Boom & Bust: Europa droht gravierender Rohstoffmangel

Boom & Bust: Europa droht gravierender Rohstoffmangel

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Eine Photovoltaik-Anlage auf einem Hallendach. Für solche Anlagen wird Galloium gebraucht. Doch der Spezialrohstoff ist knapp.

von Bert Losse

Der Protektionismus am Rohstoffmarkt nimmt zu – eine fatale Entwicklung vor allem für die deutsche Industrie.

Schon mal von Neodym gehört? Oder von Niob, Indium, Gallium und Germanium? Nein? Es handelt sich hierbei nicht um Figuren aus einem Fantasyroman, sondern um in der Industrie heiß begehrte Spezialrohstoffe. Germanium etwa wird in der Kabelproduktion gebraucht, Gallium für Sonnenkollektoren und Neodym für Magnete. Was die chemischen Verbindungen gemeinsam haben: Es gibt davon viel zu wenig.

Nach einer aktuellen Studie der EU-Kommission droht Europas Wirtschaft eine gravierende Unterversorgung mit Rohstoffen; bei 14 von 41 untersuchten Schätzen aus der Erde sei die Versorgungslage bereits kritisch. Denn der weltweite Kampf um Rohstoffe wird immer härter. Die globale Nachfrage nach bestimmten Metallen könnte sich bis 2030 verdreifachen, schätzen Experten. Europas Industrie könnte in diesem Kampf am Ende das Nachsehen haben.

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Ausfuhr von Rohstoffen beschränkt

Das Problem: Der Weltmarkt für Spezialrohstoffe ist mit Ausfuhrzöllen, Mengenbeschränkungen, Lizenzhürden und diversen anderen Handelshemmnissen verseucht, der Protektionismus nimmt immer weiter zu. Der Großteil der Produktion entfällt zudem auf nur vier Staaten: Russland, Brasilien, Kongo und China. Vor allem die Chinesen nutzen ihre Position ungeniert aus.

Laut EU beschränkt China, immerhin Mitglied der Welthandelsorganisation WTO, mittlerweile die Ausfuhr von über 370 Rohstoffen. Den Export seltener Metalle für die Umweltindustrie will Peking sogar komplett verbieten, für Kobalterze und Aluminium gilt ein Ausfuhrzoll von 15 Prozent. Auf diese Weise schafft China künstliche Preisvorteile für heimische Produzenten und steigende Preise in Staaten ohne eigene Vorkommen – wie Deutschland. Langfristig droht der deutschen Industrie bei Spezialrohstoffen eine ökonomisch-politische Abhängigkeit von China, wie sie heute im Gasbereich bei Russland besteht. Dies betrifft insbesondere -Zukunftsmärkte wie Elektromobilität und regenerative Energien.

Bislang hat die Politik das Problem nur zaghaft angepackt. Daher ist es gut, dass Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) jetzt aktiv wird und Unternehmensvertreter an diesem Montag zu einem „Rohstoffdialog“ nach Berlin ruft. Die Rohstoffversorgung ist für ein ressourcenarmes Land wie Deutschland eine ökonomisch existenzielle Frage. Anstatt endlose Debatten über Agrarsubventionen zu führen, sollte die WTO endlich darangehen, die Rohstoffmärkte zu liberalisieren. Darauf sollte die Bundesregierung drängen und eine strategische Rohstoffpolitik auch auf ihre eigene politische Agenda setzen. Sonst könnte sich die Rohstofflücke bald zu einer gefährlichen Wachstumsbremse entwickeln.

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