Blog: Berlin intern: Merkels Scheinehe mit Steinbrück

kolumneBlog: Berlin intern: Merkels Scheinehe mit Steinbrück

Kolumne

Viel Kritik muss sich Merkel wegen des liebevollen Umgangs mit Finanzminister Steinbrück anhören. Dabei hat diese Scheinehe nur ein Ziel: Kanzlerkandidat Steinmeier zu ärgern.

Wer die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel verstehen will, muss ein guter Schachspieler sein. Für den oberflächlichen Betrachter scheint nicht jeder Zug im Hier und Jetzt sinnhaft zu sein. Doch jenseits der Tagesaktualität gibt es die Merkel-Logik – und nur mit ihr kann man die Beziehung zwischen Kanzlerin und Finanzminister Peer Steinbrück begreifen. Seit der Eskalation der Finanzkrise im September/Oktober treten die beiden als Duo, als fleischgewordenes Symbol der großen Koalition auf.

Und obwohl Merkel den sich als Weltenretter gebenden Finanzminister eigentlich gar nicht so mag, hegt und pflegt sie ihn als strategischen Partner. Selbst zu Hintergrundgesprächen der Kanzlerin mit Chefredakteuren wird Steinbrück geladen. Die politische Amour fou wirkt so überzeugend, dass inzwischen eigene Parteifreunde, angeführt von CSU-Wirtschaftsminister Michael Glos, über diesen Schmusekurs verbittert sind.

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Noch am Montag hatte Merkels parteiinterner Rivale, Friedrich Merz, auf dem CDU-Parteitag zu Recht davor gewarnt, dass der Union das finanzpolitische Profil abhanden kommt. Warum führt also Merkel ihre Scheinehe mit Steinbrück? Sicherlich stimmt es, dass ihr Inhalte und Prinzipien nicht so wichtig sind. Ihr geht es allein um die Macht. In diesem Fall verfolgt sie ein entscheidendes Ziel: Mit Hilfe von Steinbrück will sie ihren eigentlichen Konkurrenten, Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, kleinkriegen.

Das gelingt perfekt: Jede Sekunde, die Merkel mit Steinbrück als Krisenmanager in der Öffentlichkeit verbringt, geht für Steinmeiers mediale Eigenvermarktung verloren. Im Lager des Außenministers nimmt man inzwischen mit Verwunderung wahr, dass Steinbrück Merkels Spiel nicht durchschaut. Der Minister merkt gar nicht, wie sich die uneitle Kanzlerin seine Eitelkeit zu Nutze macht, jetzt wo er erstmals auch von Teilen seiner eigenen Partei geliebt wird.

Steinmeier wiederum könnte nur mit politischem Flurschaden Steinbrück aus der Poleposition des Finanzkrisen-Managers vertreiben. Eine Sitzung der westlichen Außenminister zum vorgezogenen Nato-Beitritt der Ukraine ist eben bei Weitem nicht so interessant wie das adrenalingeladene Jonglieren von 500 Milliarden Euro zur Bankenrettung. Deshalb überlässt Merkel Steinbrück auch weiterhin den öffentlichkeitswirksamen Vortritt – damit Steinmeier das Nachsehen hat.

Und noch etwas wissen wir: Merkel wird nicht zögern – beispielsweise im Falle einer Terrorkrise – den Finanzminister als Partner fallen zu lassen. So weit geht ihre Liebe nicht.

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