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Bürokratie: Warum 12.000 Mitarbeiter die Wasserstraßen verwalten

von Max Haerder

Im Bundesverkehrsministerium wird bald das Geld für Investitionen knapp. Aber bei der Verwaltung der deutschen Wasserstraßen gäbe es einiges zu reformieren – und zu sparen.

ARCHIV -  Binnenschiffe Quelle: AP
ARCHIV - Binnenschiffe befahren am 21. November 2001 den Rhein nahe Duisburg . Vor dem Krisenjahr 2009 haben die Binnenschiffer in Deutschland ihren Umsatz noch einmal kraeftig gesteigert. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag 22. dezember 2009 mitteilte, stieg der Umsatz der Branche 2008 um 9,9 Prozent auf insgesamt 1,67 Milliarden Euro. Damit habe die Binnenschifffahrt ein herausragendes Jahr zu verzeichnen, "obwohl sich auch hier die beginndende Konjunkturkrise schon bemerkbar machte", berichteten die Statistiker. (AP Photo/Michael Sohn) Quelle: AP
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Es lässt sich leben in Groß Rosenburg: Nahe dem sächsisch-anhaltischen Städtchen locken die Elbauen, und als wäre das nicht genug der Idylle, zieht am Stadtrand Rosenburgs die Saale erhaben ihre Schleifen. Kaum ein Schiff stört je den stillen Blick. Dennoch soll die Saale bald entlastet werden. Durch einen Kanal, der die „Felsenstrecken und engen Kurvenradien“ der Saale umgeht, wie es auf Bürokratiedeutsch heißt.

Nur: wofür? Für Güterverkehr zu Wasser jedenfalls nicht. Den gab es trotz enger Kurvenradien bis vor einigen Jahren.Inzwischen aber wird das meiste über Bahn und Lastwagen abgewickelt. Warum die Saale den rund 80 Millionen Euro teuren Kanal noch benötigt, ist schwierig zu begründen.Der Bedarf ist nicht vorhanden. Am Ende könnte das Bauwerk vor allem eine Institution zufriedenstellen: die zuständige Schifffahrtsverwaltung. Die plant schon seit vielen Jahren an dem Projekt.

Unangenehmer Spardruck

Vielleicht hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) deshalb auch an den Saale-Seitenkanal gedacht, als er zum Amtsantritt forsch ankündigte, er wolle „ein Beispiel dafür geben“, wie man eine Verwaltung „noch effektiver und effizienter machen könnte“.

Ramsauer könnte bald daran erinnert werden. Im kommenden Jahr fallen die Milliarden der Konjunkturpakete aus seinem Etat. Zusammen mit der Schuldenbremse erzeugt das unangenehmen Spardruck – Verteilungskämpfe um weniger Geld bei nicht weniger werdenden Bauwünschen beginnen. Mit seinem Streben nach Effizienz rückt der Minister den eigenen Großapparat ins Licht. Und dazu gehört auch die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV).

Eine Verwaltung „wie zu Kaisers Zeiten“, ärgert sich der FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring. Stolz dokumentieren viele WSV-Ämter ihre historischen Wurzeln bis zum Wiener Kongress. Residenzen wie das Schifffahrtsamt Magdeburg, eine 1842 errichtete preußische Zitadelle, zeugen von langer Tradition und gehörigem Statusbewusstsein.

Da liegt das Problem, findet auch Dörings Bundestagskollege von den Grünen, Anton Hofreiter: „Wir brauchen eine grundlegende Veränderung.“ Der Bundesrechnungshof fordert bereits seit Langem, die WSV „nachhaltig zu sanieren“ und „Aufgaben kritisch zu hinterfragen“.

Das halbe Ministerium

Knapp 12800 Mitarbeiter beschäftigt das Verkehrsministerium ausschließlich für die rund 7300 Kilometer Wasserstraßen. Beamte kümmern sich geflissentlich um Bauplanung und -aufsicht. Arbeiter baggern Fahrrinnen aus, pflegen Uferbüsche und Brücken, Angestellte überwachen Schleusen und Verkehr. Besonders stolz ist die WSV zudem auf ihre moderne Flotte zur Schadstoffbekämpfung. Alles zusammen ein beeindruckender Apparat: sieben eigenständige Wasser- und Schifffahrtsdirektionen von Kiel bis Würzburg, dazu 39 untergebene Wasser- und Schifffahrtsämter und vier Sonderbehörden wie die Bundesanstalt für Gewässerkunde oder das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie. Macht unterm Strich 3,8 Behörden-Mitarbeiter pro Schiff, das auf deutschen Gewässern schippert – oder rund 1,7 je Stromkilometer.

Eine paradoxe Lage: Die deutschen Wasserstraßen und Seewege sind der einzige der drei Verkehrsträger, den der Bund noch in Eigenregie verwaltet – und dazu noch nach Güteraufkommen der kleinste. Dennoch absorbiert er fast die Hälfte der rund 26 000 Mitarbeiter des Ramsauer-Ministeriums.

41 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.03.2011, 00:52 UhrAnonymer Benutzer: mteon

    Aus meiner Sicht ist eine Reform der WSV zwingend und zeitnah erforderlich. Fokus sollte nur auf die derzeitigen Hauptbundeswasserstrassen gelegt werden, wie z.b. Weser, Rhein, Main, Donau, Mosel, etc. Der Kosten- und Personalaufwand für die Unterhaltung für z.b. Werra, Aller, Leine, Fulda, etc., sprich binnenwasserstrassen für Sportboote usw. sind nicht weiterhin vertretbar. Die Personalüberhänge sollten dann auf die zuständigen bezirke verteilt werden und sukzessive und sozialverträglich abgebaut werden. ich beobachte seit längerer Zeit, dass Gelder gekürzt werden und die MA in sogenannten AbM Maßnahmen beschäftigt werden. Eine resegnation ist auf Sichtweite spürbar, was auch nachvollziehbar ist. Dieses Arbeitsverhalten ist wie ein Virus und die restlichen MA werden förmlich davon assimiliert. Fazit: ich kenne dort geeignete Führungskräfte, die eine Reorganisation wirtschaftlich umsetzen könnten, jedoch werden diese durch das Verfahren, ALLES bLEibT WiE ES iST UND KEiNER ÄNDERT WAS, systematisch blockiert, damit ganz oben "Macht und ignoranz" weiter einen Ruheposten sichern.

  • 11.03.2011, 22:05 UhrAnonymer Benutzer: Beschäftigte der WSV

    Ende mit der Märchenstunde... in der WSV arbeiten nciht nur beamte
    Die Vergabe von Leistungen oder Privatisierung sollte nur dann erfolgen, wenn diese nachweislich wirtschaftlicher ist.

  • 24.01.2011, 23:55 UhrAnonymer Benutzer: helifan

    Wir alls arbeiter bei der WSV hören nur die halbe wahrheit über
    die reform etc.(personalversammlung).Wenn ich sehe wie bei
    uns das AbZ zerlegt wird wird mir angst und bange,Schubschiff
    weg mit samt bagger,und was hätten wir arbeit ohne ende,
    gehölz,steine einbau,etc,bleibt alles liegen.Als noch mehr Züge
    am Rhein endlang,und die wartezeit am bahnübergang wird
    länger u.länger.

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