Brüderle zu Atomkraftwerken: "Wir brauchen eine klar zweistellige Laufzeiten-Verlängerung"

Brüderle zu Atomkraftwerken: "Wir brauchen eine klar zweistellige Laufzeiten-Verlängerung"

Bild vergrößern

Rainer Brüderle

von Henning Krumrey

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle über die Notwendigkeit längerer Kernkraft-Laufzeiten für den Standort Deutschland.

WirtschaftsWoche: Herr Minister, die Szenarien für das Energiekonzept liegen vor, aber nun heißt es aus dem Justizministerium, ohne Zustimmung des Bundesrates ließen sich die Laufzeiten der Atomkraftwerke nur um zwei bis drei Jahre verlängern. Lohnt dafür der ganze Streit?

Brüderle: Die Justizministerin und der Innenminister haben im Kabinett bestätigt, dass es aus ihren Häusern bisher keinerlei Gutachten gibt, die eine solche Grenze setzen. Das sind Störmanöver von interessierter Seite, mehr nicht.

Anzeige

Das heißt, die Ressorts haben auch nach vier Monaten keine Ahnung, was geht?

Das sind alles interaktive Zusammenhänge. Da spielt die Frage der Laufzeit genauso eine Rolle wie die Sicherheit. Meine persönliche Einschätzung ist: Der Ausstieg war ohne Zustimmung des Bundesrates möglich, dann sollte eine Modifizierung des Ausstiegs auch ohne Bundesrat möglich sein.

Wie viele Jahre bekommen die Meiler nun noch zusätzlich?

Wir sollten eine klar zweistellige Verlängerung der Laufzeiten bekommen. Die brauchen wir, um die ehrgeizigen Ziele unseres Energiekonzepts zu erreichen. Die Szenarien haben ergeben, dass der volkswirtschaftliche Nutzen bei einer Laufzeitverlängerung zwischen 12 und 20 Jahren höher ist als bei den Extrem-Varianten mit 4 und 28 Jahren. Deshalb sollten wir uns dazwischen einigen. Oberste Priorität haben jedenfalls die drei klassischen Eckpunkte der Energiepolitik: eine sichere, klimafreundliche und bezahlbare Energieversorgung.

Welches der drei Ziele ist das wichtigste? Um wie viel Cent muss der Strompreis durch die Laufzeitverlängerung sinken?

Aus Sicht des Wirtschaftsministers gilt natürlich immer: je niedriger der Strompreis, desto besser. Aber so einfach ist es nicht. Wir dürfen keinen der drei Faktoren vernachlässigen. Wer sich einseitig orientiert, läuft Gefahr, eine verzerrte Entscheidung zu treffen.

Klimafreundlich – das spricht für eine möglichst lange Laufzeit. Der günstigere Strompreis ebenso. Und bei der Versorgungssicherheit stehen die Meiler zumindest nicht schlechter da als Öl und Gas. Da bleiben doch nur 28 Jahre übrig.

So schlicht geht es nicht. Man muss die Wechselwirkungen betrachten. Je länger die Meiler am Netz sind, desto höher werden auch die Aufwendungen für ihre Sicherheit. Ein Kernkraftwerk ist ja keine Strumpfstrickmaschine.

Die Energieversorger drohen: Wenn es zu schwierig und zu teuer wird, stellen wir den Betrieb ein. Wie kam das bei Ihnen an?

Jedes Unternehmen wird nur machen, was sich rechnet. Ob die Drohung sehr hilfreich war, ist eine andere Frage. Das ist ein hoch emotionales Thema. Am Ende treffen die politischen Mandatsträger die Entscheidungen, niemand sonst.

Die Stromversorger sollen 2,3 Milliarden Euro aus der Brennelementesteuer zur Sanierung des Haushalts beisteuern. Was kommt noch obendrauf?

Es gibt eine klare Reihenfolge: erst ein modernes Energiekonzept inklusive Laufzeitverlängerungen, dann die Frage der Spielräume, die sich daraus ergeben. Wichtig ist, dass wir unser Ziel nicht aus den Augen verlieren, nämlich einen schnelleren Umstieg auf erneuerbare Energien zu ermöglichen.

Das heißt: zusätzliches Geld? Finanzminister Wolfgang Schäuble braucht die 2,3 Milliarden Euro für sein Sparpaket, nicht für die Subvention erneuerbarer Energien.

Aber ich habe immer gesagt: Wir nehmen die Hälfte der Windfall profits aus der Laufzeitverlängerung. Fifty-fifty ist immer eine faire Lösung. Und davon verwenden wir dann einen nennenswerten Betrag für Forschung und innovative Technologien.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%