Bochumer Werksschließung: Politiker attackieren "unanständigen" Nokia-Konzern

Bochumer Werksschließung: Politiker attackieren "unanständigen" Nokia-Konzern

Bild vergrößern

Nokia-Werk in Bochum: Politiker kämpfen gegen die geplante Werksschließung

Das riecht schwer nach Aktionismus: Politiker attackieren den finnischen Nokia-Konzern wegen der Ankündigung, die Handy-Fertigung in Bochum bis Ende des Jahres zu schließen. "Unanständig" sei das, meint SPD-Fraktionschef Struck. Und NRWs Ministerpräsident Rüttgers will gegen die Werksschließung kämpfen - und setzt dabei auch auf mündige Verbraucher.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) und andere Politiker wollen ihre Bemühungen um eine Rettung des Bochumer Nokia-Werks verstärken.  Der Düsseldorfer Regierungschef setzt aber auch auf eine Reaktion der Verbraucher, wie er gestern im „heute journal“ des ZDF sagte.

SPD-Fraktionschef Peter Struck nannte in der „Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung“ das Vorgehen des finnischen Konzerns „unanständig“. Mit der geplanten Werksschließung dürfe sich die Bundesregierung nicht abfinden, wird Struck zitiert. Der SPD-Politiker kündigte zwei Initiativen an. Zum einen will er prüfen lassen, ob der Staat die Subventionen von Nokia zurückverlangen darf. Zum anderen soll Finanzminister Peer Steinbrück in Brüssel auf einheitliche Maßstäbe dringen, „damit kein EU-Land das andere ausstechen kann“.

Anzeige

Damit reagierte Struck auf Berichte, Nokia wolle die Produktion nach Osteuropa verlagern, um „frische“ Subventionen einzustreichen. Rüttgers äußerte die Hoffnung, die Schließung in direkten Gesprächen mit der Geschäftsleitung des Nokia-Konzerns in Finnland noch verhindern zu können.

Rüttgers: Kein nachvollziehbarer Grund für Schließung

Die Landesregierung, die Bochumer Oberbürgermeisterin, Vertreter der Landtagsparteien sowie der Betriebsrat wollten dafür in den kommenden Tagen eng zusammenarbeiten. Ziel sei es, der Geschäftsleitung Veränderungen für das Werk in Bochum vorzuschlagen, um das Niveau der Herstellungskosten auf das in Ungarn übliche Maß zu senken. Dafür seien Veränderungen im Betrieb, bei der Produktion und bei der Arbeitsweise der Mitarbeiter notwendig.

„Bisher hat es keinen nachvollziehbaren Grund gegeben, warum diese Schließung erforderlich ist“, sagte Rüttgers. Die Löhne machten nach Angaben von Nokia gerade einmal fünf Prozent der Kosten eines Mobiltelefons aus. Die geplante Werksschließung habe auch politische Auswirkungen auf das Image des finnischen Konzerns. Schließlich wolle dieser auch in Deutschland weiter Handys verkaufen. Und die deutschen Verbraucher solle man nicht unterschätzen. Sie wüssten, wie man mit Menschen nicht umgehen solle. Man müsse sich „ein Stück wehren“.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Wend, kündigte in der „Frankfurter Rundschau“ bereits an, künftig nicht mehr mit Handys von Nokia zu telefonieren. Das finnische Unternehmen müsse zu spüren bekommen, „dass dies in diesem Land nicht akzeptiert wird“, und dass es „einen Zusammenhang gibt zwischen der Sozialen Marktwirtschaft und der Absetzbarkeit von Produkten“. Wend, der selber bisher mit Nokia mobil telefoniert, unterstrich, er wolle sich „definitiv“ einen anderen Handy-Ausrüster suchen.

EU will Subventionen prüfen

Die „Bild“-Zeitung berichtete unter Berufung auf Kreise der Brüsseler EU-Kommission, die Europäische Union wolle prüfen, ob Nokia Geld aus einem regionalen Förderfonds erhalten habe. Dabei gehe es um den Europäischen Fonds für nationale Entwicklung, über dessen Mittelverwendung die rumänische Regierung selbstständig entscheiden könne.

Der Steuerfachmann des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Alfred Boss, plädierte im selben Blatt für eine drastische Kürzung staatlicher Subventionen. der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle sagte, der Fall Nokia zeige, dass auch teure Subventionen nicht langfristig Arbeitsplätze garantieren könnten.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%