Brigitte Zypries: "Ich bin jetzt Hausherrin"

Brigitte Zypries: "Ich bin jetzt Hausherrin"

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Brigitte Zypries: "Ich bin jetzt Hausherrin"

Wie schnell kann Machtverlust gehen: Sigmar Gabriel, gerade als Wirtschaftsminister entlassen und an die Spitze des Auswärtigen Amtes gerückt, wurde unmissverständlich klar gemacht, wer nun das Sagen hat.

An Selbstbewusstsein fehlt es der neuen Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries mit Sicherheit nicht. "Ja, meine Damen und Herren", beginnt ihr Vorgänger Sigmar Gabriel gerade in alter Gewohnheit, um bei der Amtsübergabe in seinem bisherigen Amtsitz in der Berliner Invalidenstraße die Journalisten zu begrüßen. Da fällt ihm Zypries ohne große Rücksicht ins Wort. "Ich begrüße Sie sehr herzlich hier im Ministerium." Sie übernimmt mit fester Stimme den Part, lacht kurz, wendet sich an Gabriel und sagt ihrem bisherigen Chef mit einem Augenzwinkern: "Ich bin ja hier jetzt Hausherrin." So schnell ändern sich die Zeiten.

Gabriel - ansonsten immer für einen lockeren Spruch zu haben - schweigt kurz irritiert. Doch er bleibt gelassen. Vielleicht rührt das auch daher, dass er beim Abschied aus dem alten Amt zur Verstärkung seine kleine Tochter Marie mitgebracht hat. Dabei braucht er die am Ende nicht. Denn Hunderte seiner bisherigen Mitarbeiter spenden ihm bei einer anschließenden Personalversammlung langen und kräftigen Beifall.

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Auch Zypries ist trotz der leisen Peinlichkeit zu Beginn und mancher kumpelhafter Anspielung ansonsten nicht ungnädig. "Ich finde, Sigmar Gabriel hat einen Superjob gemacht", lobt sie ihren Ex-Chef, der nach gut drei Jahren ins Auswärtige Amt umzieht. Und ihm selbst ist am Ende sichtlich etwas wehmütig zumute. "Ich gehe heute nicht irgendwie mit überschäumender Freude", gesteht er. "In solch einer Situation geht man immer ein bisschen mit einem weinenden und einem lachenden Auge."

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Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel Quelle: dpa

Eines ist dem bisherigen Chef und seiner Nachfolgerin gleichermaßen wichtig. "Dieses Ministerium hat es in den letzten drei Jahren tatsächlich geschafft, so etwas wie ein Ort der Sozialpartner zu werden", sagt Zypries, die bisher als Staatssekretärin im Wirtschaftsressort arbeitete. Auch Gabriel betont das. Das Ministerium sei nicht eines der deutschen Unternehmen, sondern das der Wirtschaft insgesamt - mit Arbeitnehmern wie Arbeitgebern.

Dass die 63-jährige Zypries ihren neuen Job nur als Übergang sieht, daran lässt sie wenig Zweifel. Zwar antwortet sie auf die Frage, ob sie über diese Legislaturperiode hinaus weitermachen würde, nur kurz mit: "Das ist ja nun nicht meine Entscheidung." Dann aber fügt sie hinzu, es bleibe "definitiv" dabei, dass sie für den neuen Bundestag nicht mehr kandidieren werde. "Das ist schon alles eingetütet. Dabei bleibt's."

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