Boykott: Milchbauern erwarten Lieferengpässe

Boykott: Milchbauern erwarten Lieferengpässe

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Milch-Packung in einem Supermarkt

Die Milchbauern erwarten für die Verbraucher zunehmend Auswirkungen ihres Lieferboykotts: Spätestens ab morgen würden sich flächendeckend die Regale leeren, erklärte der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter, Romuald Schaber.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, erklärte, die Bauern könnten den Boykott „sicherlich nicht ewig durchhalten“. Es komme aber vor allem darauf an, auf die Situation der Milchbauern aufmerksam zu machen. „Der Boykott zeigt natürlich Wirkung“, sagte Schaber heute im Bayerischen Rundfunk.

Erste Molkereien hätten die Produktion bereits gestoppt. Er verwies darauf, dass der Protest zu einer europaweiten Bewegung angewachsen sei. Daher sei die Erklärung der Molkereien, Lieferausfälle in Deutschland durch Zukäufe im Ausland ausgleichen zu können, eine oberflächliche Argumentation.

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Bauernverbands-Präsident Sonnleitner forderte eine Überprüfung des Wettbewerbs- und Kartellrechts. „Eine Möglichkeit wäre, in stärkerem Ausmaß als bisher Zusammenschlüsse von Molkereien zu gestatten“, sagte Sonnleitner der „Passauer Neuen Presse“. Die großen Einzelhandelskonzerne drückten die Landwirte mit ihrer Preispolitik an die Wand: „Das muss ein Ende haben. Wir brauchen gleiche Augenhöhe zwischen Molkereien, Milchbauern und Discountern“, forderte er.

Betriebe in Existenz gefährdet

Zum aktuellen Lieferboykott sagte Sonnleitner, angesichts der finanziellen Not, die mit dem Milchlieferstopp zum Ausdruck gebracht werde, könnten die Bauern den Boykott „sicherlich nicht ewig durchhalten“. Es komme aber vor allem auf das Signal an: „Die Wut und die Existenzangst der Milchbauern ist groß. Das rückt jetzt mehr und mehr ins Bewusstsein der Verbraucher.“

Die Auszahlungspreise für Milch bezeichnete Sonnleitner als katastrophal: Diese lägen im Schnitt 30 Prozent unter dem Niveau des letzten halben Jahres. Viele Betriebe seien in ihrer Existenz massiv gefährdet. „Die Kosten für die Herstellung von einem Liter Milch sind gegenüber 2007 um bis zu acht Cent gestiegen, als Folge höherer Ausgaben für Energie, Personal und Betriebsmittel.“ Dies stelle viele Milchbauern vor unlösbare Probleme.

Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) will sich deswegen für eine bessere Bezahlung der Milchbauern einsetzen. „Mein Appell ist, dass wieder 40 Cent je Liter gezahlt werden, wie wir es schon einmal hatten“, sagte er der „Rheinischen Post“.

Seehofer erklärte auch, dass ein Weg aus der Krise mit politischen Maßnahmen flankiert werden müsse. „Ich möchte jetzt aber nicht in Aktionismus verfallen“, erklärte er. Es müsse nachhaltige Veränderungen geben. Insbesondere wandte sich Seehofer gegen die von der Europäischen Kommission erhöhte Milchquote. Er habe dagegen gestimmt und setze sich auch jetzt dafür ein, dass die Quote wieder gesenkt werde.

CSU-Chef Erwin Huber sagte dem „Münchner Merkur“: „Die Bauern müssen sich wehren können. Das ist richtig und hat unsere volle politische Unterstützung.“ Auch Ministerpräsident Günther Beckstein stellte sich auf die Seite der Bauern. Dass sie wertvolles Lebensmittel wegschütteten, zeige, „in welch existenzieller Notlage sich diese Landwirte sehen“.

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