Bundesbank: Hoffen auf den Frankfurter Geist

KommentarBundesbank: Hoffen auf den Frankfurter Geist

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

von Henning Krumrey

Jens Weidmann wird neuer Präsident der Bundesbank. Nun hoffen alle darauf, dass er die Unabhängigkeit des Instituts wahrt und für eine strikte Preisstabilität eintritt. Ein Kommentar von Henning Krumrey.

Wer einen starken Euro will, muss jetzt auf Karl Marx hoffen. Wenn einer der meistzitierten Sätze des Kommunismus-Philosophen auch diesmal zutrifft, besteht noch Hoffnung für die Gemeinschaftswährung. „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“, hatte Marx einst formuliert. Im Fall von Jens Weidmann heißt das: Wenn er erst einmal sein Amt als neuer Präsident der Bundesbank angetreten hat, wird er auch für jene Unabhängigkeit des Instituts und für strikte Preisstabilität eintreten, die die Frankfurter Währungshüter seit der Gründung der Bundesrepublik verkörpert haben.

Noch steht der von allen Seiten als kluger Kopf und angenehmer Mensch gelobte Weidmann unter dem Generalverdacht, auch dann als verlängerter Arm der Kanzlerin zu handeln, wenn er die Regierungszentrale längst verlassen hat. Fünf Jahre als Abteilungsleiter im Kanzleramt und wichtigster Wirtschaftsberater von Angela haben ihm nicht nur tiefe Einblicke in die Politik und Kontakte zu allen Mächtigen in Wirtschaft und internationaler Finanzpolitik gebracht. Sie haben auch sein ökonomisches Weltbild verändert. Zwar hat er der Ordnungspolitik nicht abgeschworen, die er seit dem Studium hochhielt – und die er insbesondere als Leiter der Abteilung Geldpolitik bei der Bundesbank verfocht.

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Hoffnung ruht auf dem Frankfurter Geist

Doch seit ihn Merkel 2005 dort weglockte, war Weidmann permanent mit heiklen Problemen befasst, die – nicht nur unter dem Druck von Finanz-, Wirtschafts- und Eurokrise – zu Entscheidungen führten, die nicht der reinen Lehre entsprachen. An die Stelle ökonomischer Grundsätze trat der Wunsch nach pragmatischen Lösungen, wie sie der Kanzlerin am liebsten sind. Weidmann mag beispielsweise Staatshilfen für Opel ordnungspolitisch für falsch gehalten haben, aber dennoch setzte das Kanzleramt auf Staatsstütze für den angeschlagenen Autobauer. Weidmann verhandelte im Sinne der Chefin: Staatsgeld ja, aber nicht zu teuer. Erst Wirtschaftsminister Brüderle stoppte mit seinem Nein die Subventionsorgie.

Nun ruht die Hoffnung auf dem Frankfurter Geist. Auch in der Vergangenheit haben in den Bundesbankvorstand entsandte Staatssekretäre oder ehemalige Länder-Finanzminister nach kurzer Zeit zur sprichwörtlichen Unabhängigkeit gefunden. Verfechter des Wechsels von Weidmann an den Main erwarten sogar, dass der 42-Jährige schon deshalb besonders auf scharfe Abgrenzung zur Exekutive setzen muss, weil er unter Generalverdacht steht. Nützen wird allerdings auch das wenig. Denn der Einfluss der geldpolitischen Falken im Direktorium der Europäischen Zentralbank, in das Weidmann in seiner neuen Funktion ebenfalls einziehen wird, ist gering. Vorgänger Axel Weber war auch zurückgetreten, weil er aus dieser Minderheitsposition heraus nicht mehr viel bewirken konnte. Bei Weidmann wird das nicht anders sein.

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