Branchen: Wechselbad der Gefühle

ThemaWahlen 2017

Branchen: Wechselbad der Gefühle

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Ökostrom lässt EEG-Umlage auf sieben Cent pro Kilowattstunde steigen. Windkraft in Mecklenburg Vorpommern

von Michael Kroker, Andreas Wildhagen, Anke Henrich, Cornelius Welp, Franz W. Rother, Hans-Jürgen Klesse, Harald Schumacher, Jürgen Salz und Rüdiger Kiani-Kreß

Die Gewinner und Verlierer der Bundestagswahl in der deutschen Wirtschaft.

Gibt es nun eine große Koalition zwischen Union und SPD oder kommt doch Schwarz-Grün? Noch ist diese Frage offen – aber die Vertreter der Industrie loten bereits aus, welche Folgen sich für sie ergeben könnten. Chemieunternehmen hoffen auf günstigere Strompreise. Automobilhersteller warnen vor den Folgen einer Pkw-Maut. Die WirtschaftsWoche beleuchtet, welche Unternehmen zu den wahrscheinlichen Gewinnern des Wahlausgang gehören – und welche zu den Verlieren:

Energieversorger

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E.On, RWE, EnBW und Vattenfall stellen hohe Erwartungen an die neue Bundesregierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel. Denn die Stromnetze sind nach der Energiewende mit Ökostrom überlastet und treiben Kohle- und Gaskraftwerke in die roten Zahlen. RWE-Manager erhoffen sich nun von einer großen Koalition eine Gesetzesänderung, wonach diejenigen, die erneuerbare Energien produzieren, auch für die Finanzierung des Gesamtsystems mit herangezogen werden sollen. Wer künftig Ökostrom erzeugt, soll also die Kosten für den Betrieb der Netze mittragen.

Die Energiekonzerne hoffen auch, dass Schwarz-Rot ihnen die Bereitstellung von Kohle- und Gaskraftwerken bezahlt, auch wenn diese keinen Strom produzieren. Diese Kraftwerke müssen dann einspringen, wenn Sonne und Wind nicht genügend Strom produzieren. Eine schwarz-grüne Regierung mit starkem grünem Einfluss würde dagegen das Geschäftsmodell der Großversorger zu Grabe tragen, fürchten ihre Vorstände. Der bisher geltende Vorrang des Ökostroms im Netz (EEG-Gesetz) würde wohl weiter gelten und die konventionellen Kraftwerke unrentabel machen. Auch dürften die Einspeisevergütungen für künftige Ökostromerzeuger weniger stark sinken.

Banken

Neben den Energieversorgern standen die Banken in den vergangenen Jahren im Zentrum politischer Gestaltungsfreude. Dabei waren sich alle Parteien einig: Die Geldhäuser gehören stärker an die Kette gelegt und müssen mehr für ihre Sicherheit tun. Die großen Regulierungsfragen werden jedoch mittlerweile auf EU-Ebene in Brüssel entschieden. Dort geht es aktuell um die technischen Details – vor allem bei der geplanten einheitlichen Aufsicht durch die Europäische Zentralbank und der Frage, wer für die Abwicklung maroder Institute zuständig sein wird. An der grundsätzlichen Haltung Berlins, die eine zu starke gemeinsame Haftung ablehnt, dürfte sich nichts ändern.

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Quelle: dpa/Montage

Wahrscheinlicher ist die Einführung einer Finanztransaktionssteuer: Hier hatte einzig die FDP gebremst. Außerdem könnte es zu einem höheren Satz bei der Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge und einem erweiterten Verbraucherschutz kommen. Jenseits der Gesetzgebung bewegt Banker vor allem das weitere Schicksal der teilverstaatlichten Commerzbank: Schon bald dürfte klar werden, wie lange der Bund seinen Anteil behält – und ob ihr Chef Martin Blessing weitermachen darf.

Hotellerie

Für das Gastgewerbe sei der Wahlausgang "ein Wechselbad der Gefühle", sagt Otto Lindner, Vorstand der Lindner Hotels. "Erst Entsetzen über das Ausscheiden der FDP, dann ungläubiges Staunen über die mögliche absolute Mehrheit der CDU/CSU und jetzt die Furcht vor Rot-Rot-Grün."

Wie seine Kollegen befürchtet Lindner, dass eine neue Regierung die Anfang 2010 von CDU, CSU und FDP eingeführte Mehrwertsteuersenkung für Übernachtungen von 19 auf 7 Prozent rückgängig machen könnte. Zwar gilt Rot-Rot-Grün als unwahrscheinlich. Das Steuerprivileg für Hotels und Restaurants könnte aber auch bei Verhandlungen für eine große Koalition oder Schwarz-Grün als Verhandlungsmasse zur Disposition stehen. Das Gastgewerbe hofft darum auf die CSU: "Ich vertraue auf Horst Seehofer", sagt Haakon Herbst, Hotelier und Präsident der Hospitality Sales and Marketing Association Deutschland. "Ganz gleich, welche Koalition uns in Zukunft regiert: Er wird dafür sorgen, dass die Mehrwertsteuer bei sieben Prozent bleibt."

Die SPD hatte die Rücknahme der Steuererleichterung in ihr 100-Tage-Programm aufgenommen, Grüne und Linke wollen die Mehrwertsteuer für das Gastgewerbe ebenfalls auf das alte Niveau anheben. "Das wäre unverantwortlich", warnt Ernst Fischer, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes.

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