Buch-Veröffentlichung: Guttenberg, der Weltpolitiker

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Karl-Theodor zu Guttenberg

von Christopher Schwarz

Fast wie bei Loriot: Der frühere Verteidigungsminister bestreitet alle Betrugsvorwürfe und empfiehlt sich dem deutschen Publikum als transatlantischer Vor-Denker.

Nicht, dass er keine Reue zeigte oder unfähig wäre zur Selbstkritik. Im Gegenteil, Karl-Theodor zu Guttenberg gibt sich im Gespräch mit dem Chefredakteur der „Zeit“ Giovanni di Lorenzo ordentlich zerknirscht: Die „größte Dummheit seines Lebens“ sei seine Bayreuther Dissertation gewesen, eine „unsäglich schlechte wissenschaftliche Arbeit“, ein „hanebüchen“ fehlerhaftes Elaborat, das sich der „verheerenden Kombination“ gleich mehrerer Zutaten verdanke: Hochmut, Leichtsinn, Überforderung, einem „kompletten Mangel an Selbstreflexion“ und einem „gerüttelt Maß an Eitelkeit“. Und doch habe er, Guttenberg, „diesen Blödsinn wirklich verfasst“ und „stehe auch dazu“.

Aber Betrug? Täuschung? Vorsatz? Dass er vorsätzlich getäuscht habe, wie die Bayreuther Kommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“ in ihrem Urteil feststellt, sei ein Vorwurf, der ihn „am meisten trifft“ und den er – eine Frage der Ehre - partout nicht auf sich sitzen lassen will. Seine Dissertation, für die er den von di Lorenzo vorgeschlagenen Ausdruck „Textcollage“ durchaus gelten lässt, sei kein Plagiat, also nicht einfach über weite Strecken abgeschrieben, sondern „das fatale Ergebnis einer chaotischen und ungeordneten Arbeitsweise“.

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Was zu Guttenberg über das Zustandekommen seiner Doktorarbeit erzählt, bietet tatsächlich Stoff für eine Humoreske: Wie der Student, der neben dem Studium vom eigenen Familienunternehmen „in die Pflicht“ genommen wird, im Jahr 1999 mit der Dissertation beginnt, ein „hektischer und unkoordinierter Sammler“, der Texte ausschneidet, abschreibt oder kopiert und schließlich auf 80 Datenträgern speichert, es mit der Kennzeichnung der Zitate und dem Fußnotenapparat nicht so genau nimmt, schließlich im „Wust“ der Zitate den Überblick verliert und beim Zusammenfügen der Textbausteine fremde Texte nicht immer genau von eigenen unterscheiden kann – das hat etwas von Loriot. Die Sätze der Einleitung, die aus einem Aufsatz in der FAZ stammen, hat Guttenberg „schlicht für (s)eine eigenen gehalten“.

Augen zu und durch

Sage niemand, so etwas gebe es nicht. Wer einmal, wie der Autor dieser Zeilen, über Jahre an einer Dissertation gearbeitet hat, weiß, wie leicht hat in einem quasi osmotischen Prozess Fremdes und Eigenes verschwimmen kann. Bei der Schlussredaktion achtet er deshalb darauf, dass sauber zitiert wird und die Quellenangaben stimmen. Fehler passieren trotzdem. Guttenberg indes wollte vor allem „mit der Arbeit fertig werden und (s)ich nicht mehr erneut mit all den Details befassen“. Seine Devise war Augen zu und durch. Dass es dabei objektiv zu einer Fülle von Plagiaten kam, hat er in Kauf genommen.

Nehmen wir an, er sagt im Gespräch mit di Lorenzo die Wahrheit und hat tatsächlich nicht vorsätzlich getäuscht – was für ein Licht wirft das auf den Autor der Dissertation über „Verfassung und Verfassungsvertrag“? Um das Mindeste zu sagen: Es zeigt einen Charakter, dessen Nonchalance die Grenze zur Fahrlässigkeit deutlich überschreitet. Zu den Rätseln seines Falls  gehört, dass Guttenberg offenbar trotz seiner Schlampereien nicht im Traum daran dachte, seine Doktorarbeit könnte als Blendwerk enttarnt werden. Psychoanalytiker nennen das Verdrängung .

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