Bundesbank-Chef: Weidmann: Deflationsgespenst löst sich in Luft auf

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Bundesbank-Chef: Weidmann: Deflationsgespenst löst sich in Luft auf

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Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

Bundesbankchef Jens Weidmann warnt vor irrationalen Inflationsängsten und betont, dass eine expansive Geldpolitik derzeit angemessen sei. Auch zu seinen Zukunftsplänen äußert sich der Bundesbanker.

Bundesbankchef Jens Weidmann gibt sich gelassen. Sorgen vor sowohl stark steigenden als auch stark fallenden Verbraucherpreisen hält er gegenwärtig für nicht gerechtfertigt. Das Risiko einer deutlich erhöhten Inflation sei gering, sagte Weidmann in Berlin. Auch eine Phase breit angelegter Deflation droht aus seiner Sicht nicht: „Auch dieses Gespenst löst sich bei nüchterner Betrachtung in Luft auf.“

Dabei haben fallende Preise für Sprit und Heizöl die Inflationsrate in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit 2010 gedrückt. Obwohl sich Lebensmittel deutlich verteuerten, stiegen die Verbraucherpreise 2013 insgesamt nur um 1,5 Prozent nach 2,0 und 2,1 Prozent in den beiden Vorjahren, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Die Behörde bestätigte damit eine erste Schätzung. Die Jahresteuerung liegt deutlich unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB), die Preisstabilität bei einer Rate von knapp unter zwei Prozent gewahrt sieht.

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"Mit meinem Kollegen Mario Draghi stimme ich vollkommen darin überein, dass es keinen Grund gibt, irrationale Inflationsängste zu pflegen", sagte Weidmann. Draghi hatte mit Blick auf die Kritik an seinem Kurs eine "perverse Angst" in Teilen der deutschen Öffentlichkeit beklagt. Weidmann sprach sich für eine Versachlichung der Debatte aus: "Ich plädiere dafür, die Dinge nüchtern zu analysieren und auch langfristige Gefahren für die Preisstabilität im Blick zu behalten." Weidmann betonte, er bekämpfe die Niedrigzinspolitik nicht. Eine expansive Geldpolitik sei derzeit angemessen. Die ultralockere Geldpolitik dürfe jedoch nicht zur "Dauertherapie werden".

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Weidmann will bleiben

Dabei trat Weidmann bereits einige Male als Kritiker der expansiven Geldpolitik von EZB-Chef Draghi auf. Trotzdem will er offenbar noch lange an der Spitze der Bundesbank ausharren. "Ich möchte erst einmal bleiben. Wenn eine zweite Amtsperiode möglich ist, bleibe ich gerne noch länger", sagte Weidmann. Sein Mandat endet 2019. Mit einer zweiten Amtszeit würde er die Bundesbank sogar bis 2027 führen. Dies liegt aber nicht alleine in seiner Hand, da die künftige Bundesregierung in dieser wichtigen Personalie das Vorschlagsrecht hat. Die Frage eines Wechsels zu einer Geschäftsbank stelle sich für ihn nicht, betonte Weidmann. Sein Vorgänger Axel Weber hatte im Streit über die Krisenpolitik der EZB 2011 das Handtuch geworfen und war nach einer Karenzzeit zum Schweizer Geldhaus UBS gewechselt.

Weidmann hat im EZB-Rat als einziger Notenbanker gegen das Staatsanleihen-Ankaufprogramm gestimmt, mit dem die Europäische Zentralbank Krisenstaaten bei Bedarf stützen und damit letztlich den Euro stabilisieren will. Er sieht damit die Grenze zwischen Geld- und Finanzpolitik verwischt. Weidmann warnte auf der Veranstaltung der Zeitung "Tagesspiegel", Anleihenkäufe könnten sich als kontraproduktiv erweisen: Die Vermischung von Geld- und Fiskalpolitik untergrabe "den auf Eigenverantwortung und dem Haftungsprinzip aufbauenden Rahmen der Währungsunion."

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