Bundesagentur-Chef Weise: Hoher Anteil von Bulgaren bezieht Hartz IV

Bundesagentur-Chef Weise: Hoher Anteil von Bulgaren bezieht Hartz IV

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„Für nahezu jeden Vierten, der arbeitslos wird, besitzt die Arbeitslosenversicherung keine Schutzfunktion mehr“

Anfang 2014 fielen die letzten Hürden - seitdem können auch Bulgaren und Rumänen in Deutschland einen Job suchen. Das gelingt nicht immer. Ein wachsender Anteil der Zuwanderer bezieht Hartz IV, beklagt BA-Chef Weise.

Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, hat auf den wachsenden Anteil von bulgarischen Zuwanderern in Hartz IV hingewiesen. Im April habe bereits jeder Vierte in Deutschland lebende Bulgare Hartz-IV-Leistungen bezogen, bestätigte Weise auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Vor rund einem Jahr sei es nur jeder Fünfte gewesen. Neuere Zahlen lägen derzeit noch nicht vor.
Grundsätzlich würden EU-Zuwanderer problemlos in den deutschen Arbeitsmarkt integriert, betonte er. Auch viele Bulgaren hätten in Deutschland eine Arbeit gefunden. Daneben bezögen aber 54 000 Bulgaren Hartz IV. Gemessen an allen Hartz-IV-Beziehern in Deutschland seien das lediglich 0,8 Prozent. „Die Zahl macht deutlich, dass wir anderswo vor viel größeren Problemen stehen. Wir sollten aber auch diese Entwicklung im Auge behalten“, sagte Weise,

Zehn Jahre Hartz IV: Arbeitslosigkeit damals und heute

  • Arbeitslosenquote

    Rund 2,7 Millionen Menschen in Deutschland - das sind 6,3 Prozent - sind heute arbeitslos (Stand: Oktober 2014). Vor zehn Jahren war noch jeder Zehnte (10,1 Prozent) ohne Job, 4,4 Millionen Menschen hatten keine Arbeit (Stand: Oktober 2004). Im darauffolgenden Jahr erreichte die Arbeitslosigkeit mit rund fünf Millionen Arbeitslosen ihren Spitzenwert seit der Wiedervereinigung. Im Wesentlichen hing diese Entwicklung mit der Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zusammen („Hartz-IV-Effekt“).

  • Geschlecht

    Den Zahlen nach zu urteilen haben Frauen heute wie damals kein größeres Risiko als Männer, arbeitslos zu werden. Der tatsächliche Anteil arbeitsloser Frauen dürfte dennoch höher liegen: Statistiker vermuten, dass insbesondere unter Frauen die stille Reserve höher liegt, weil viele keine Vermittlungschancen mehr sehen.

  • Ost-West-Vergleich

    Im Jahresmittel 2004 betrug die Arbeitslosigkeit im Westen 8,5 Prozent, im Osten war sie mit über 18 Prozent mehr als doppelt so hoch.

    Der Abstand hat sich inzwischen merklich verringert, ist aber weiterhin groß: Im Westen liegt die Quote heute bei etwa sechs Prozent, im Osten bei etwa zehn Prozent. Während das Potenzial an Menschen, die einer Arbeit nachgehen können, in Gesamtdeutschland stieg, sank es im Osten leicht.

  • Jugendliche

    Der Anteil der Arbeitslosen unter 25 Jahren ist in den vergangenen zehn Jahren zwar zurückgegangen. 2005 waren in dieser Altersgruppe noch knapp 15 Prozent arbeitslos, heute hat sich die Zahl mehr als halbiert. Ein Grund zum Jubeln ist das aber nur bedingt: Schließlich sinkt aus demografischen Gründen seit Jahren die Zahl der jungen Erwachsenen insgesamt. Die Arbeitslosenquote der Unter-25-Jährigen liegt seit zehn Jahren konstant etwa drei Prozentpunkte über der Gesamtquote.

  • Ältere

    In den vergangenen zehn Jahren stieg der Anteil der 55- bis 64-Jährigen an der Gesamtarbeitslosigkeit von 25 auf über 33 Prozent. In absoluten Zahlen waren aber weniger Ältere arbeitslos. Denn auch hier spielt die demografische Entwicklung eine Rolle. 2005 waren gut 15 Millionen Menschen zwischen 50 und 64 Jahre alt, 2015 werden es bereits über 18 Millionen sein. In dieser Gruppe hat sich der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten seit 2005 um knapp zehn Prozentpunkte erhöht, denn die Zahl der arbeitenden Älteren ist auf knapp 9 Millionen angestiegen.

  • Offene Stellen

    Die bei der Bundesarbeitsagentur gemeldeten offenen Stellen sind in den vergangenen zehn Jahren mehr geworden - mit einem deutlichen Knick zur Finanzkrise 2009. Im Jahr 2005 waren 256.000 Stellen als offen gemeldet, 2013 waren es 434.000. Seit 2012 ist die Zahl der offenen Stellen wieder rückläufig.


Nach Einschätzung des BA-Chefs kann die Gesellschaft diese Entwicklung bei den südosteuropäischen EU-Zuwanderern im Moment noch verkraften. „Aber es ist schon ernst zu nehmen, dass die Zahlen steigen“, sagte er. „Wir haben hier Menschen, von denen manche wegen ihrer geringen Bildung und fehlender Sprachkenntnisse noch nicht dazu geeignet sind, dass man sie in Arbeit bringt“, unterstrich Weise.
Anfang 2014 waren für Arbeitskräfte aus Bulgarien und Rumänien die letzten Hürden bei der Jobsuche in Deutschland gefallen. Damals hatten Kritiker davor gewarnt, viele der zuwandernden Südosteuropäer könnten wegen ihrer geringen Jobchancen in Deutschland rasch zu Hartz-IV-Beziehern werden.

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„Für nahezu jeden Vierten, der arbeitslos wird, besitzt die Arbeitslosenversicherung keine Schutzfunktion mehr“ Quelle: dpa


Nach Angaben von Arbeitsmarktforschern lebten zuletzt im Juni mehr als 203 000 Bulgaren in Deutschland. Rund 85 000 davon hatten eine Arbeit, 54 000 (Stand April 2015) bezogen hingegen Hartz-IV-Leistungen. Im Jahr davor waren es lediglich 32 000 gewesen. Der Anteil bulgarischer Hartz-IV-Bezieher an allen in Deutschland lebenden Bulgaren lag damit zuletzt bei 27,6 Prozent. Bei Bundesbürgern liegt dieser Anteil bei 7,5 Prozent.
Die Zuwanderung von Bulgaren und Rumänen konzentriert sich auf sechs deutsche Großstädte: Berlin, München, Frankfurt, Hamburg, Duisburg und Nürnberg. Dort lebten Ende 2014 jeweils mehr als 10 000 Zuwanderer aus den beiden südosteuropäischen EU-Staaten.
Bevor die Jobcenter aktiv werden könnten, müssten diese Kommunen erst einmal die Probleme dieser Zuwanderer-Gruppe lösen, sagte Weise. Dazu gehöre vor allem die Vermittlung einer Unterkunft sowie grundlegender Sprachkenntnisse. „Erst danach können die Jobcenter ihre Arbeit beginnen: Denn wer keine Sprachkenntnisse hat und dem es auch an grundlegenden Schulkenntnissen fehlt, dem können wir so gut wie keine passenden Arbeitsplätze bieten“, sagte Weise.

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