Bundesarbeitsministerin: "Duale Ausbildung europaweit aufbauen"

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InterviewBundesarbeitsministerin: "Duale Ausbildung europaweit aufbauen"

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Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen: "Der Staat sorgt für die Berufsschulen, die Wirtschaft für Ausbildungsplätze. Nur dann wird der Fachkräftenachwuchs am Bedarf entlang und nicht am Markt vorbei ausgebildet."

von Henning Krumrey und Max Haerder

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen will mit deutscher Ausbildung die europäische Jobmisere bekämpfen, träumt von einer zentralen europäischen Arbeitsvermittlung und glaubt an den Ausweg aus der Teilzeit-Falle.

WirtschaftsWoche: Frau Ministerin, Sie wollen die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa bekämpfen. Was sollen deutsche Steuerzahler eigentlich noch alles retten?

Von der Leyen: Wir alle werden daran gemessen, ob die junge Generation in Europa eine Perspektive bekommt – oder ob sie diesem Kontinent den Rücken kehrt. In manchen Ländern herrscht erdrückende Jugendarbeitslosigkeit. Gleichzeitig haben deutsche Betriebe 34 000 unbesetzte Lehrstellen. Wir haben zudem Freizügigkeit in Europa. Also lasst uns Jugendliche ohne Job und Arbeitgeber ohne Azubi doch zusammenbringen!

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Azubis aus dem Süden sollen also unsere Wirtschaft stärken, damit wir hinterher Rettungsschirme spannen können?

Alle profitieren davon. Hier werden hochwertige Ausbildungsplätze nicht eingestampft, sondern genutzt. Der Süden wird von Arbeitslosigkeit entlastet. Gleichzeitig müssen die Südländer wettbewerbsfähig werden, das beginnt bei der Ausbildung. Es gibt ein klares Muster: Länder mit extremer Jugendarbeitslosigkeit haben keine zeitgemäße duale Ausbildung. Das betrifft nicht nur Spanien, Italien, Portugal oder Griechenland. Auch Schweden stellt gerade fest, dass die mittlere Fachkräfteschiene fehlt.

Zur Person

  • Ursula von der Leyen

    Von der Leyen, 54, CDU, führt seit 2009 das Arbeitsministerium. Zuvor war die promovierte Ärztin Bundesfamilienministerin und in ihrer Heimat Niedersachsen Sozial- und Frauenministerin.

Am 3. Juli lädt die Bundesregierung zum EU-Job-Gipfel nach Berlin. Mit welcher Agenda gehen Sie in das Treffen?

Geld allein reicht nicht. Wir müssen finanzielle Mittel koppeln mit einer Arbeitsmarktpolitik, die in der Tagespraxis wirksam ist. Deshalb haben wir neben den Arbeitsministern, der EU-Kommission, den Sozialpartnern und den Staats- und Regierungschefs auch die 27 Chefs der Arbeitsagenturen mit am Tisch.

Was soll denn ganz konkret geschehen?

Erstens die Mobilität verbessern, zweitens die duale Ausbildung europaweit aufbauen! Der Staat sorgt für die Berufsschulen, die Wirtschaft für die Ausbildungsplätze. Nur dann wird der Fachkräftenachwuchs am Bedarf entlang und nicht am Markt vorbei ausgebildet. Es braucht eine europaweite Vergleichbarkeit und Anerkennung von Abschlüssen. Egal, ob der Mechatroniker in Irland oder Italien ausgebildet wurde: Man muss sicher sein, dass in der Lehre dasselbe drin war.

Arbeitsmarkt Taugt die duale Ausbildung zum Exportschlager?

In keinem EU-Land ist die Jugendarbeitslosigkeit so niedrig wie in Deutschland. "Trained in Germany" avanciert zum neuen Markenzeichen teutonischer Qualität. Hat die duale Ausbildung das Zeug zur Blaupause für Europa?

Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

Und die Akzeptanz steigt, wenn Durchlässigkeit nach oben gegeben ist. Nach einer Ausbildung muss ein Studium möglich sein. Dritter Punkt: die Lösung der Kreditklemme. Gesunde kleine und mittelständische Unternehmen bekommen in den Krisenländern von ihren Banken momentan keinen Investitionskredit oder nur zu horrenden Zinsen. Das können wir mit Mitteln der Europäischen Investitionsbank lindern.

Leisten die Unternehmen genug, um die Ausbildung in Südeuropa zu verbessern?

Es gibt immer Erstaunen, wenn ich im Ausland erzähle, dass es hier eine Ausbildungsvergütung gibt und dass junge Menschen nicht etwa für die Ausbildung bezahlen müssen. Allen, auch und gerade den europäischen Unternehmen, muss klar sein: Wer in Zukunft in Europa produzieren und im globalen Wettbewerb mithalten will, muss sich heute um die europäische Jugend und seinen Fachkräftenachwuchs kümmern.

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