Börsch-Supan: Rente mit 63 gefährdet Liquidität der Rentenkassen

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Die Rente mit 63 sei angemessen nur für 7 Prozent der Arbeitnehmer, nämlich diejenigen, die 45 Jahre lang hart gearbeitet hätten, findet Wirtschaftswissenschaftler Axel Börsch-Supan

von Konrad Handschuch

Die von der großen Koalition geplante Herabsetzung des Renteneintrittsalters auf 63 Jahre für langjährig Versicherte gefährdet nach Ansicht des Wirtschaftswissenschaftlers Axel Börsch-Supan die zukünftige Liquidität der Rentenkassen.

„Eine abschlagsfreie Rente mit 63 hört sich schön an; sie bedeutet aber auch zuschlagsfrei, das heißt für die, die länger arbeiten wollen, gibt es keine höhere Rente mehr. Alle, die zur Rente mit 63 berechtigt sind, werden diese daher auch nehmen“ schreibt Börsch-Supan, Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und Leiter des Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik in München, in einem Beitrag für die WirtschaftsWoche.

Die Senkung des Eintrittsaltes „mag angehen für die circa sieben Prozent der Arbeitnehmer, die 45 Jahre harte Arbeit auf dem Buckel haben. Die nun geplante Anrechnung der Arbeitslosenzeiten erhöht den Anteil der Berechtigten jedoch um circa die Hälfte. Erziehungszeiten einschließlich der neuen Mütterrente erhöhen den Anteil weiter auf fast 20 Prozent, was im Endspurt der Koalitionsverhandlungen schlicht übersehen wurde“ kritisiert der Wirtschaftswissenschaftler.

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Auch die Finanzierung der Rentenregelung sei handwerklich schlecht gemacht, kritisiert der Wissenschaftler. Sie ginge auf Kosten zukünftiger Beitragszahler, die ohnehin durch den demografischen Wandel gebeutelt würden. Börsch-Supan: „Wenn Leistungen, denen keine Beiträge gegenüberstehen, wie etwa Erziehungszeiten, aus Beiträgen anderer finanziert werden anstatt aus Steuermitteln, verliert der Bundeszuschuss seine Berechtigung, und die Beiträge werden zu einer zweiten Einkommenssteuer. Diese juristischen und ökonomischen Designfehler muss die neue Regierung korrigieren.“

Die derzeitige Rentenpolitik kommt der Mittelschicht zugute, verhindert aber in Augen Börsch-Supans nicht die Altersarmut: „Die Zuschussrente kann die verbliebene Altersarmut nicht verhindern, weil armutsgefährdete Menschen mit ihren unterbrochenen Erwerbsbiografien die Anspruchsvoraussetzungen nicht erfüllen. Stattdessen sollte die neue Regierung junge Menschen besser ausbilden und integrieren und die steuerfinanzierte Grundsicherung auf ein höheres Niveau heben.“

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