
Chefs haften für ihre Mitarbeiter und können diese gewöhnlich auch auswählen. Doch für die Führungsetage der Deutschen Bundesbank gilt das nicht. Die Vorstandsmitglieder werden von der Politik bestimmt, wobei dem Präsidenten der Bundesbank noch nicht einmal ein Veto zugestanden wird. Im Fall Sarrazin hätte Weber also gar keine rechtliche Handhabe gehabt, den allenfalls finanzpolitisch versierten Quertreiber in die Schranken zu verweisen – geschweige denn von vornherein zu verhindern.
Nach dem Bundesbank-Gesetz entscheiden Bundesregierung und Bundesrat, wen sie nach Frankfurt entsenden. Sarrazin kam Mitte 2009 zur Bundesbank, weil Berlin und Brandenburg zu der Zeit das Vorschlagsrecht hatten und dem damaligen Berliner Finanzsenator zu einem angemessenen Vorruhestandsposten verhelfen wollten.
Auch wer einen möglichen Nachfolger von Sarrazin bestimmen darf, gegen den jetzt das Abberufungsverfahren läuft, steht schon fest. Nach einem Tableau der Finanzministerkonferenz aus dem Jahr 2003 haben in diesem Jahr die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Saarland das Vorschlagsrecht, 2015 sind dann Sachsen und Thüringen dran.
Geeigneter Kandidat
Die Kritik, bei diesem Verfahren würden nicht immer die geeignetsten Kandidaten ausgewählt, tropft an der Politik stets ab. Zuletzt wurde moniert, dass die Bundesregierung den altgedienten FDP-Bundestagsabgeordneten Carl-Ludwig Thiele nach Frankfurt schickte, obwohl mit dem erfahrenen Banker Gerd Häusler ein wesentlich geeigneter Kandidat zur Verfügung stand.
Die Personalgroteske trifft Bundesbank und Bundesrepublik zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Denn spätestens seit der Griechenlandkrise tobt in der Euro-Zone ein erbitterter Kampf zwischen Tauben und Falken. Der Fall Sarrazin geht zulasten der deutschen Position. Das wird auch Bundeskanzlerin Merkel zu spüren bekommen, wenn es um die Fortentwicklung der Währungsunion geht.














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Alle Kommentare lesen05.09.2010, 23:20 UhrAnonymer Benutzer: Klarheit bitte
Die Sache ist ja wohl eher umgekehrt,es war deraufgebaute unglaubliche Druck,an dem auch Frau Merkel nicht unwesendlich beteiligt war.Und diesem Druck war Weber ausgesetzt.Es war eine Art Test,hält er stand oder nicht.Merkel trifft ein erheblicher Teil der Schuld,nur sie kann es verschleiern,wenn man nicht darauf aufmerksam macht.
04.09.2010, 14:19 UhrAnonymer Benutzer: Kowalski
Hier findet ein Ränkespiel statt. Das ist schon seit längerem bekannt. Sarrazin ist nur ein bauer auf dem brett, der zufällig ins Spiel stolperte und schnell geopfert werden soll, bevor er die Partie nachhaltig stören kann. Dass Mitspieler wie Trichet versuchen, aus Sarrazin Honig zu saugen, verwundert nicht. Die vom Autor Christian Ramthun entwickelte Theorie bezüglich Merkel halte ich jedoch für nicht zielführend und deshalb abwegig. Merkel ist, wie die überwiegend verlogen taktierende Politikerschaft, eine Getriebene und vergrätzt sogar ihre eigenen Wähler. Das ist kein planvolles Vorgehen. Das sind Reflexe, die hier mehr Schaden als Nutzen hervorbringen. Sie hätte besser schweigen sollen oder wieder einige ihrer inhaltsleeren Phrasen absondern sollen. Das wäre diesmal besser gewesen.
04.09.2010, 13:50 UhrAnonymer Benutzer: Berliner
Die Wiwo-Überlegungen in bezug auf Merkel u. Weber sind doch äusserst kuzsichtig;
Die Ausrede Sarrazin häte Webers installierung zum EZb Präsidenten verhindert ist kaum glaubhaft, denn wer am meisten bezahlt bekommt auch den besten Posten; nur weil Merkel zu feige ist deutsche interessen in Europa standhaft zu vertreten gehen Eurowertstabilität u. EZb-Präsidentschaft verloren u. nicht wg. der zwar sachlich richtigen aber unglücklich vorgetragenen Thesen von Sarrazin !