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Kommentar Bundesbank: Ausstieg durch Geld drucken

von Malte Fischer

Die Währungsgemeinschaft ist zu einer Schuldenunion mutiert. Mit 390 Milliarden Euro ist deutsche Steuerzahler an Hilfspaketen beteilige, hinzu kommen 550 Milliarden an Target-Salden. Könnte Deutschland trotzdem aus dem Euro aussteigen? Durchaus.

Zurück zur D-Mark: die neue alte Währung dürfte schnell einer der stabilsten und vertrauenswürdigsten der Welt werden. Quelle: dpa
Zurück zur D-Mark: die neue alte Währung dürfte schnell einer der stabilsten und vertrauenswürdigsten der Welt werden. Quelle: dpa

Kaum hatte EZB-Chef Mario Draghi den zweiten Schuss aus seiner „Dicken Bertha“ abgefeuert und die Zinsen für die Anleihen der Euro-Krisenländer nach unten gedrückt, da lockerte Spaniens Regierung auch schon den Sparkurs. Statt einer Defizitquote von 4,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sollen es nun bis zu 5,3 Prozent werden. Auch in den Niederlanden bröckelt die Bereitschaft zum Sparen bereits wieder.

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Die Euro-Gemeinschaft mutiert so immer mehr zu einer Schuldenunion. Schon jetzt haften die deutschen Steuerzahler mit rund 390 Milliarden Euro für die Hilfspakete, die die Rettungseuropäer zugunsten der Krisenländer geschnürt haben. Dazu kommen die sogenannten Target-Forderungen in der Bilanz der Bundesbank. Sie sind durch das Target-Zahlungssystem entstanden, über das die Zentralbanken der Euro-Zone grenzüberschreitende Geldgeschäfte abwickeln. Die Krisenländer finanzieren auf diesem Weg ihre Importüberschüsse und ihre Kapitalflucht. Das Geld dafür beschaffen sie sich von ihren Notenbanken. Weil ein großer Teil der Liquidität nach Deutschland fließt, haben sich bei der Bundesbank Target-Forderungen gegenüber den anderen Euro-Notenbanken von zuletzt knapp 550 Milliarden Euro angesammelt.

Bräche die Währungsunion auseinander, müsste die Bundesbank diese Forderungen abschreiben, der Verlust würde ihr Eigenkapital und ihre Neubewertungsreserven ausradieren. Normalerweise müssten dann die Steuerzahler die Bundesbank retten – oder es käme zu einem Währungsschnitt.

Die Lösung: negatives Eigenkapital

Doch es könnte einen Ausweg geben, auf den jüngst Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hingewiesen hat. „Es gibt Notenbanken, die mit einem negativen Eigenkapital arbeiten“, erklärte Weidmann. Das heißt: Sind Eigenkapital und Neubewertungsreserven aufgezehrt, könnte die Bilanz durch negatives Eigenkapital auf der Aktivseite ausgeglichen werden.

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Unternehmen können mit negativem Eigenkapital nicht lange überleben, bedeutet es doch, dass der Wert ihrer Anlagen nicht reicht, um ihre Schulden zu begleichen. Zentralbanken hingegen können Geld drucken, um Schulden zu tilgen. Zudem können sie das gedruckte Geld rentabel anlegen, um Gewinne (Seignorage) zu erzielen, mit denen sie das negative Eigenkapital abtragen. Das Problem ist nur: Drucken sie zu viel Geld, entsteht Inflation. Daher ist negatives Eigenkapital nur eine Option für Zentralbanken, denen man vertraut, dass sie ihre kaputte Bilanz nicht auf Kosten des Geldwerts reparieren.

Die Bundesbank genießt dieses Vertrauen, nicht zuletzt aufgrund ihrer jahrzehntelangen Stabilitätstradition. Träte Deutschland aus dem Euro aus, könnten die Währungshüter ihre Target-Verluste daher durch negatives Eigenkapital kompensieren, ohne die neue Währung in Misskredit zu bringen. Die neue D-Mark dürfte – wie schon die alte – rasch eine der stabilsten und vertrauenswürdigsten Währungen der Welt werden.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.03.2012, 13:20 UhrMietzekater

    Liebe Euroanhänger, die Einschläge kommen immer näher. Wenn das jetzt schon in den MSM diskutiert wird dann ists nicht mehr weit bis zum Ende des unsäglichen Teuros.

  • 19.03.2012, 19:26 Uhrfishman

    Was kostet uns, Deutschland, die Finanzkrise. 340 mrd Garantien. ca 600 mrd Target2 Saldo, zusätzliche Hilfen für GR und evtl. andere Länder, unser Haftungsanteil an der EZB mit ihren dicken Bertas. Und- schon vergessen, die milliardennschweren Abschreibungen, Auslagerungen in Bad Banks usw. auf die CDS und den anderen amerikanischen Derivate Sch...... ! Deutschland ist seine Ersparnisse los. Und zwar geplant und irgendwie planvoll durchgeführt. Landesbanken, Hypo Real Estate und und.......... . Jetzt soll es für weitere Garantien an die Sozialkassen und Versicherungsvermögen gehen. "Eine kleine Gesetzesänderung " wird ausreichen, Investitionen in zukünftige Anleihen des EFS zu ermöglichen. So die Kanzlerin kürzlich. Es geht jetzt buchstäblich an die letzten Reserven. Was ist das Ziel und wer bestimmt dieses in einer Demokratie? Nur der Wähler, der Souverän! Durch sein Wahlverhalten. Er bekommt was er wählt und wie er wählt und wie er sich engagiert. Bestimmt!

  • 19.03.2012, 13:29 UhrGrinario

    Es gibt inzwischen Journalisten (Münchau im Spiegel z.B.), die diese ungeheure Summe an Target-Forderungen offen als Druckmittel dazu benutzen, um uns Deutschen zu sagen, die Euro-Währungsunion ist unumkehrbar und muss nun zwangsläufig in eine Transferunion mittels Eurobonds münden. Begründung: ein Ende der Währungsunion würde für die Deutschen so teuer werden, dass es letztlich noch billiger wäre, die Südperipherie Jahrzehnte durchzufüttern. Wenn man dieser Logik folgt, haben die Euro-Südländer ein perfektes Druckmittel gegen die deutschen Politiker, die Politik der Rettungsschirme und zukünftig der Eurobonds muss dann ewig weitergehen.

    Sinn des Artikels von Herrn Fischer ist es – und da kann man ihm nur überschwänglich danken !!! -, aufzuzeigen, dass die Existenz dieser Target-Forderungen durchaus als Druckmittel auch gegen die Südperipherie verwendet werden kann. Denn Deutschland hat im Falle eines Auseinanderbrechens des Euros, Alternativen, es ist eben nichts wirklich alternativlos: der deutsche Steuerzahler kann die 550-Milliarden-Zeche bezahlen oder aus der Währungsunion austreten und die Target-Verluste durch negatives Eigenkapital kompensieren. Die neue DM oder, meine Ergänzung, eine neue Nordeuro-Währung mit stabilen Staaten aber würde „rasch eine der stabilsten und vertrauenswürdigsten Währungen der Welt“. Viele Deutsche ahnen inzwischen, dass dies wohl der einzige Weg bleibt, um nicht völlig in diesem vom Euro erzeugten Schuldenorkan unterzugehen.

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