Buch "Ganz oben Ganz unten": Christian Wulff hat nichts verstanden

Buch "Ganz oben Ganz unten": Christian Wulff hat nichts verstanden

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Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff stellte am Dienstag sein Buch "Ganz oben Ganz unten" vor.

von Nora Jakob

Mehr als zwei Jahre nach seinem Rücktritt hat Ex-Bundespräsident Christian Wulff ein autobiografisches Buch geschrieben: „Ganz oben Ganz unten“ soll ein Neuanfang sein – ist es aber nicht.

598 Tage war Christian Wulff als Bundespräsident im Amt – als jüngstes Staatsoberhaupt und auch als das mit der kürzesten Amtszeit. Dabei stand es von Beginn an nicht gut um ihn und seine Zukunft; war doch der Widerstand auch innerhalb der eigenen Partei nicht unerheblich. „In den Reihen der CDU hatte meine Nominierung, vorsichtig ausgedrückt, Frau Merkel keine neuen Sympathien verschafft“, wie Christian Wulff in seinem Buch bekennt. Er beschreibt sie auch als eine der wenigen Menschen aus der ersten Reihe der Politik, die immer zu ihm gestanden habe und „niemals in irgendeiner Form Druck auf mich ausgeübt.“ Am Ende konnte sie ihn aber auch nicht halten.

Sein Fall war schnell und tief – zu einem nicht unerheblichen Teil aber auch selbst verschuldet und das wird in dem Buch besonders deutlich: „Ganz oben Ganz unten“ versinkt über weite Strecken im Selbstmitleid eines Christian Wulffs, der seine Fehler und Schwächen gerne eingestehen möchte. Aber immer wieder daran scheitert, weil es sie nicht zu geben scheint. Deshalb inszeniert er sich als Macher, als Lenker – immer im Hintergrund. Denn: „Der gute Hirte führt die Herde von hinten […] er sorgt für die Richtung, aber er sorgt sogleich dafür, dass kein Schäfchen verlorengeht. Wer als Hirte voranschreitet, läuft Gefahr, dass ihn die Herde aus dem Blick verliert, wenn er zu schnell geht oder in einer Senke verschwindet.“

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Die besten Sprüche aus Wulffs Buch "Ganz oben Ganz unten"

  • Der Rücktritt

    "Der Rücktritt war falsch. Ich wäre auch heute der Richtige im Amt."

  • Wulff-Bashing

    „Das Wulff-Bashing begann am Tag nach meiner Nominierung für das Amt des Bundespräsidenten.“

  • Schweigen der politischen Klasse

    „Die politische Klasse verfiel […] am Ende meiner Amtszeit in ein allgemeines Schweigen zu meinem Fall. Aus Populismus oder aus Angst, selbst Opfer von Medien zu werden.“

  • Skandale und die "Bild"-Zeitung

    „"Bild" ist niemals der ganze Skandal, aber ohne "Bild" ist der ganze Skandal nichts.“

  • Zum ersten Mal geweint

    "Ob der Bundestagspräsident denn eigentlich wisse, dass der Bundespräsident mit einer ehemaligen Prostituierten verheiratet und daher von Zuhälter- und Rockerkreisen erpressbar sei. Als ich kurz nach meinem Rücktritt von dieser Infamie erfuhr, habe ich zum ersten Mal geweint."

Man kann Christian Wulff nicht vorwerfen, dass er oft nach vorne geprescht ist – mit seiner Meinung oder Taten, vielleicht war er manchmal sogar zu zögerlich in seinem Handeln. Vielleicht war er aber auch zu fremdbestimmt, hat sich leiten lassen und den Menschen um ihn herum vertraut. War zu leichtgläubig, dass nach den Skandalen um seine Person alles wieder gut werden wird. Leichtgläubig auch, dass mit der Frau an seiner Seite nichts schiefgehen könnte – so viel Glamour, wie sie ausstrahlte: Er hat es offen und sichtlich genossen, an der Seite seiner Verhimmelten zu glänzen, sie stolz hergezeigt und vorgeführt und sie hat sich zeigen und vorführen lassen.

Weil er es so sehr genossen hat, schreibt er noch immer – fast schwärmerisch - von seiner Frau, obwohl er seit Januar 2013 von ihr getrennt lebt. Inszeniert sie als Frau, die ihm immer wieder beratend zur Seite gestanden hat – und vergießt seine ersten Tränen, als Gerüchte um eine Rotlichtvergangenheit Bettina Wulffs öffentlich werden: "Ein prominenter Journalist […] sprach […] an einer Tankstelle einen Mitarbeiter des Bundestagspräsidenten an. Ob der Bundestagspräsident denn eigentlich wisse, dass der Bundespräsident mit einer ehemaligen Prostituierten verheiratet und daher von Zuhälter- und Rockerkreisen erpressbar sei. Als ich kurz nach meinem Rücktritt von dieser Infamie erfuhr, habe ich zum ersten Mal geweint."

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