Brüderles Protokoll-Affäre: BDI-Indiskretion demontiert Schwarz-Gelb

KommentarBrüderles Protokoll-Affäre: BDI-Indiskretion demontiert Schwarz-Gelb

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Werner Schnappauf

von Max Haerder

Das Atommoratorium - nur ein Wahlkampfmanöver? Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) muss eine peinliche Indiskretion verkraften. Der Wirtschaftsminister ist düpiert, das Verhältnis zur Bundesregierung empfindlich gestört. Der Rücktritt des BDI-Bundesgeschäftsführers ist deshalb nur konsequent.

Kontaktsperre! Nicht mehr hingehen! Alles absagen! Am besten für mehrere Monate, aber mindestens! So redet kein industrieferner Linker, nein, so schäumt man jetzt in der FDP. Und zwar über den vermeintlich so gesinnungsnahen BDI. Nach dem, was Rainer Brüderle dort widerfahren ist, darf eigentlich kein Politiker aus Union oder FDP (und anderer Couleur) dort in näherer Zukunft auch nur einen Hauch von Wort verbreiten, das im Verdacht steht, die Wahrheit zu sein. Oder gar kontrovers. Es sei denn, man ist amtsmüde.

Als Rainer Brüderle vor den Spitzen der deutschen Industrie den Wahlkampf, die Atomdebatte und fehlende Ratio in einem losen Gedanken zusammenführte – da sprach er mit Gelassenheit eine ziemliche Banalität aus; etwas, dass alle ohnehin unterstellten, wussten und schrieben. Doch vertrauliche Wahrheit ist etwas anderes als veröffentlichte. Nun gelten wahl- und interesseweise entweder BDI, Brüderle oder gleich beide als politische Heckenschützen, die im Endspurt vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz für friendly fire sorgen.

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Rücktritt ist konsequent

Für das Verhältnis zwischen schwarz-gelber Regierung und der mächtigsten Industrievertretung bedeutet die Protokoll-Affäre einen lang, sehr lang anhaltenden Temperatursturz. Das Fell aller Beteiligten dürfte da noch ausreichend dick sein. Für Merkel, Mappus und Westerwelle jedoch könnten ihre immer offenkundigeren und waghalsigeren Volten schon am Sonntag in ein durchaus historisches Wahldesaster führen.

Zum Abschluss noch etwas fürs Protokoll: Nach allem, was derzeit von Sitzungsteilnehmern bekannt ist, wurde Brüderle vollkommen korrekt zitiert. Als BDI-Geschäftsführer Werner Schnappauf also gestern noch versuchte, mit einem „Protokollfehler“ irgendetwas für irgendwen zu retten, da muss ihm klar gewesen sein, dass diese Unwahrheit nicht lange verborgen bleiben würde. Zumal er den vermeintlich falschen Text selber freigab, bevor er „vertraulich“ verschickt wurde. Der heutige Rücktritt ist deshalb konsequent und verdient Respekt.

So mancher Politiker könnte sich zumindest von diesem Abgang etwas abgucken.

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