Boom & Bust: Hände weg von den Arbeitsgesetzen

kolumneBoom & Bust: Hände weg von den Arbeitsgesetzen

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Tag der Zeitarbeit in der Agentur für Arbeit in Erfurt

Kolumne von Bert Losse

Jeder zweite neue Job ist derzeit nur befristet. Können schärfere Arbeitsgesetze daran etwas ändern?

Seit Monaten prasseln immer neue Erfolgsmeldungen vom Arbeitsmarkt auf uns hernieder. Die Arbeitslosenzahl ist im Oktober unter die Drei-Millionen-Grenze gerutscht, die Zahl der Erwerbstätigen hat mit 40,7 Millionen einen neuen Höchststand erreicht, bei den offenen Stellen gibt es ein Plus von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Manchmal lohnt es sich allerdings, auch das Kleingedruckte einer Statistik zu lesen: Fast jede zweite neue Stelle in Deutschland ist derzeit befristet, vermeldete jetzt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. 2001 waren es nur 32 Prozent.

Angesichts des kräftigen Aufschwungs und des anhaltenden Wehklagens der Wirtschaft über fehlende Fachkräfte ist diese Entwicklung erstaunlich. Und sie ist Wasser auf die Mühlen jener Politiker, denen Jobs auf Zeit schon immer suspekt waren und die diese gerne einschränken möchten. SPD, Grüne und Linkspartei fordern etwa, im Teilzeit-und Befristungsgesetz die „sachgrundlose Befristung“ zu verbieten. Derzeit dürfen solche Arbeitsverträge bei Neueinstellungen bis zu drei Mal verlängert werden und über maximal zwei Jahre laufen.

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Die bestehenden Regeln zu verschärfen wäre jedoch kontraproduktiv und ginge am Ende zulasten vieler Arbeitnehmer. Sicher: Viele Chefs nutzen befristete Stellen nicht nur, um Arbeitnehmer in Elternzeit oder Mutterschutz temporär zu ersetzen, sondern auch gern als verlängerte Probezeit. Das mag man verwerflich finden. Aber Fakt ist auch, dass immerhin die Hälfte aller befristeten Jobs anschließend in eine Vollzeitstelle umgewandelt werden. Wer hier jetzt die Regulierungsschrauben anzieht, bewirkt vor allem eines – dass Unternehmen, die dem aktuellen Aufschwung nicht trauen oder zeitlich begrenzte Großaufträge abarbeiten, befristete Stellen streichen und stattdessen die Überstunden oder Arbeitszeitkonten der Stammbelegschaft hochfahren. Per saldo sinkt -dadurch die Zahl der Beschäftigten.

Um ihre personalpolitische Flexibilität zu wahren, dürften viele Unternehmen zudem befristete Beschäftigte durch Zeitarbeiter ersetzen. Das aber wäre arbeitsmarktpolitisch ein zweifelhafter Tausch: Laut IAB werden nur knapp zehn Prozent der Zeitarbeiter später von ihren Entleihbetrieben fest übernommen.

Demografie hilft

Möglicherweise erledigt sich das Problem auch ganz von selbst. Im Zuge des demografischen Wandels wird die Vollzeitstelle künftig zu einem zentralen Entscheidungs- und Wettbewerbsparameter am Arbeitsmarkt, mindestens ebenso wichtig wie die Lohnhöhe. Wer um knappe Fachkräfte kämpft, kann es sich bald gar nicht mehr leisten, qualifizierte Bewerber mit einer Zwölf-Monats-Schwangerschafts-vertretung abzuspeisen.

PS: Der größte Job-Befrister der Republik ist der öffentliche Dienst. Vielleicht sollten die Parteien mit ihrem Pro-Vollzeit-Engagement hier anfangen.

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