Bundesbank: Der Fall Sarrazin hilft Merkel aus einem Dilemma

Bundesbank: Der Fall Sarrazin hilft Merkel aus einem Dilemma

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Thilo Sarrazin bei der Vorstellung seines Buches "Deutschland schafft sich ab"

von Christian Ramthun

Der Fall Sarrazin schadet Bundesbank-Präsident Axel Weber – und hilft Bundeskanzlerin Angela Merkel aus einem Dilemma.

Am Ende gewinnt immer die Kanzlerin. Vor allem, wenn Männer im Spiel sind. Selbst die Schlammschlacht um Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin könnte nun Angela Merkel nutzen, sich aus einem anderen Dilemma zu befreien.

Es geschah im Mai, bei der Rettungsaktion für Griechenland. Wochenlang hatten sich die Deutschen geweigert, für griechische Staatsanleihen zu bürgen. Doch schließlich fügte sich die Kanzlerin dem internationalen Druck und gab grünes Licht für ein gigantisches Euro-Rettungspaket, bei dem Deutschland seither mit bis zu 125 Milliarden Euro bürgt. Als Gegenleistung, so kolportierten anschließend einige Medien, habe damals die Kanzlerin herausgeschlagen, der nächste Präsident bei der Europäischen Zentralbank (EZB) müsse ein Deutscher sein: Bundesbank-Präsident Axel Weber.

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Brisante Personalie

Eine Mär, zu schön, um wahr zu sein. Während des turbulenten Bemühens, den Euro zu retten, konnte Merkel die ohnehin schon schwierigen Gespräche nicht auch noch mit einer solch brisanten Personalie belasten, heißt es im Kanzleramt. Überdies hätte Merkel wegen ihres zögerlichen Verhaltens keine Sympathie bei den Euro-Partnern gesammelt. Ohnehin ist der EZB-Sitz bereits in Deutschland.

Nur: Die Erwartung, ein Deutscher würde nach dem Ausscheiden von Jean-Claude Trichet im Herbst 2011 an die EZB-Spitze rücken, war längst in der Welt, und die Kanzlerin konnte dies nie dementieren: Schließlich galt Weber als zukünftiger Präsident als Garant, dass nicht zu viel Geld nach Süden fließt. Ohne Weber steht Merkel da, als habe sie den Schlüssel zur Bundeskasse verloren.

Sarrazin kam gerade recht

Da kam Sarrazin gerade recht. Mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ und seinen inzwischen von ihm selbst bedauerten Äußerungen über ein Juden-Gen beschädigte das Bundesbank-Vorstandsmitglied auch die ehrwürdige Frankfurter Institution – und ihren Chef. „Webers Aktien fallen“, schreibt das „Wall Street Journal“ süffisant. In Euro-Land seien die Zweifel gewachsen, „ob er die richtige Person sei, um Jean-Claude Trichet als EZB-Chef nächstes Jahr zu beerben“.

Trichet selbst sagte, die Thesen von Bundesbanker Sarrazin würden ihm „Entsetzen“ einflößen. Jetzt hat Weber die Entlassung Sarrazins beim Bundespräsidenten beantragt. Monatelange juristische Streitereien werden die Folge sein, die Weber beschädigen und Merkel vom Vorwurf freisprechen, die Kasse zum Plündern freigegeben zu haben. Sarrazin hat’s verdorben.

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