ Heute wollen nicht nur viele Sozialdemokraten davon nichts mehr wissen, sondern auch in der Union, der einstigen transatlantischen Partei, möchte man ungern darüber reden. Afghanistan ist nicht mehr unser, sondern Amerikas Krieg. Man klammert sich an den Bundeswehr-Auftrag im Norden Afghanistans, der zwar auch gefährlich ist und Opfer kostete, aber nicht mit dem zu vergleichen ist, was Kanadier, Briten und Amerikaner im südlichen Afghanistan erleben müssen.

Dabei lügt man sich selbst an: Fällt der Süden, dann wird auch die deutsche Wiederaufbau-Mission im Norden nicht mehr zu halten sein. Und wenn die Deutschen mit ihrem so hochgelobten Ansatz größeren Erfolg als Briten und Amerikaner haben, dann spricht doch nichts dagegen, den anderen zu zeigen, dass man damit auch im Süden weiterkommt.

Stattdessen wiegt man die Bürger mit unehrlichen Formulierungen in Sicherheit, vermeidet Worte wie „Krieg“ und „Kampfeinsatz“ und will so glauben machen, die Bundeswehr sei „ein Technisches Hilfswerk mit Gewehr auf dem Rücken“, wie es der ehemalige Generalinspekteur Klaus Naumann kritisch formulierte. Nur ein Häuflein Aufrechter, darunter auch der SPD-Außenpolitiker Hans-Ulrich Klose, weisen darauf hin, dass Deutschland in Afghanistan keine Sonderrolle mehr in Anspruch nehmen könne. Wer soll eigentlich die deutschen Soldaten aus prekären Situationen herausholen, wenn Deutschland selbst bei unseren Verbündeten dazu nicht bereit ist?

Mit der Außenpolitik verhält es sich wie mit der Wirtschaftspolitik: Politische Führung zeigt sich nicht im Verschweigen, sondern im Äußern von unbequemen Wahrheiten.

7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 13.02.2008, 19:28 UhrAnonymer Benutzer: moi

    das 2.Kommentar ( Fred ) ist absolut schwachsinnig, so kann man niemals argumentieren, das klingt nach kriegswütigem, frustrietem Vater !!
    ich stimme dem ersten Kommentar zu !!

  • 12.02.2008, 00:16 UhrAnonymer Benutzer: K.Marschner

    Wie fast alle Artikel zu diesem Thema geht auch dieser an der Sache vorbei.
    Die Frage, die vor einer Entscheidung dazu gestellt werden muss, ist, warum der Süden unruhig und der Norden relativ ruhig ist. Die Taliban operieren schliesslich in ganz Afghanistan und im Norden haben sie eigentlich die bessere Verbindung zu ihren basislagern in den Gebirgsregionen im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Die betrachtung der Wiederaufbauhilfe greift dabei zu kurz, da das Prinzip der Provincial Reconstruction Teams (PRT) in ganz Afghanistan zum Einsatz kommt.
    Der Schlüssel zur Antwort ist die betrachtung der unterschiedlichen Vorgehensweise der einzelnen Alliierten. im Süden wurde und wird versucht, eine rein militärische Lösung zu erzwingen, wobei auf zivile Opfer wenig Rücksicht genommen wird. Hinzu kommt, dass sich die Truppen dort durch Denunziation in die Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Clans haben hineinziehen lassen.
    im Norden lief und läuft es bei sehr besonnener Einsatzführung umgekehrt, was zu Vertrauen und höherer Stabilität geführt hat. Hierzu braucht es einen längeren Atem, der sich aber bereits jetzt auszahlt.
    bevor man also den militärischen Falken wie einem General aD Naumann kritiklos folgt, bitte genauer hinschauen. Quintessenz: Einsatz im Süden dann, wenn man sich vorher über eine gemeinsame Strategie und Vorgehensweise verständigt hat. Diese sollte möglichst viele Elemente enthalten, die bislang zu den erfolgreicheren Ergebnissen beigetragen haben.

  • 11.02.2008, 23:47 UhrAnonymer Benutzer: Fred

    ich finde es doch immer intresant wer sich zu diesem Thema eusert
    da platzt mir der hintern leute meint ihr nicht das wir die hier zuhause sitzen unsern kindern die in Afghanistan ihren Dienst tun es verdient haben das wir ihnen den Rücken stärken ? und wer hat uns damals geholfen als berlin aus der Luft versorgt wurde ? das wahren doch unsere heutigen bündnis partner als sollten wir ihnen jetzt auch helfen.

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