BND-Affäre: James Bond mit Bausparvertrag

KommentarBND-Affäre: James Bond mit Bausparvertrag

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Parkplatz an der Zentrale des Bundesnachrichtendienstes. Der Spion war kein 007, sondern ein Sachbearbeiter.

von Max Haerder

Vergessen Sie Hollywood-Filme, Spionage geht anders: Ein Sachbearbeiter der Abteilung Ärmelschoner im Bundesnachrichtendienstes verhökert geheime Dokumente an die Amerikaner. Und Berlin? Macht sich lächerlich.

Vielleicht heißt der Mann Meier, Thomas Meier. Oder Schulze, Andreas Schulze. Vielleicht trinkt er seinen Fencheltee geschüttelt, nicht gerührt und womöglich hat er in seinen Mittelklassekombi japanischer Fabrikation auch schon mal ganz wild einen Katzer gefahren. Ziemlich sicher hat er keinen Waffenschein, aber einen Bausparvertrag, ist 31 Jahre alt und findet, dass man für 25.000 Euro Cash schon mal eine entspannte Karriere an der Peripherie des öffentlichen Diensts riskieren kann. No risk, no fun.

Aber eines muss man dem Mann ohne Namen, Sachbearbeiter beim Bundesnachrichtendienst Pullach, lassen: Nicht jeder schafft es, Joachim Gauck Sätze wie diesen zu entlocken: „Dann ist nun wirklich zu sagen: Jetzt reicht’s auch einmal.“ Was gäbe man jetzt für eine kleine Geheimkamera im Oval Office, um Barack Obama dabei zuzusehen, wie er sich vor Lachen kringelt.

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Was ist über die NSA-Spionage in Deutschland bekannt?

  • Wie konnte die NSA Merkels Handy abhören?

    Der GSM-Standard, mit dem Telefongespräche auf Handys verschlüsselt werden, gilt schon lange als geknackt. Die Gespräche können von Lauschern also entschlüsselt werden. Dazu müssen die Angreifer die Telefonate allerdings mitschneiden. Es besteht der Verdacht, dass sich auf dem Dach der US-Botschaft im Berliner Regierungsviertel technische Vorrichtungen befinden, die dazu genutzt werden können.

  • Hört die NSA Merkels Handy weiter ab?

    Nachdem der „Spiegel“ das Abhören des Merkel-Handys aufgedeckt hatte, reagierte US-Präsident Barack Obama. „Die Vereinigten Staaten überwachen die Kommunikation der Kanzlerin nicht und werden sie nicht überwachen“, erklärte Sprecher Jay Carney Ende Oktober. Was die heute als gesichert geltenden Abhörmaßnahmen in der Vergangenheit nicht ausschloss. Das Weiße Haus gab zudem keine Zusicherung, dass Merkels Umfeld nicht abgehört wird.

  • Kann Merkel sich gegen die Telefon-Überwachung schützen?

    Die Kanzlerin kann ein besonders geschütztes Kryptohandy nutzen. Damit wurde die Bundesregierung im vergangenen Herbst ausgestattet. Diese Geräte verwenden zusätzliche Verschlüsselungstechnik. Allerdings funktioniert die sichere Kommunikation nur, wenn die Gesprächspartner ebenfalls über ein solches Sicherheitshandy verfügen. Die Hersteller berichten, dass seit Bekanntwerden des Spähskandals die Nachfrage nach ihren teuren Geräten gestiegen sei.

  • Warum wurde Merkel abgehört?

    Die USA und Deutschland arbeiten eng zusammen, etwa in der Nato. Doch nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA wurde Deutschland zum wichtigsten Aufklärungsziel in Europa, wie der ehemalige NSA-Mitarbeiter Thomas Drake dem „Spiegel“ sagte. Einige der Todespiloten lebten unentdeckt von deutschen Sicherheitsbehörden in Hamburg. Die USA sollen sich außerdem für die wirtschaftliche Lage und die außenpolitischen Ziele Deutschlands interessieren.

  • Seit wann wurde Merkel belauscht?

    Nach Berichten des früheren Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden soll der Geheimdienst NSA seit 2002 das Privat-Handy Merkels abgehört haben. Damals war sie CDU-Vorsitzende. Die NSA soll mehr als 300 Berichte über Merkel gespeichert haben.

  • Interessierte sich der US-Geheimdienst nur für Merkel?

    Offenbar nicht. Nach Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ und des NDR wurde auch schon SPD-Kanzler Gerhard Schröder abgehört. Grund sei sein Konfrontationskurs zu den USA im Irak-Krieg 2003 gewesen.

  • Wie sieht es mit der deutschen Bevölkerung aus?

    Dass die Kanzlerin belauscht wurde, brachte den NSA-Skandal in Deutschland erst richtig ins Rollen. Doch auch die Kommunikation ganz normaler Internetnutzer kann vom US-Geheimdienst und seinem britischen Partnerdienst GCHQ ausgespäht werden. Die Dienste zapfen zum Beispiel die Unterseekabel an, über die Daten verschickt werden.

Hier die Fakten, so schön, dass man sie sich nicht auszudenken braucht: Ein Verwaltungsmitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes hat über zwei Jahre hinweg vertrauliche Dokumente an die Amerikaner weitergereicht, selbst aus dem NSA-Untersuchungsausschuss. An die technologisch hochgezüchtete Überwachung jedes Tippfehlers im Netz hatten wir uns ja schon gewöhnt. Dass unsere Freunde aber auch noch die ganz alte Schule der Spionage beherrschen und einfach unten in den staubigen Registraturkellern einen unauffälligen, aber offenbar geltungsbedürftigen Herrn für ihre Dienste umdrehen –  Respekt! Der Bond von heute trägt Ärmelschoner und einen USB-Stick von Saturn.

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Man weiß eigentlich nur nicht, was man in der Hauptstadt gerade lächerlicher finden soll: Die rituelle Empörung oder die zur Schau gestellte Naivität. Halb Berlin hat offenbar geglaubt, dass die Amerikaner nach dem ganzen Snowden-Theater wirklich aufgehört haben, uns auszuforschen. Brutalstmögliche Aufklärung! So was macht man unter Freunden nicht! Schlussikowski, echt! So rufen sie jetzt, all die DeMaiziereOppermannMerkels. Obama kringelt sich mittlerweile auf seinem knöcheltiefen Teppich und verschluckt sich an den kuschelweichen Flusen.

Bleibt nur ein Trost: Der Mann, der die US-Spione mit ofenfrischer Ware aus Germany versorgte, kann nicht der Allerhellste gewesen sein. Oder um es für unsere transatlantischen buddys zu übersetzen: „Not the sharpest knife in the dishwasher“. Denn: Mit dem Amis Geschäfte machen und sich dann in Euro bezahlen lassen. In Euro?! Dieser Weichwährung? Da hört der Spaß auf.

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